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Bald ist Ende: Immer weniger Schüler an Werdohler Realschule

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Von: Carla Witt

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Sebastian Mack verstärkt das Kollegium der Realschule seit Anfang Mai. Schulleiter Oliver Held freut sich, dass der Plettenberger sich für die Tätigkeit an der Werdohler Realschule entschieden hat.
Sebastian Mack verstärkt das Kollegium der Realschule seit Anfang Mai. Schulleiter Oliver Held freut sich, dass der Plettenberger sich für die Tätigkeit an der Werdohler Realschule entschieden hat. © Witt, Carla

Die Realschule an der Brüderstraße läuft bekanntlich aus. Jetzt werden noch die Jahrgänge acht, neun und zehn unterrichtet. So ist die Stimmung.

Werdohl – „In der Schule wird es jedes Jahr etwas leiser“, stellt Realschul-Leiter Oliver Held fest. Vor den Sommerferien haben 55 Zehntklässler die Realschule verlassen. „Aktuell unterrichten wir hier noch 200 Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen“, berichtet Held. Er lächelt und erklärt: „Auf die gute Stimmung in dieser Schule hat die sinkende Schülerzahl aber keinen Einfluss. Und auch die Schüler haben keinerlei Nachteile.“

Die Jugendlichen, die eine der achten, neunten und zehnten Klassen besuchen, seien nicht traurig, dass keine jüngeren mehr nachkommen, hat Held beobachtet. Dagegen falle es dem Kollegium und dem Schulleiter manchmal schwer, auf die jüngeren Schüler zu verzichten. „Zu einer Schule gehört Klein und Groß einfach dazu. Für uns ist es schon traurig, dass von unten nichts nachkommt. Andererseits wachsen die, die noch hier sind, jedes Jahr ein Stück mehr zusammen.“

Die Schule funktioniere folglich in jeder Hinsicht, unterstreicht Held, auch mit dem Hinweis auf gute Ausstattung in Sachen Digitalisierung – und die Tatsache, dass jeder Schüler ein iPad nutzen kann. Bedenken, dass irgendwann nicht mehr genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen könnten, hätten sich als unbegründet erwiesen, berichtet der Schulleiter. Seit Anfang Mai verstärkt sogar eine neue Lehrkraft das Kollegium: Sebastian Mack, ehemaliger Referendar an der Städtischen Realschule in Werdohl, unterrichtet dort jetzt die Fächer Deutsch und Englisch. Mack ist 30 Jahre alt und stammt aus der Nachbarstadt Plettenberg.

Dass es nicht zu einem Lehrkräftemangel komme, sei auch der guten Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung zu verdanken, erklärt Oliver Held, der seinem Kollegium „Wunschzettel“ vorlegt. Dort könnten die Pädagogen eintragen, wo sie in Zukunft unterrichten wollten. „Die Erfolgsquote ist sehr hoch, wenn man mit Blick auf die Zeitschiene etwas kompromissbereit ist“, unterstreicht Held, dass die Wünsche der Lehrer durchaus berücksichtigt würden.

Etwa 20 Lehrkräfte gehörten derzeit noch zum Kollegium der Realschule. „Und wenn der Bedarf hier bei uns mit sinkender Schülerzahl abnimmt, ist es zum Beispiel möglich, dass die Kollegen an ein oder zwei Tagen an eine andere Schule abgeordnet werden.“ Für die bisherigen Realschullehrer bestünde in diesem Rahmen auch die Gelegenheit, andere Schulformen kennenzulernen. „Sie können zum Beispiel testen, ob sie demnächst vielleicht lieber an einer Grundschule unterrichten wollen.“

Für die Pädagogen, die noch an der Realschule unterrichten, würden sich durch sinkenden Schülerzahlen auch Vorteile ergeben. So habe sich das Kollegium für das Lehrerraumsystem entschieden. Dabei sind die Räume nicht den einzelnen Klassen, sondern den jeweiligen Lehrern zugeordnet. Der Vorteil: Die Pädagogen können den Raum nicht nur so gestalten, dass er den Anforderungen ihres jeweiligen Unterrichtsfaches gerecht wird, sondern auch ihren persönliche Vorstellungen und Wünschen.

Oliver Held blickt optimistisch in die Zukunft, auch, wenn er schon jetzt an den Abschied von den nächsten Schülern erinnert wird: Die zehnten Klassen starten in der kommenden Woche zu ihrer Abschlussfahrt nach Hamburg. Diese Fahrt schon zu Beginn des Schuljahrs durchzuführen, habe sich bewährt: „Der Zusammenhalt wird dabei noch einmal gestärkt. Davon profitieren wir und die Schüler bis zum Ende ihrer Schulzeit an dieser Schule.“

Wenn diese Zehntklässler die Realschule an der Brüderstraße im kommenden Jahr verlassen, dann werde es auch Zeit, über die Nutzung der Schulhöfe nachzudenken. „Da wir dann noch weniger Schüler haben, werden wir uns in den Pausen wohl verkleinern, um so auch eine Aufsicht zu sparen“, kündigt Oliver Held schon jetzt an. Eines sei aber nach wie vor klar: „Alle Schüler, die wir jetzt noch hier unterrichten, werden auch hier ihre Schulzeit beenden.“

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