Eigentlich für November geplant

Bedenken aus Brüssel: EU-Kommissarin Vestager prüft VDM-Verkauf an Aperam

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Die europäische Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat keine Angst vor den ganz Großen: Die Dänin hat sich unter anderem mit Google, Amazon, Apple und McDonalds beschäftigt. Jetzt prüft sie die geplante Übernahme der Werdohler VDM Metals durch Aperam.

Werdohl - Das ist ein außergewöhnlicher Vorgang: Eigentlich hätte der geplante Verkauf der Werdohler VDM Metals an die Luxemburger Aperam bereits im November über die Bühne gehen sollen. Jetzt hat die Europäische Kommission überraschend Bedenken gegen die Fusion geäußert.

Die als absolut unerschrocken geltende Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager wird persönlich eine so genannte „eingehende Prüfung“ betreiben. Das Verfahren dauert bis zum 19. April 2019. 

Die Hoffnungen des derzeitigen VDM-Besitzers Lindsay Goldberg auf einen schnellen Verkauf noch in diesem Jahr sind jedenfalls zerschlagen. Der Private-Equity-Fonds Lindsay Goldberg hatte im April 2018 mit Aperam S.A. einen Vertrag über den Verkauf seiner Anteile an der VDM Metals GmbH geschlossen. Dem Verkauf wurde ein Unternehmenswert von 596 Millionen Euro zugrunde gelegt. Nach Vorprüfungen wurde der geplante Zusammenschluss bei der Kommission erst am 23. Oktober 2018 zur Genehmigung angemeldet. 

VDM Metals führend auf dem Nickel-Weltmarkt 

Die Europäische Kommission hat vor wenigen Tagen eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um die geplante Übernahme von VDM durch Aperam nach der EU-Fusionskontrollverordnung zu prüfen. Gegenwärtig hat die Kommission Bedenken, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb auf dem Markt für Nickellegierungen einschränken könnte. Das ließ die EU-Kommission durch ihre deutsche Vertretung mitteilen. Das eingehende Prüfverfahren werde ergebnisoffen geführt. 

Die Aperam-Firmenzentrale in Luxemburg.

Demnach erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am 30. November: „Nickellegierungen sind ein wichtiger Input für Erzeugnisse, die in einer großen Bandbreite von Industriezweigen, ob Pkw- und Lkw-Industrie, Öl- und Gasindustrie oder Elektronik- und Elektroindustrie, hergestellt werden. Der geplante Zusammenschluss würde die beiden führenden europäischen Anbieter zusammenbringen. Deshalb wird die Kommission sorgfältig prüfen, ob die von Aperam geplante Übernahme von VDM den Wettbewerb auf den Märkten für Nickellegierungen beeinträchtigen und für die europäischen Hersteller und die Verbraucher eine geringere Auswahl beziehungsweise höhere Preise bewirken würde.“ 

Weltweit rund 2000 Mitarbeiter

VDM Metals beschäftigt weltweit rund 2000 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als eine Milliarde Euro. Das Unternehmen ist seit zwei Jahren in Europa führender Hersteller korrosionsbeständiger, hitzebeständiger und hochwarmfester Nickellegierungen. Auch Aperam ist einer der führenden Nickellegierungshersteller in Europa. Das in Luxemburg ansässige und in Frankreich produzierende Unternehmen stellt rostfreien Stahl, Elektrostahl und Spezialstahl her. Seine aus über 40 Ländern stammenden Kunden sind in einer großen Bandbreite von Branchen tätig. Aperams größter Anteilseigner, der Treuhandfonds der Familie Mittal, ist auch der größte Anteilseigner von ArcelorMittal, das über seine Tochter Industeel ebenfalls Nickellegierungen herstellt. 

Verfahren der Fusionskontrolle 

Insbesondere die bereits starke Position von VDM auf dem Markt für Flacherzeugnisse aus Nickellegierungen könnte durch die Fusion gestärkt werden. 

Die sich aus einer ersten Marktuntersuchung der Kommission ergebenden Bedenken bezogen sich insbesondere auf die Zusammenführung der Produktion der beiden Unternehmen im Bereich Flacherzeugnisse aus Nickellegierungen, insbesondere Bleche und Platten sowie Bänder. 

Die Kommission wird auch eingehender prüfen, ob sich das Vorhaben auf das Angebot und die Preise von Langerzeugnissen aus Nickellegierungen auswirken könnte. 

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet.

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