Bahnhof: Die Uhr tickt

Bei Wilfried Arlt dreht sich momentan alles um das Thema Bahnhof.

WERDOHL ▪ Die Frage, was aus dem Werdohler Bahnhof werden kann und letztlich wird, beschäftigt Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und Bürgerschaft nicht erst seit diesem Jahr. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch mehr als zwei Jahrzehnte. Nur augenblicklich ist sie hochaktuell, denn Chefplaner Wilfried Arlt von der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement ist damit befasst, den Werdohler Folgeantrag für das Projekt Stadtumbau West in prüfbare Unterlagen zu bringen.

Viel Zeit hat er nicht mehr, denn bis zum 31. August läuft die Frist, alle erforderlichen Unterlagen bei der Bezirksregierung in Arnsberg einzureichen. Dabei geht es – im Gegensatz zum ersten Antrag vom 31. Juli 2009, als elf Startprojekte angemeldet worden waren – diesmal nur noch um ein Projekt: Um den Werdohler Bahnhof.

Dieses unter Denkmalschutz stehende Gebäude war im Zusammenhang mit dem Projekt Stadtumbau West vom Rat mit der obersten Priorität versehen worden. Die in Aussicht stehenden Gelder des Landes in Höhe von 1,2 Millionen Euro sollen jetzt ausschließlich für den Bahnhof verwendet werden.

Auch wenn Bürgermeister Siegfried Griebsch unlängst noch ein Fragezeichen hinter die genannte Gesamtsumme gesetzt hatte, weil die Umbau-Zuschüsse vom Bund über das Land vor einer Reduzierung stehen, hofft man im Rathaus aber darauf, dass es keine Veränderungen gibt und die 1,2 Millionen fließen werden. Dabei wird auch mit Spannung darauf gesehen, wie sich die neue Landesregierung in dieser Frage verhält.

Wilfried Arlt ist derzeit im zweiten Obergeschoss des Rathaus-Anbaus damit befasst, die nötigen Unterlagen für ein erfolgreiches Unternehmen Bahnhof zu erstellen. Zentral geht es dabei um Kostenaufstellungen und eine Finanzierungsübersicht. Einzelheiten werden nicht bekannt. Arlt sagt nur soviel: „Wir werden das Rad nicht neu erfinden“, aber es gehe um andere Zu- und Größenordnungen. An der nach wie vor geforderten Gemeinbedarfsnutzung für den Bahnhof von 50 Prozent gehe kein Weg vorbei.

Ob der Blick ins städtische Archiv für Wilfried Arlt hilfreich sein kann, bleibt in diesem Zusammenhang eher offen. Immerhin: Nach einer Ankündigung vom Juni 1991 hatte eine Studentengruppe der Fachhochschule Dortmund (Fachgruppe Architektur) im Rahmen eines Ideenwettbewerbs, der mit 5 000 D-Mark dotiert war, ab Herbst 1991 eine Reihe von Anregungen entwickelt, die – zum Teil – auch heute noch durch die Köpfe im Rathaus schwirren und sich hartnäckig halten.

Die Gedankenspanne reichte (unter der städtischen Voraussetzung, dass das Gebäude gekauft wird) von der Schaffung eines Veranstaltungssaales mit 150 bis 200 Sitzplätzen – ebentuell mit Bühne – über Übungsräume im Keller für Werdohler Rock-Gruppen bis hin zu einem Künstler- oder Kultur-Café mit professioneller Bewirtschaftung.

Zwölf Nutzungskonzepte waren schließlich vorgelegt, elf zugelassen worden. Neben den schon genannten Vorschlägen war hier auch von einem Mehrzweck-Saal, Kino mit 60 Plätzen, Bistro oder Hobbyräumen die Rede. Kleinkunst sollte möglich sein oder auch das eine oder andere Konzert. Vieles also findet sich heute wieder, auch wenn Wilfried Arlt feststellt: „Der Wettbewerb und seine Ergebnisse sind für das jetzige Konzept nicht ausschlaggebend.“

Rainer Kanbach

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