Bald in Werdohl auch Türkischunterricht in der 5. und 6. Klasse?

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Vorsitzende Belma Bektas-Kiliç und Geschäftsführer Yavuz Kiliç vom Türkischen Elternverband Werdohl haben für Sonntagabend Eltern ins JBZ eingeladen, um über die Möglichkeit von herkunftssprachlichem Unterricht in der 5. und 6. Klasse zu informieren. 

Werdohl - Der Türkische Elternverband Werdohl bietet am Sonntagabend im Jugend- und Bürgerzentrum (JBZ) eine Veranstaltung zum herkunftssprachlichen Unterricht an. Wenn sich genügend Eltern finden, könnte die Bezirksregierung eine Lehrkraft für die weiterführenden Schulen nach Werdohl entsenden.

Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU) hieß früher muttersprachlicher Unterricht. Da für Kinder aus türkischen Familien türkisch schon lange nicht mehr die Muttersprache ist, wird auch häufiger der Begriff der Familiensprache verwandt. Das trifft es gut, da auch viele in Deutschland geborene Eltern türkischer Abstammung mit ihren Kindern zuhause türkisch sprechen. 

Hier setzen die Elternverbands-Vorsitzende Belma Bekta¸s-Kiliç und Geschäftsführer Yavuz Kiliç an. Seit der Neugründung des Werdohler Elternverbandes vor ein paar Jahren – die Arbeit war eingeschlafen – seien viele Nachfragen nach HSU an sie gerichtet worden. In den Werdohler Grundschulen Königsburg und Kleinhammer sowie in Ütterlingsen wird dieser Unterricht angeboten, an Realschule und Albert-Einstein-Gesamtschule nicht. 

Belma Bekta¸s-Kiliç erinnert sich: „Ich hatte noch an der Gesamtschule Türkisch-Unterricht.“ Die 28-Jährige Türkin ist in Werdohl aufgewachsen, hat das Abitur an der AEG abgelegt und studierte Jura. Mittlerweile hat sie beide Staatsexamen bestanden und ist Volljuristin. Im März dieses Jahres heiratete sie den deutschen Werdohler Yavuz Kiliç. Der 29-Jährige ist Experte auf dem Gebiet des HSU. Kiliç hat sein Abitur in Werdohl gemacht, hat Lehramt studiert und arbeitet jetzt an zwei Stellen: An einer Schule in Bochum unterrichtet er Türkisch, Mathematik und Deutsch als Zweitsprache sowie Deutsch als Förderunterricht in Integrationsvorklassen. Am Zentrum für schulische Lehrerbildung in Dortmund ist er Fachleiter für Türkisch. 

Interferenzfehler vermeiden 

Das Paar ist erst in diesem Jahr von Werdohl nach Dortmund umgezogen, der Arbeit wegen. Die Verbindungen nach Werdohl sind noch eng, von daher würden sie den Türkischen Elternverband noch eine ganze Weile leiten können. 

Die beiden wollen die türkischstämmigen Werdohler Eltern über das Angebot der Bezirksregierung informieren, die HSU an weiterführenden Schulen anbietet. Dazu müsse ein konkreter Bedarf von 18 Schülern gemeldet sein, dann könne die Bezirksregierung eine Lehrkraft nach Werdohl abordnen. 

Bekta¸s-Kiliç: „Die Eltern müssen das wollen und erklären, ob sie Interesse haben.“ Dieses Interesse soll bei der Infoveranstaltung am Totensonntag um 17 Uhr im JBZ abgefragt werden. 

Infoabend komplett auf Türkisch

Yavuz Kiliç ist vom Sinn des HSU überzeugt: „Es ist wissenschaftlich erwiesen dass es sinnvoll ist, beide Sprachen zu fördern.“ Fehler in der deutschen Sprache von Türkischstämmigen würden durch Interferenzfehler entstehen, erläutert der Pädagoge. Manches werde im Kopf eins zu eins aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt, dabei entstünden Fehler. 

Belma Bekta¸s-Kiliç sagt, dass viele türkischstämmige Eltern bei ihren Kindern viel Wert auf eine korrekte deutsche Sprache legen würden. Da die Kinder aber auch die türkische Sprache nicht korrekt beherrschten, färbe sich das negativ auf die deutsche Sprachentwicklung durch. Beide halten den HSU an der weiterführenden Schule für sehr wichtig und sehen das als einen Beitrag zur Integration an.  

Der Informationsabend werde komplett auf Türkisch stattfinden, schließlich richte sich der Elternverband mit dieser Veranstaltung nur an türkische Familien. Neben Yavuz Kiliç werden Dogan Bicer (Türkischlehrer an den Werdohler Grundschulen), Gülcan Kiraz (sozialpädagogische Integrationskraft an der Realschule) und Burcu Bekta¸s (Deutschlehrerin aus Lüdenscheid) zu den Eltern sprechen.

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