Staatsanwältin verlangt Haft, Verteidiger will Freispruch

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Symbolfoto

Werdohl - Vor dem Landgericht Hagen geht der "Messerstich-Prozess" in die entscheidende Phase: Am Mittwoch haben Staatsanwaltschaft und Verteidgung ihre Plädoyers gehalten, am Freitag soll das Urteil verkündet werden.

„Versuchter Mord oder Notwehr?“, lautete die Frage zu Beginn des Prozesses gegen eine 31-jährige Lüdenscheiderin. Dabei blieb es fast auch bei den Plädoyers: Staatsanwältin Beatriz Föhring schloss angesichts der vorangegangenen Auseinandersetzung zwischen den beiden „Partnern“ allerdings aus, dass das Opfer der Attacke wehr- und arglos war.

Ohne das Mordmerkmal der Heimtücke blieb „lediglich“ der Vorwurf des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung. Dabei erklärte die Staatsanwältin den Hauptbelastungszeugen für glaubwürdig: „Ich habe keine vernünftigen Zweifel, dass die Tat sich so abgespielt hat, wie der Zeuge sie geschildert hat.“

Angriff aus Rache für Untreue?

Das schloss ein, dass die Angeklagte nicht etwa aus einer vorangegangenen Rangelei und aufgrund erlittener Gewalttaten, sondern aus Rache für seine Untreue selbst zum Messer gegriffen und einen Tag nach der Entdeckung seiner Kontaktbemühungen in den Raum Köln bewusst auf ihn eingestochen habe.

Sie habe keine Erklärung dafür geliefert, wie sie in der angeblichen Rangelei mit dem Opfer an das Messer gekommen sei. Bei dem Angriff habe sie den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, weil die Stichverletzungen nur durch Zufall keine lebenswichtigen Organe oder Gefäße trafen.

Aufgrund der emotionalen Ausnahmesituation und der Mitschuld ihres Ex-Partners an der Eskalation des Streits ging die Staatsanwältin von einem minderschweren Fall aus und beantragte eine Haftstrafe von vier Jahren.

Verteidiger verlangt Freispruch

„Wir können das nicht aufklären“, verwies dagegen Verteidiger Dirk Löber auf eine „Aussage-gegen-Aussage-Situation“ und beantragte Freispruch für seine Mandantin. Das Gericht werde den Satz „Im Zweifel für die Angeklagte“ anwenden müssen. Es sei „nicht auszuschließen, dass sie in Notwehr gehandelt hat“. Nach extremen „Misshandlungen“ durch ihren Ex-Partner habe sie sich lediglich zur Wehr gesetzt. Das Urteil soll am Freitag, 13. April, ab 9 Uhr verkündet werden.

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