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Bauliche Vorgaben nicht erfüllt: Seniorenheim schließt

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Von: Volker Griese

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Das Seniorenheim Forsthaus wird zum 31. Mai geschlossen. Grund dafür ist, dass die Trägergesellschaft die gesetzlichen Anforderungen an die Wohnqualität nicht gewährleisten kann.
Das Seniorenheim Forsthaus wird zum 31. Mai geschlossen. Grund dafür ist, dass die Trägergesellschaft die gesetzlichen Anforderungen an die Wohnqualität nicht gewährleisten kann. © Volker Griese

Das zwischen Werdohl und Lüdenscheid gelegene Seniorenheim Forsthaus wird zum 31. Mai nach fast 30 Jahren schließen. Das haben Verantwortliche des Betreibers Vita Vitalis GmbH am Freitag bestätigt. Hintergrund der Schließung ist, dass die Einrichtung die baulichen Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG) nicht mehr erfüllen kann.

Werdohl ‒ Seit 1993 wird das ehemalige Hotel-Restaurant am Rande des Höhenwegs in privater Trägerschaft als Senioren- und Pflegeheim geführt, seit 2003 ist die Vita Vitalis GmbH Trägerin der Einrichtung. Bis zu 24 Personen wurden dort zeitweise versorgt. Seit knapp vier Jahren sind auf Betreiben der WTG-Behörde, die früher als Heimaufsicht bekannt war, nur noch 22 Plätze zugelassen, denn seit dem 1. August 2018 müssen in stationären Pflegeeinrichtungen 80 Prozent der Zimmer als Einzelzimmer und Bäder als Einzel- oder Tandembad angeboten werden.

Die Einzelzimmerquote erfülle das Forsthaus, versicherte Einrichtungsleiterin Dagmar Mariß: „Wir haben nur Einzelzimmer, aber nicht jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad.“ Das könne das Forsthaus nur für zehn Zimmer gewährleisten, für die übrigen zwölf Zimmer gebe es Gemeinschaftsbäder. Ein Umbau sei in Planung gewesen, die WTG-Behörde habe aber die vorgeschlagene Interimslösung nicht akzeptieren wollen.

Die Interimslösung sah nach Worten von Verwaltungsleiterin Sandra Meyer vor, sämtliche Bewohner für die Dauer der Umbauarbeiten in einem anderen Gebäude unterzubringen. Damit sei die Behörde aber nicht einverstanden gewesen, weil auch dort die Anzahl der Bäder zu gering gewesen sei. Angaben darüber, um welches Gebäude es sich dabei handelt, machte Meyer nicht. Die Alternative sei gewesen, die Anzahl der Plätze auf zehn zu reduzieren. Das wiederum habe der Träger aus wirtschaftlichen Gründen nicht akzeptieren können.

Die Konsequenz ist nun die Schließung der Einrichtung, die alle Betroffenen sehr bedauern. „Es wurde seitens der Geschäftsführung immer nach Lösungen gesucht, aber wir sind nun einmal ein kleiner Träger“, sagte Meyer. Das Forsthaus ist das einzige Seniorenheim der Vita Vitalis GmbH.

Forsthaus: Gasthof und Hotel mit illustren Gästen, Sauna und Seniorenheim

Das Forsthaus wurde 1932 gebaut und anschließend als Gasthaus mit Fasanerie, später auch mit Hotel betrieben. Aus dem Garten genossen Gäste einen Blick ins Tal der Lenne und über Werdohl. Als Ende der 1960er-Jahre die L 655 (Höhenweg) ausgebaut wurde, bedeutet das für den Gastronomiebetrieb eine Durststrecke. Die Besitzer nutzten die Zeit aber für Umbau und Modernisierung, und nach der Neueröffnung florierten die Geschäfte wieder. Zu den Übernachtungsgästen zählten viele Stars und Sternchen, die zu Auftritten nach Werdohl gekommen waren. Der wohl prominenteste Gast war Prinz Karim Aga Khan, religiöser Führer von 20 Ismaeliten in 25 Ländern. 1990 wurde das Forsthaus verkauft und zu einem Senioren- und Pflegeheim umgebaut. Auch ein (seriöser) Saunabetrieb war dort zeitweise untergebracht. Am Silvesterabend des Jahres 2003 hat ein verirrter Feuerwerkskörper einen Brand im Forsthaus ausgelöst. Etwa 40 Bewohner mussten für Wochen in anderen Einrichtungen untergebracht werden, bis die Schäden beseitigt waren.

Für Einrichtungsleiterin Dagmar Mariß ist es unverständlich, dass das Seniorenheim Forsthaus in weniger als zwei Monaten Vergangenheit sein wird. „Es ist unfassbar, wie die Behörde entscheidet, aber das ist leider die Gesetzeslage“, vermisst sie Kompromissbereitschaft der staatlichen Stelle, die die Einhaltung des Wohn- und Teilhabegesetzes zu überwachen hat. Die beim Märkischen Kreis angesiedelte WTG-Behörde bewertet die Schließung des Forsthauses nach Angaben der Pressestelle als „unternehmerische Entscheidung des Betreibers“.

Mariß bedauert, dass die Pflegebedürftigen nun in andere Einrichtungen umziehen müssen. Im Forsthaus leben Menschen mit sehr unterschiedlichen psychischen Erkrankungen. „Gerade ihnen kommen die Unterbringung in der kleinen Einrichtung und die Betreuung durch das fantastische Team sehr zugute“, sagte sie.

Viele derzeitige Bewohner des Forsthauses hätten schon einen neuen Heimplatz in Aussicht, versicherte Verwaltungsleiterin Meyer. „Wir sind auch sehr zuversichtlich, dass am Ende alle einen neuen Platz haben werden. Bei der Suche nach einem neuen Heimplatz unterstützen wir auch auf Wunsch“, sagte sie. Gleiches gelte für die 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die fast alle schon seit vielen Jahren „mit Leib und Seele“ im Forsthaus tätig seien. „Fast alle haben schon neue Jobs“, sagte Meyer.

Was nach der Schließung des Seniorenheims aus dem Forsthaus wird, ist offen. Martin Betker, Geschäftsführer der Vita Vitalis GmbH, wollte sich dazu nicht öffentlich äußern.

Ein Mangel an Pflegeplätzen in Werdohl ist nach Einschätzung des Märkischen Kreises durch die Schließung übrigens nicht zu befürchten. Rein rechnerisch seien auch nach dem 31. Mai für Werdohl ausreichend Plätze vorhanden. Dies werde auch im Pflegebericht für das Jahr 2022 erörtert. Den Bericht will der Märkische Kreis voraussichtlich im Mai vorlegen. In der Vergangenheit hatte der Pflegebericht für Werdohl bis 2025 ein Überangebot von 49 Pflegeplätzen beziehungsweise bis 2035 von 42 Pflegeplätzen festgestellt. Auch für die Folgejahre sei kein weiterer Platzbedarf erkennbar, hatte es geheißen.

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