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„Bahnbrechend“: Pfarrei St. Michael erfindet sich neu

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Von: Volker Heyn

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Die 34-jährige Lehrerin Sandra Jedrusiak aus Werdohl ist seit Dezember Vorsitzende des neuen Pfarrgemeinderates St. Michael für Werdohl und Neuenrade. Ihre Vorgängerin und jetzige Stellvertreterin Simone Langhammer (links) und Pfarrer Kamil Pawlak erarbeiten gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat die Aufgaben und Handlungsfelder der Zukunft. Für Katholiken ist so etwas geradezu revolutionär.
Die 34-jährige Lehrerin Sandra Jedrusiak aus Werdohl ist seit Dezember Vorsitzende des neuen Pfarrgemeinderates St. Michael für Werdohl und Neuenrade. Ihre Vorgängerin und jetzige Stellvertreterin Simone Langhammer (links) und Pfarrer Kamil Pawlak erarbeiten gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat die Aufgaben und Handlungsfelder der Zukunft. Für Katholiken ist so etwas geradezu revolutionär. © Heyn, Volker

Größtmögliche Mitbestimmung von katholischen Laien in pastoralen Fragen und ein gemeinschaftliches Gremium für die ganze Pfarrei: St. Michael erfindet sich gerade praktisch neu.

Pfarrer Kamil Pawlak benutzt einen Superlativ und spricht tatsächlich von „bahnbrechenden“ Dingen.

Grundlage ist der vom Bistum Essen vorgegebene Pfarreientwicklungsprozess, den die katholische Pfarrei St. Michael Werdohl/Neuenrade seit vier Jahren „ziemlich praktisch“ umgesetzt habe. Das stellte der Pfarrer jetzt rückblickend auf die beiden jahrzehntelang getrennten Gemeinderäte von St. Michael und St. Mariä Heimsuchung fest.

Ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat

Als ein wesentlicher Punkt der Entwicklung ist im vergangenen Jahr ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat (PGR) mit zehn ehrenamtlichen Mitgliedern gewählt worden, der in diesen Tagen mit der konstruktiven Arbeit begonnen hat. Diese ersten Schritte in eine gemeindliche Mitbestimmung und pastorale Ausgestaltung neuer Qualität stellten PGR-Vorsitzende Sandra Jedrusiak und ihre Stellvertreterin und Vorgängerin Simone Langhammer vor.

Nach der konstituierenden Sitzung am 14. Dezember traf sich das Gremium am 11. Januar erstmals zur Arbeit. Während der Kirchenvorstand grundlegende Entscheidungen zur Finanzierung, Immobilien und Personal zu treffen hat, ist der Pfarrgemeinderat für die Ausgestaltung des pastoralen gemeindlichen Lebens zuständig.

Mit der Bestandsaufnahme beschäftigt

Hier ist das Gremium gerade mit der Bestandsaufnahme beschäftigt, Handlungsfelder zu beschreiben und in Form von Teams zu besetzen. Jedrusiak: „Das reicht von ganz klein bis ganz groß. Vom Aufstellen des Weihnachtsbaums bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit.“ Die durch Wahlen legitimierte Gemeindevertretung stelle fest, welche Angebote es gebe, welche gebraucht und welche nicht mehr benötigt werden. Oder was wünschenswert ist, aber nicht realisiert wurde.

Der Pfarrgemeinderat St. Michael: Neun der zehn Laien-Mitglieder sind Frauen

Die gewählten ehrenamtlichen Mitglieder des ersten gemeinsamen Pfarrgemeinderates von St. Michael trafen sich am 14. Dezember zur konstituierenden Sitzung. Zur Wahl der Vorsitzenden kandidierten die ehemalige Vorsitzende Simone Langhammer und Sandra Jedrusiak. In einer geheimen Abstimmung entfielen acht Stimmern auf Jedrusiak und fünf Stimmen auf Langhammer. Auf Vorschlag der Versammlung wurden Simone Langhammer und Christel Kringe gemeinsam als Stellvertreterinnen per Handzeichen benannt. Schriftführerinnen sind Bettina Scheumann und Andrea Brockhaus als Vertreterin. Der einzige Mann im Gremium, Rene Heimowski, wird in den Kirchenvorstand entsandt. In der Steuerungsgruppe wird der Pfarrgemeinderat von Claudia Kaluza und Christel Kringe vertreten. Dagmar Schröder, Melanie Bozovic und Melanie Küng komplettieren den Pfarrgemeinderat. Zum PGR gehören auch die drei hauptamtlichen Priester Kamil Pawlak, Christoph Szachta und Thaddäus Pytka.

Bahnbrechend und revolutionär sei das gerade auch deswegen, so der Pfarrer, weil nicht mehr in den Kategorien zweier Gemeinden in zwei unterschiedlichen Orten und je eigenen Befindlichkeiten, sondern in „pastoralen Handlungsfeldern“ gedacht und gearbeitet werde.

Pfarrei befindet sich im Übergangsprozess

Dass da sehr viel miteinander geredet werden muss im Übergang von alten auf neue Strukturen, verdeutlicht Simone Langhammer. Sie beschreibt die Arbeit an „Kommunikation und Vernetzung“ als sehr spannend. Solche Kommunikationsstrukturen müssten erst aufgebaut werden. Was früher in Ausschüssen bearbeitet wurde, soll zukünftig in Teams stattfinden. Das Pfarreientwicklungskonzept habe mit solchen Begrifflichkeiten lediglich Strukturen an die Hand gegeben. Jedrusiak: „Wir sind noch in der Phase, eine Übersicht zu gewinnen, wer an welchen Stellen an was in der Pfarrei gearbeitet hat.“ Ein großes Thema der katholischen Kirche ist an dieser Stelle nur beiläufig erwähnt: Natürlich gibt es auch in St. Michael Prävention gegen sexuelle Gewalt. Ausgebildete Präventionsfachkräfte der Pfarrei sind PGR-Vorsitzende Sandra Jedrusiak und PGR-Mitglied Melanie Bozovic.

Tatsächlich mache die Arbeit im PGR sehr viel Spaß, meinen die beiden Frauen ebenso wie Pfarrer Pawlak. Die Altersmischung zwischen jüngeren und älteren Gemeinderäten, das Zusammenspiel von Erfahrung und Erneuerung sei produktiv. Kamil Pawlak ist seit 14 Jahren in Werdohl, in dieser Zeit erlebe er erstmals, dass die Gemeindearbeit eigenverantwortlich neu aufgestellt werden könne. Die erste Sitzung des Pfarrgemeinderates sei zudem sehr entspannt gewesen, es gebe schließlich keinen zeitlichen Druck, bestimmte Entscheidungen zu treffen.

Priorisierung der Aufgaben

Der nächste Schritt ist die Priorisierung der Aufgaben. Was läuft, ohne dass der PGR dabei ist? Was ist so wichtig, dass es der PGR angehen sollte? Am Ende des Prozesses sollen die Handlungsfelder konkret mit Personen besetzt werden, die sich für die Umsetzung der Aufgabe engagieren wollen und Verantwortung übernehmen. Organisatorische Hilfsmittel habe es von der Beauftragten des Bistums gegeben, hieß es. Diese Werkzeuge seien gut erklärt worden.

Corona bremst den Prozess etwas. Ursprünglich war für den 12. Februar in der katholischen Akademie Schwerte eine Arbeitstagung von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat mit der Bistumsreferentin geplant. Die Pandemie erlaubt das nicht, ein neuer Termin soll jetzt erst für nach Ostern ausgemacht werden. Vorgesehen ist danach auch eine Gemeindeversammlung, um alle auf dem neuen Weg mitzunehmen.

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