Unwetterfolgen

Bahnverkehr wohl noch monatelang gestört

Im Umfeld des Hagener Hauptbahnhofs, mit etwa 30 000 Reisenden täglich ein wichtiger Fern-, Regional- und S-Bahnhof, hat das Unwetter großen Schaden mit Auswirkungen auf den Bahnverkehr in der gesamten Region angerichtet.
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Im Umfeld des Hagener Hauptbahnhofs, mit etwa 30 000 Reisenden täglich ein wichtiger Fern-, Regional- und S-Bahnhof, hat das Unwetter großen Schaden mit Auswirkungen auf den Bahnverkehr in der gesamten Region angerichtet.

Nach den schweren Unwettern Mitte Juli zeichnen sich immer deutlicher die gravierenden Schäden an der Infrastruktur der Deutschen Bahn (DB) ab.

Auch wenn noch nicht alle Erkundungsarbeiten abgeschlossen sind, ist klar: Allein sieben Strecken des Regionalverkehrs haben die Wassermassen so stark zerstört, dass die DB sie sanieren oder sogar gleich ganz neu bauen muss. Eine davon ist die heimische Ruhr-Sieg-Strecke, sodass Werdohl aus Richtung Hagen wohl noch längere Zeit mit dem Zug nicht erreichbar sein wird.

„Die Reparatur- und Wiederaufbaumaßnahmen werden Wochen und Monate dauern“, gab eine Bahnsprecherin eine Einschätzung ab. Insgesamt seien in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern von den Unwetterfolgen betroffen. Nachdem die Strecken bei Überflügen mit Hubschraubern aus der Luft besichtigt worden sind, sind nun Geologen und Prüftstatiker damit beschäftigt, die Schäden im Detail aufzunehmen und Pläne für eine Instandsetzung zu entwickeln. Außerdem räumen noch immer rund 2000 DB-Mitarbeitende dort, wo das Wasser abgeflossen ist, Gleise, Bahnhöfe und Anlagen von Geröll und Schlamm frei.

Schäden von historischem Ausmaß

„In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört. Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt“, zitiert die DB Dr. Volker Hentschel, Vorstand Anlagen- und Instandhaltungsmanagement der DB Netz AG, in einer Pressemitteilung. Hentschel sprach von Zerstörungen in historischem Ausmaß. 50 Brücken, 180 Bahnübergänge, knapp 40 Stellwerke, mehr als 1000 Oberleitungs- und Signalmasten, Energieanlagen sowie Aufzüge und Beleuchtungsanlagen in den Bahnhöfen seien betroffen. Nach Schätzungen habe das Unwetter am Netz und an den Bahnhöfen Schäden von rund 1,3 Milliarden Euro verursacht.

In NRW sind die Rhein-Ruhr-Linie 9 (S-Bahn Wuppertal-Essen-Steele) sowie die Volmetalbahn RB 52 (Hagen–Lüdenscheid-Brügge) und die Ruhr-Sieg-Strecke RB91 (Hagen–Plettenberg) stark beschädigt. Zwischen Hagen und Brügge fahren anstelle der Züge nun Ersatzbusse. Auf der Ruhr-Sieg-Strecke ist es zu Gleisüber- und -unterspülungen gekommen, weshalb zwischen dem Hagener Hauptbahnhof und Werdohl beziehungsweise Iserlohn derzeit kein Zugverkehr möglich ist; auch dort wird ein Ersatzverkehr mit Bussen angeboten. In südlicher Richtung ist die Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Werdohl und Kreuztal befahrbar. Die Züge der Linien RE 16 und RB 91 aus Richtung Siegen enden und wenden in Werdohl. Fahrgäste im Fernverkehr können die Züge ab Hagen bis auf wenige Abweichungen wieder uneingeschränkt nutzen.

Arbeiten folgen einem klaren Prinzip

Die Reparaturarbeiten folgen nach Angaben der Bahn einem klaren Prinzip: Schnell zu realisierende Reparaturen und Baumaßnahmen mit hohem Nutzen für die Fahrgäste und den Bahnverkehr haben Priorität. Nach den ersten Reparaturen stehen nun aufwendigere Arbeiten an, die vom Austausch von Oberleitungs- und Signalmasten über den Bau neuer Bahnsteige, Brücken und Aufzüge bis zur Instandsetzung von Bahnübergängen reichen. Damit will die DB weitere spürbare Verbesserungen für den Schienenverkehr erzielen. Bis zum Jahresende will die Bahn etwa 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur wieder instandsetzen. Bis alles wieder hergerichtet ist, könnte es nach Einschätzung Hentschels aber Jahre dauern.

Für den in Geldnot geratenen Bahnbetreiber Abellio Deutschland, der mit seiner regionalen Tochtergesellschaft Abellio Rail NRW unter anderem die Ruhr-Sieg-Strecke bedient, haben die Unwetterschäden nach Worten von Abellio-Pressesprecherin Franka Spiekermann keine direkten Auswirkungen. Die Schäden seien an der Infrastruktur entstanden, die von der DB Netz AG zur Verfügung gestellt werde. Das Sanierungsverfahren der Mutterfirma sei davon unabhängig zu betrachten.

Die DB empfiehlt allen Reisenden, sich vor Fahrtantritt über die DB-Auskunftsmedien www.bahn.de/aktuell, den DB Navigator sowie unter bahn.de zu informieren.

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