Bastel-Kurse für Kuscheltierliebhaber

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Kursleiterin Lydia Bohacs

Werdohl - „Hat jemand den Schwanz von meiner Eule gesehen“, wirft Lisa Klein in die Runde. „Ich hab hier nur ein Bärenbein“, gibt Birgit Roß zur Antwort. Die beiden Frauen gehören zu einer Gruppe, die sich regelmäßig im Bärentreff von Lydia Bohacs an der Neustadtstraße einfindet.

Gemeinsam stellen die Teilnehmer aus Fellstoffen Teddybären und andere Kuscheltiere her. Mit 91 Jahren ist Lisa Klein die Älteste in der Gruppe. Sie ist eine der Frauen der ersten Stunde des Bastelkurses. Seinen Anfang nimmt der vor 18 Jahren. Zunächst besucht Lydia Bohacs 1995 in Altena einen Kurs, in dem sie lernt, Plüschtiere zu fertigen. Zwei Jahre später hört die damalige Kursleiterin auf, Bohacs tritt ihre Nachfolge an. Mit dem Bus und vollen Körben macht sich die Werdohlerin von nun an einmal in der Woche auf nach Altena. Parallel bietet sie an weiteren Abenden Kurse in Pungelscheid und bei der Awo in Werdohl an.

Dort trifft sie auf Lisa Klein, die sofort begeistert ist vom Kurs. „Ich fand es toll. Es macht mir bis heute viel Spaß“, sagt Klein, während sie den Körper ihrer Eule zusammennäht. Im Laufe der Jahre habe sie schon viele Tiere angefertigt. „Ich habe sechs Kinder, acht Enkel und fünf Urenkel“, erzählt die Rentnerin. Für alle habe sie schon etwas genäht. Manche Tiere behalte sie aber für sich selbst. So zum Beispiel eine Reihe Glückselefanten und ein Erdmännchen. Letzteres habe ihre Tochter Birgit Klasen unbedingt haben wollen. „Ich hab gesagt, mach dir selbst eins. Seitdem ist sie auch mit dabei“, sagt Klein lachend.

Birgit Klasen sitzt neben ihrer Mutter. Vor ihr auf dem Tisch liegen der plüschige Bauch und ein paar Beine, die zu Teddybär „Jonti“ gehören. Auch Birgit Roß hat sich Bär „Jonti“ ausgesucht. Wenn er fertig ist, will sie ihn einer Kollegin schenken, die ein Kind erwartet. Jedes Schnittmuster habe einen Namen, erklärt Roß. Manche Bärenmacher tauften ihre Teddys aber auch auf persönliche Namen. So heißt ein Bär von Monika Knaak Kalle. „Wie mein Mann“, erklärt sie. Aktuell ist sie an einem größeren Bär auf vier Pfoten zu Gange. Keine einfache Aufgabe, hat sie sich als Material doch den schweren Stoff eines alten Fellmantels ausgesucht. „Zum Wegschmeißen fand ich ihn einfach zu schade“, sagt Knaak, dann drückt sie mit ganzer Kraft die Nadel durch das widerspenstige Fellstück. Anschließend versieht sie das Tier an den Beinen mit Gelenken.

Am anderen Ende des langen Tisches, auf dem sich unzählige Nähutensilien und Stoffstücke tummeln, ist Renate Günther dabei, kleine Hasenköpfe zusammenzunähen. Später will sie drei davon an eine Kette hängen und als Osterschmuck verschenken. Nachdem ein Köpfchen fertig ist, macht sie sich daran, die Einzelteile des Schnittmusters für ein zweites Exemplar auf ein großes Stück braunen Fells zu platzieren und abzumalen. Anschließend schneidet sie die Teile aus und beginnt, jedes einzelne mit Nadeln abzustecken. Ein Arbeitsschritt, der Lisa Klein schwerfällt. „Meine Finger wollen nicht mehr so“, sagt die 91-Jährige. Und so übernimmt Lydia Bohacs diesen Teil für die Rentnerin.

Die Ideen zu den Tieren und Teddybären holt sich Bohacs von Messen und aus Fachzeitschriften. Diese bekommt sie teilweise sogar aus Australien. Das Material für ihren Kurs besorgt sie sich meist direkt von den Herstellern. Früher sei sie dafür bis Krefeld gefahren, inzwischen hole sie ihre Stoffe aus Duisburg. Drei Jahre lang fährt Lydia Bohacs für ihre Kurse hin und her. 2000 eröffnet sie dann ihren Bärentreff an der Neustadtstraße. Das Geschäft habe lange leer gestanden, immer wieder sei sie „drum herum geschlichen“. Nach Gesprächen mit dem Vermieter habe sie schließlich den Mut gefasst, ihrem Kurs einen festen Ort zu geben. Anfangs hätte sie den Treff – neben ihrem regulären Job als Verkäuferin – zwei Mal in der Woche geöffnet. „Es war immer proppenvoll“, erinnert sich Bohacs. Und so habe sie einen zusätzlichen Tag eingeführt.

Aktuell ist der Bärentreff dienstags, mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr und donnerstags zudem von 9 bis 11.30 Uhr geöffnet. Dann widmen sich die Bärenmacher in gemütlicher Runde und bei Kaffee und süßen Leckereien ihrer Bastel-Leidenschaft. Auch ein Plausch darf dabei nicht fehlen. Und so tauschen sich die Teilnehmer nicht nur über neue Teddy-Schnittmuster aus, sondern berichten auch von Urlauben und Familienfeiern. Für ein paar Teilnehmer ist im Bärentreff noch Platz. Wer Lust hat, kann einfach zu den Öffnungszeiten kommen. Pro Treffen zahlt jeder drei Euro. Dazu kommen dann noch die Materialkosten, die je nach Art und Größe der Tiere variieren. Auch junge Männer hätten sich ihrem Kurs schon angeschlossen und süße Bärchen für ihre Freundinnen gemacht.

Vorkenntnisse seien nicht nötig. Auch müssten die Teilnehmer nicht regelmäßig kommen, sondern nur dann, wenn sie Lust und Zeit dazu haben. Das sei insbesondere für Schichtarbeiter von Vorteil. Wer Kontakt zu Lydia Bohacs aufnehmen und sich über den Kurs informieren möchte kann das telefonisch unter 0 23 92 / 1 21 34. - Von Jana Peuckert

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