Der Bahnhof ist ein Vorzeigeprojekt für die Stadt

Den „alten“ Bahnhof hat Peter Ortkras nur noch als Bildschirmhintergrund – jetzt freut er sich auf den neuen. - Fotos: Benninghaus

WERDOHL - Jede Stadt hat ihre Großbaustellen. In Berlin ist es der Flughafen, in Stuttgart der unterirdische Bahnhof und in Werdohl das Bahnhofsgebäude. „Der Vergleich stimmt nicht ganz“, räumt Jörg Antony ein. Er sieht jedoch einen deutlichen Unterschied: „Bei uns wird es bald was“, sagt der Inhaber des Friseurgeschäftes Renz erfreut.

Dass sich die Eröffnung des Bahnhofs verzögere, mache nichts. „Wir sind einfach froh und fühlen uns bestätigt, dass wir so lange für das Projekt gekämpft haben.“ Wie Antony verbinden auch andere Nachbarn viele Hoffnungen mit dem Umbau.

Das Gesicht des Bahnhofsviertels wird sich ändern – darin sind sich all jene einig, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Werdohler Bahnhofs arbeiten oder ihr Geschäft hier haben. Was jetzt noch Großbaustelle ist, soll bald Garant für „mehr Leben“ im gesamten Viertel sein.

Diese Hoffnung hat auch Christoph Schwarz, der die Apotheke am Bahnhof, die inzwischen sein Sohn führt, 1967 übernahm. Er sei glücklich darüber, dass das Projekt bald vollendet werde, so Schwarz. Er bedauert lediglich, dass der Balkon im vorderen Bereich des Gebäudes nicht aktiviert wird. Kritscher sieht Schwarz dagegen das zweite Großvorhaben direkt gegenüber. „Dass das Inselgebäude abgerissen wird, glaube ich erst, wenn ich es sehe“, so Schwarz. Optimal wäre aus seiner Sicht eine Realisierung der Pläne schon. Immerhin würden viele Werdohler ihre Einkäufe auswärts erledigen. Dies bestätigt auch Jörg Antony. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt er und hofft, dass der Edeka-Markt auf dem Gelände angesiedelt wird. Antony wird daher am Montag auch ein Besucher der Ratssitzung sein, wo die Pläne des Investors zur Insel-Immobilie vorgestellt werden sollen.

„Hier muss etwas passieren“, hat auch Anna Bantelidou, die ihre Gäste in Annas Treff bewirtet, die Hoffnung, dass das Viertel durch die Veränderungen künftig belebt wird. Das wünscht sich auchBastian Suhre. Der Plettenberger ist seit Oktober Geschäftsführer des Salons Figaro und hat unter seinen Kunden allerdings auch Skeptiker getroffen, was den geplanten Abriss des Inselgebäudes betrifft. „Da steht noch ein großes ‘Wenn’“, meint auch Jochen Johanßen, der mit seinem Geschäft für Farben und Renovierungsbedarf seit fünf Jahren an der Bahnhofsstraße angesiedelt ist. Die veränderten zeitlichen Pläne bezüglich der Insel-Immobilie sieht er kritisch, durch das neue Bahnhofsgebäude hofft er dafür auf „mehr Laufkundschaft“. Gespannt ist Johanßen, wie sich die geänderte Straßenführung auswirken wird. Wünschenswert wäre auch, wenn der Zustand der Straße verbessert werden könnte. „Stilistisch müsste auch die Straßenbeleuchtung angepasst werden.“ Zur Belebung des Bahnhofsviertels trage vor allem aber auch die Gemeinschaft der Geschäftsleute bei. Eine Reihe von Veranstaltungen habe man gemeinsam schon auf die Beine stellen können, freut sich Johanßen.

Dass der Bahnof früher ein Anziehungspunkt war, weiß Peter Ortkras, der sein Geschäft für Autozubehör seit 35 Jahren im Viertel unterhält. Den Werdohler Bahnhof kennt er „von unten bis oben“. Sein Wunschtraum sei es einst gewesen, Lokomotivführer zu werden. Bei der Bundesbahn absolvierte Ortkras eine Lehre, auf dem Bahnhofsgelände kennt er sich daher bestens aus. „Ich kenne die gesamte Ruhr-Sieg-Strecke. In Werdohl haben wir ein Vorzeigeprojekt“, meint er und ist überzeugt, dass vor seiner Haustür ein neuer Knotenpunkt entstehen wird. Der Busbahnhof trage dazu bei. „Der Umbau ist nicht nur eine Bereicherung für das Viertel, sondern für ganz Werdohl“, ist der 62-Jährige überzeugt.

Von Simone Benninghaus

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