Baustelle im Versetal bedroht Existenzen

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Katja Mähler hat Angst um ihr Geschäft. ▪

WERDOHL ▪ Seit Monaten ist die B 229 durchs Versetal eine Großbaustelle. Und jeden Morgen und Abend staut sich der Verkehr vor den Ampeln. Anwohner, Autofahrer und vor allem die Einzelhändler sind genervt. Die Kritik wird immer lauter. Hinzu kommt, dass die Baustelle mittlerweile sogar Existenzen bedroht.

„Für uns ist die Baustelle eine Katstrophe“, erzählt Katja Winter. Die Floristin ist verzweifelt, denn ihr Blumenladen an der Hauptstraße 29 liegt mitten im derzeitigen Bauabschnitt. „Unser Ostergeschäft war kaputt und Muttertag ist nicht vielversprechender.“ Das Hauptproblem: Das Parken. „Die Kunden wollen nicht weit weg parken. Ganz schlimm war die Situation, als die Fahrbahn unmittelbar vor unserem Geschäft erneuert wurde.“ Da sei der Blumenladen, in dem sich auch ein Paketdienst befindet, vom Verkehr abgeschnitten gewesen. Teilweise seien nur drei Kunden pro Tag ins Geschäft gekommen. Die Lage spitzt sich mehr und mehr zu. Ihre 400-Euro-Kraft musste Katja Winter schon entlassen. Sie konnte die Angestellte einfach nicht mehr bezahlen. „Unsere Existenz ist ernsthaft bedroht.“

Je ernster die Lage, desto größer wird auch die Wut: „Wir wurden von der Baufirma informiert, dass die Baustelle drei Wochen vor unserer Tür liege. Da sind wir mittlerweile lange drüber.“

Diesen Ärger teilt auch Nicole Mähler. Sie führt mit ihrem Mann einige Bäckereifilialen, eine befindet sich direkt an der B 229. „Auch bei uns war die Rede von drei Wochen. Das war Anfang Oktober. Jetzt haben wir Mai und die Lage ist nicht wesentlich entspannter.“ Die Arbeiten hätten planmäßig vor dem Geschäft begonnen, doch dann sei die Baufirma ins Stocken geraten. Das Abtragen der Fahrbahndecke habe lange gedauert, sodass der Winter hereinbrach. Nun sei die Baustelle zwar weiter in Richtung Lüdenscheid gerückt, doch liege der Rückstau der Ampel nach wie vor direkt vor dem Geschäft. „80 Prozent unseres Tagesumsatzes haben wir in der schlimmsten Zeit verloren, jetzt sind es immer noch 60 Prozent.“ Das Geschäft lebe von der Laufkundschaft. Insbesondere Lkw-Fahrer und Pendler seien morgens in die Bäckerei gekommen, um sich für den Tag mit Kaffee und Brötchen einzudecken. „Die kommen gar nicht mehr. Eigentlich müssten wir die Filiale schließen.“ Doch zum Glück würden die anderen Filialen die Verluste bisher noch auffangen können.

Beide Frauen ärgert besonders, dass von der Baufirma keine Auskünfte zu bekommen seien. Mähler: „Unsere Angestellten haben schon einmal die Arbeiter vor der Tür gefragt, aber nur blöde Antworten erhalten. Das ärgert mich dann richtig.“ Auch werde immer nur auf einer der Baustellen gearbeitet und dies nicht gerade in Rekordgeschwindigkeit oder mit vielen Arbeitern.

Für die Baustelle ist der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig. Pressesprecher Michael Overmeyer ist in Urlaub, nähere Auskünfte waren nicht zu bekommen.

Lydia Machelett

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