Tritte, Schläge und Urin: Aufzüge ständig defekt

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Einer der drei Aufzüge, in die die Verantwortlichen der Bahn in diesem Jahr bereits 20 000 Euro investiert haben.

WERDOHL - Der erste Monat des Jahres 2014 ist gerade vorbei – und schon musste die Bahn 20 000 Euro für Reparaturen an den drei Aufzüge am Werdohler Bahnhof ausgeben. Das haben Dorothee Wasel, Leiterin des Bahnhofsmanagements der DB Netze, und zwei ihrer Mitarbeiter am Dienstagvormittag berichtet.

Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen insgesamt 46 000 Euro in die Werdohler Aufzüge investieren müssen.

Was kann getan werden, um die ständigen Defekte an den Aufzügen zu vermeiden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gespräches, das am Dienstag auf Initiative der SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag stattfand. Zuvor hatte sich das Werdohler Ehepaar Mentzel an Freitag gewandt – mit der Bitte, das Aufzugproblem zu thematisieren.

In keiner Stadt so große Probleme

„Wir haben in keiner Stadt so große Probleme wie in Werdohl,“ betonte Dorothee Wasel. Immer wieder würden die Aufzüge mutwillig beschädigt. „Jugendliche machen sich einen Spaß daraus, im fahrenden Aufzug herumzuhüpfen,“ schilderte ein Mitarbeiter aus Wasels Team ein „ständig wiederkehrendes Szenario“. Durch die entstehenden Schwingungen werde der Sicherheitsschalter aktiviert, der den Aufzug stoppe. „Dann muss jedes Mal der Befreiungsdienst der Firma Bosch anrücken und die Leute da wieder rausholen.“ Die Kosten für diese Aktionen müsse die Bahn tragen.

In den Aufzugsschacht uriniert

Hinzu kämen viele weitere mutwillige Beschädigungen. „Tritte gegen die Türen, die Aufzugwände oder Bedienelemente,“ zählte Wasels auf. Ihre Mitarbeiter berichteten, dass klebrige Flüssigkeiten auf die Bedien-Elemente geschüttet würden, auch sei es vorgekommen, dass Unbekannte in den Aufzugschacht uriniert hätten. „Das verkraften die mechanischen Bauteile auf Dauer nicht.“ Regelmäßig seien leere Bier- und auch Schnapsflaschen in den Aufzügen zu finden.

Störungen nicht alle aufgrund von Vandalismus

Dieser Argumentation wollte sich der Werdohler Friedrich Wilhelm Mentzel nicht anschließen. „Die Störungen können nicht alle auf Vandalismus zurückgeführt werden,“ erklärte er. So seien beispielsweise die Bedien-Elemente äußerst anfällig: „Die Tasten klemmen auch ohne Grund.“ Mentzel schlug vor, robustere Schalter einzubauen, denen auch Schläge oder Tritte dann nichts anhaben könnten. Auch müsse die Bahn gewisse Ersatzteile bevorraten. „Es kann nicht sein, dass es Wochen dauert, bis Defekte repariert werden können,“ ärgerte sich der Werdohler.

Feuchtigkeitsschäden

Wasel und ihre Mitarbeiter räumten ein, dass zumindest Feuchtigkeitsschäden nicht zwingend auf Vandalismus zurückzuführen seien: „Wenn es sehr stark regnet kann unter Umständen an der Schlagseite Wasser durch die Lüftungsschlitze und den Schacht eindringen“, hieß es. Das Hauptproblem sei aber die Zerstörungswut einiger Zeitgenossen. „Wir müssen die Aufzugnutzer sensibilisieren und klar machen, dass diese Technik von Menschen genutzt wird, die darauf angewiesen sind“, betonte Dorothee Wasel. Auf Anfrage der SPD-Bundestagsabgeordneten sagte die Bahnhofsmanagerin, es sei möglich, dass Beamte der Bundespolizei die weiterführenden Schulen vor Ort besuchen und dort Aufklärungsarbeit leisten. Die Werdohler SPD will Wasel nun Ansprechpartner in den Schulen nennen. Dagmar Freitag kündigte an, nach Möglichkeit an einer der Informationsveranstaltungen teilnehmen zu wollen.

Für das Umfeld ist die Stadt zuständig

Schließlich wollte Mentzel noch wissen, wer für die Reinigung der Treppenaufgänge zuständig sei. „Für das Umfeld ist ganz klar die Stadt verantwortlich. Wir müssen uns um den Bahnsteig und die Aufzüge kümmern,“ betonte die Leiterin des Bahnhofsmanagements. SPD-Mitglied Andreas Späinghaus wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob die Überführung inzwischen offiziell abgenommen worden sei. Wasel bestätigte das: „Alle Mängel sind zwischenzeitlich beseitigt worden. Die Überführung ist offiziell abgenommen.“

Dem konnte Peter Erwig, Mitarbeiter der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement der Stadt Werdohl, auf Anfrage unserer Zeitung allerdings nicht beipflichten: „Meines Wissens nach ist noch keine Abnahme erfolgt.“ Und diese könne natürlich keinesfalls ohne Beteiligung der Stadt Werdohl erfolgen. Erwig: „Es würde mich wundern, wenn die Anlage jetzt absolut mängelfrei wäre.“ - von Carla Witt

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