Internationaler Tag der Kartoffel am 19. August

Solche Delikatessen gedeihen auf den Werdohler Höhen

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Auf dem Kartoffelroder von Landwirt Christian Crone sortiert Malte Rudolph Steine und beschädigte Kartoffeln aus.

Werdohl - Auf Flächen, die zusammen so groß sind wie drei Fußballfelder, baut Bauer Christian Crone auf Dösseln und auf der Brenge Kartoffeln an. Insgesamt rund 50 Sorten. Von den alten und seltenen Kartoffelsorten erntet er jedes Jahr nur wenige Dutzend Kilo. Anlässlich des Internationalen Tags der Kartoffel am 19. August verrät er, worauf es beim Knollenanbau ankommt.

Auf dem Hof Crone auf Dösseln gehen die Kartoffeln eigentlich nie aus. Die letzten Herbstkartoffeln aus dem Vorjahr sind in der Regel noch nicht aufgebraucht, wenn Bauer Christian Crone schon die ersten Frühkartoffeln des neuen Jahres aus der Erde holt. Dahinter steckt gute Planung und technischer Kniff, aber auch ein bisschen Glück mit dem Wetter.

Auf Flächen von insgesamt etwa zwei Hektar baut Christian Crone Kartoffeln an. Das entspricht ungefähr der Größe von drei Fußballfeldern. Eigentlich nicht viel. Doch der Ertrag – durchschnittlich 2000 Zentner – reicht in der Regel, um den Hofladen das ganze Jahr über mit leckeren Knollen bestücken zu können. „Auch in Jahren mit einer schlechteren Ernte“, versichert Crone.

Kartoffeln im Winterschlaf

Etwa ein Viertel bis ein Drittel des Umsatzes im Hofladen machen die Crones durch den Verkauf ihrer Erdäpfel. „Wir haben das ganze Jahr über Kartoffeln im Angebot“, sagt Christian Crone und erklärt, wie das möglich ist. Für eine Langzeitlagerung geeignete Kartoffeln, beispielsweise die Sorten Granola, Belana oder Marabel, lagert er bei einer Temperatur von 3 bis 4 Grad ein. „Damit versetzen wir sie in eine Art Winterschlaf. Dann halten sie sich bis zum Juni oder Juli des Folgejahres“, erklärt Crone. Weil dann schon wieder frühe Sorten wie beispielsweise die Annabell geerntet werden können, sei ein praktisch nahtloser Übergang gewährleistet.

Die festkochende und gelbfleischige Sorte Belana macht den Hauptteil der Kartoffelernte auf dem Hof Crone aus. Auf 60 bis 70 Prozent beziffert Crone den Anteil. Die vorwiegend festkochende Marabel und die leicht mehlige Granola verteilen sich gleichmäßig auf die übrigen Mengen.

Seltene und alte Sorten im Angebot

Christian Crone baut aber auch noch viele andere Sorten an, allerdings nur in Kleinmengen. „Hauptsächlich sind die für unsere Sortenausstellung beim alljährlichen Sauerländer Apfelfest bestimmt“, erklärt er, warum er den Aufwand betreibt, auf dem Acker einzelne Reihen anzulegen, um dann am Ende nur 20 bis 30 Kilogramm einer Sorte zu ernten. Doch auf diese Weise finden dann auch seltene Kartoffelsorten den Weg in Crones Hofladen.

Delikatesse vom Werdohler Acker

Dazu gehört beispielsweise die Sorte Bleu de la Manche, was übersetzt so viel heißt wie „Blaue vom Ärmelkanal“. Ursprünglich aus Südamerika eingeführt, kam die Sorte im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie im Norden Frankreichs kultiviert wurde. Die seltene Sorte zählt mittlerweile zum historischen Kulturerbe der Normandie. Lange in Vergessenheit geraten, wird die Kartoffel mit der violetten Schale und dem blauen Fleisch mittlerweile wieder in den besten Restaurants in Frankreich serviert. Crone baut somit also auf den Werdohler Höhen eine echte Delikatesse an.

Christian Crone baut auf Dösseln und auf der Brenge mehr als 50 verschiedene Kartoffelsorten an.

Begeistert ist der Bauer vom Dösseln auch von der Sorte Königspurpur, einer der ältesten deutschen Kartoffelsorten. Sie hat ein sehr dunkelrotes Fruchtfleisch, ist leicht mehlig und sehr ansprechend im Geschmack. Hinzu kommt die Schwarze Ungarin, eine alte ungarische Landsorte aus dem 18. Jahrhundert mit schwarzer Schale, aber weißem Fruchtfleisch.

Das mit tiefgelbem Fruchtfleich optisch ansprechende Bamberger Hörnchen, die altbekannte Haushaltssorte Ackersegen oder die vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren beliebte Grata – sie alle und noch etliche mehr finden jährlich einen Platz auf den Äckern von Christian Crone.

Mandelkartoffel aus Skandinavien

Und der Werdohler findet immer wieder Gefallen an weiteren Sorten. Erst kürzlich habe er in Norwegen die aus Lappland stammende Mandelkartoffel kennengelernt, berichtet er. „Als Salzkartoffel war die wirklich nichts besonderes, aber als Pellkartoffel schmeckt sie richtig lecker“, hat Crone in Erfahrung gebracht.

Doch die leckerste Kartoffel kann nicht richtig gedeihen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Es gibt nämlich zahlreiche Faktoren, die das Wachstum der nahrhaften Knollen beeinflussen. Kartoffeln bevorzugen lehmige und sandige Böden in sonniger Lage und brauchen als Starkzehrer viele Nährstoffe. Und sie brauchen ausreichend Regen, vor allem zum richtigen Zeitpunkt. „Besonders in der Blütephase, wenn die Knollen in der Erde auch ihren Wachstumshöhepunkt erreichen, muss ausreichend Regen fallen“, klärt Christian Crone auf.

Regen, der erst fällt, wenn die Früchte bereits ausgebildet sind, bringt also nichts mehr. Im Gegenteil: Er fördert allenfalls die Gefahr, dass die Kartoffeln faul werden. Dann holt Crone die Kartoffeln lieber früher aus der Erde. Wie übrigens auch in diesem Jahr. Weil er nicht mehr damit rechnen kann, dass die Kartoffeln noch dicker werden, nimmt Christian Crone den Roder eine bis anderthalb Wochen früher in Betrieb als sonst. Dabei nimmt er in Kauf, dass die Ernte nicht ganz so gut ausfallen wird wie in Jahren mit ausreichend Niederschlag.

Kluger Bauer streut das Risiko

Weil er das Wetter nicht beeinflussen kann, setzt Christian Crone ohnehin auf verschiedene Sorten, die auch ein unterschiedliches Wachstumstempo haben. „So kann ich das Risiko etwas streuen“, erklärt er seine Strategie. Doch fest steht für ihn auch: „Die letzten beiden Jahre mit den trockenen Sommern waren schon ein Härtetest.“ Crone denkt zurück an die Extremhitze rund um den 20. Juli, als die Temperaturen auch auf den Werdohler Höhen an der 40-Grad-Marke kratzten. „Bei solchen Temperaturen macht die Kartoffel regelrecht schlapp“, beschreibt Crone, wie sich solche Bedingungen auswirken.

Auch bei der Ernte ist zu trockener, rieselnder Boden nicht förderlich. Den Bauern ist lieber, wenn immer etwas Boden mit auf das Förderband des Roders gelangt. „Das schont die Kartoffeln“, erläutert Crone. Trotzdem bleibt er optimistisch. „In diesem Jahr kommen wir wohl noch einmal mit einem blauen Auge davon. Aber ein drittes trockenes Jahr muss wirklich nicht sein“.

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