Bauprojekt auf Jahnhallen-Gelände: Anwohner in Besorgnis

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Hans Hollweg ist seit Jahrzehnten unmittelbarer Nachbar der Jahnturnhalle. Der 71-Jährige macht sich seine Gedanken über die Veränderungen, die mit dem Abriss des Gebäudes und dem Neubau des Hauses Wegwende für psychisch Kranke auf ihn zukommen. Konkreter wird er nicht.

Werdohl – Die Evangelische Frauenhilfe Westfalen hat von der Stadt Gebäude und Grundstück der stillgelegten Jahnturnhalle gekauft und möchte dort einen Neubau für die stationäre Unterbringung psychisch erkrankter Menschen errichten.

Das bisherige Haus Wegwende am Haselweg erfüllt die Ansprüche nicht mehr, die Einrichtung soll außerdem näher an die Stadt ziehen. 

Obwohl es noch keine wesentlichen weiteren Informationen zu dem Bauvorhaben gibt, haben Anwohner im Bereich der Jahnturnhalle Besorgnis geäußert. Öffentlich äußern sich dazu lediglich Axel Boshamer, Brigitte Boshamer-Zausra und Sandra Fernandez-Garcia von der Brüderstraße. Die beiden Familien haben Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren. Um diese Kinder sorgen sich die Eltern für den Fall, dass sie möglicherweise verstörende Kontakte zu psychisch Kranken erleben könnten. Die Bewohner des Hauses seien im geplanten Neubau sehr nah an der Innenstadt und direkt neben der katholischen Grundschule. Die Mütter wollen ihre Kinder dann nicht mehr zu Fuß gehen lassen. Die Angst vor psychisch erkrankten Menschen ist so groß, dass die Familien den allerschlimmsten Fall annehmen. Falls zum Beispiel die Medikation eines Bewohners versage, könne er aggressiv auf die Kinder einwirken. 

Seit Jahrzehnten in Werdohl untergebracht

Dass diese Menschen jetzt schon seit Jahrzehnten störungsfrei in Werdohl am Haselweg untergebracht sind, beruhigt die beiden Familien nicht. Axel Boshamer fragt sich, ob psychisch Kranke mitten in der Stadt gut aufgehoben seien. Das bisherige Haus am Waldrand scheine ihm doch besser geeignet zu sein. Boshamer hat im beruflichen Kontext von „schlimmen Fällen“ erfahren: Ein Patient habe ständig vor einem Kindergarten onaniert, einer vor Kinderaugen mit einem Messer auf ein Kleintier eingestochen. Sicher, so räumt Boshamer ein, seien das extreme Fälle. Aber sie müssten sich ja nicht gerade in seiner Nachbarschaft wiederholen. 

Der ehemalige Spielplatz der Jahnturnhalle ist eingezogen, obwohl die Frauenhilfe die Neubaupläne noch nicht vorgestellt hat. Die Anwohner werfen der Bürgermeisterin vor, dass sie vorschnell die Spielgeräte hat abbauen lassen.

Boshamer hat versucht, weitere Nachbarn dazu zu bewegen, ihre Besorgnis offen gegenüber der Redaktion dieser Zeitung zu äußern. Ein Termin war bereits ausgemacht, doch einer nach dem anderen habe zurückgezogen. Boshamer ist verärgert, dass seine Nachbarn nicht den Mut zu einer öffentlichen Meinungsäußerung hätten. Schließlich hätten die meisten von ihnen bei Facebook kein Blatt vor den Mund genommen. 

Haus direkt gegenüber der Halle

Hans Hollweg ist seit Jahrzehnten unmittelbarer Anwohner, sein Haus liegt direkt gegenüber der Jahnturnhalle. Hollweg steht vor allem der Stadtverwaltung äußerst kritisch gegenüber und lässt kein gutes Haar an Fachbereichsleiter Michael Grabs und an der Bürgermeisterin. Dem geplanten Neubau direkt gegenüber seinem Haus bringt er lediglich Skepsis entgegen. Im zufälligen persönlichen Gespräch macht er sich nur Gedanken, wie die Baustelle die Nachbarschaft belasten könnte und dass viele Parkplätze wegfallen würden. Über seine zukünftigen Nachbarn verliert der 71-Jährige nicht ein Wort.

Pfarrerin Angelika Weigt-Blätgen ist Geschäftsführerin der Frauenhilfe. Sie hat Anlieger und Ratsvertreter zu einer Informationsveranstaltung am 3. Juli eingeladen. Vorher gebe sie keine Erklärungen ab.

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