Nach Höhenweg-Sperrung

Baustelle im Versetal sorgt für lange Staus: Daran wird gearbeitet

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Nicht immer muss für eine Gassanierung so wie hier die Straße geöffnet werden: Mit der sogenannten horizontalen Spülbohrtechnik kann das Rohr unter der Asphaltdecke durchgezogen werden.

Werdohl – Sie behindert den Verkehr, der vom Höhenweg umgeleitet wird, sorgt für lange Wartezeiten und viel Ärger bei den Autofahrern und ist vielen zurzeit schlichtweg ein Dorn im Auge. Aber: Sie ist aus versorgungstechnischen Gründen notwendig.

Die Gasbaustelle in Bärenstein und damit auf der Umleitungsstrecke für den Höhenweg, die die Firma Westnetz dort seit einigen Monaten eingerichtet hat. Auf Anfrage erklärte Westnetz jetzt, was in dem Bereich eigentlich genau passiert. 

Bei der Gasbaustelle in Bärenstein handelt es sich um eine sogenannte Wanderbaustelle. Das bedeutet, dass die Baustelle mit Fortschreiten der Arbeiten ihren Standort wechselt – und in dem konkreten Fall nach Fertigstellung eines Abschnitts in Richtung Werdohl weiter „wandert“. 

An der zweiten Baustelle in Blechhammer sollen die Arbeiten Mitte August wieder aufgenommen werden. Auch diese Baustelle wandert in Richtung Werdohl. „Wir sanieren die Gasleitung auf insgesamt acht Kilometern Strecke“, erklärt der stellvertretende Projektleiter Stefan Haskamp. Die Sperrabschnitte sind unterschiedlich lang, sodass die Arbeiten pro Abschnitt zwischen drei und sechs Wochen dauern. Die Leitungen müssten in gewissen Abständen erneuert werden, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Allerdings, betont Westnetz-Sprecherin Julia Snelinksi, gehe von den alten Rohren zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Gefahr aus. Eine grobe zeitliche Einordnung versucht Haskamp: Die Gasleitung, die sich jetzt unterhalb der B 229 befindet, ist vor 1958 verlegt worden. 

Arbeiten dauern mindestens bis Jahresende 2021

„Rund 500 Meter sind im Abschnitt Bärenstein bereits erneuert worden“, gibt der stellvertretende Projektleiter erstmals eine erste Wasserstandsmeldung. Die gesamte Maßnahme soll noch bis mindestens 2021 dauern – und war schon seit Anfang 2019 geplant. Bis Ende des Jahres rechnet Westnetz damit, dass die Wanderbaustelle im Bereich der Haarnadelkurve vor dem Sportplatz in Altenmühle angekommen sein wird. 

„In diesem Bereich werden wir nicht darum herumkommen, die Straße zu öffnen“, sagt Haskamp. Denn der Radius der Kurve ist eng. Gearbeitet wird deshalb mit speziellen Formteilen (Bögen), die mit der Rohrleitung verschweißt werden. Die Stahlrohre weisen übrigens eine Wandstärke von vier Millimetern auf. Wandstärke und Durchmesser der Rohre richten sich unter anderem nach dem jeweiligen Druck, mit dem das Gas unterirdisch befördert wird. 

Tunnel wird in den Boden gebohrt

Bei den bisherigen Bauabschnitten in Bärenstein konnte die von Westnetz beauftragte Fachfirma ARGE in großen Teilen die sogenannte horizontale Spülbohrtechnik anwenden. Dabei wird zunächst ein passend für die Leitung dimensionierter Tunnel in den Untergrund gebohrt. Ganz vorne an der Konstruktion befindet sich ein Bohrkopf mit Wasserdüsen, danach folgen mehrere kurze Stahlstangen. Sie lagern in dem Bohrfahrzeug und werden von diesem nach und nach zu einer langen Stange zusammengeschraubt. 

Auch wenn die Straße nicht zwingend geöffnet ist: Halbseitig gesperrt werden muss sie, denn Bohrfahrzeug (rechts) und Tanklaster brauchen Platz.

Das Erdmaterial wird beim Bohren verdrängt, verdichtet und teilweise vermischt mit Wasser abgesaugt. Wenn das Bohrgestänge der Pilotbohrung in der Zielgrube schließlich wieder zutage kommt, wird ein größerer Aufweitkopf, der sogenannte Backreamer, sowie die neue Gasleitung daran befestigt. „Das Gestänge wird dann also samt Aufweitkopf und Rohr wieder zurück in Richtung Startgrube gezogen, an der das Bohrgerät steht“, erklärt Haskamp das Verfahren. 

Vorteil: Straße muss nicht komplett geöffnet werden

Diese Technik, die gerade in Bärenstein auf einem Teilstück angewendet wird, hat den Vorteil, dass die Straße nicht komplett geöffnet werden muss. Ein Start- und Endpunkt für den Bohrer reichen aus. Allerdings, erklärt Haskamp, müsse man dafür „auf andere Gegebenheiten achten, wie zum Beispiel die Beschaffenheit des Bodens und den Streckenverlauf, der nicht zu kurvig sein darf. 

Auch in Bezug auf die Kosten bedürfe es immer einer Einzelfallbetrachtung. Mal kann das offene Bauverfahren günstiger sein, mal das Bohrverfahren. „Das prüfen wir bei jedem Abschnitt und stimmen uns mit der Baufirma ab“, so Haskamp. Mit welchem Verfahren die nächsten Bauabschnitte in Richtung Werdohl durchgeführt werden, bleibt daher spannend zu beobachten – mindestens bis Ende des Jahres 2021.

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