200 Bäume als Sinnbild für die Integration gepflanzt

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Ahmetcam, Burakund Alina hatten Spaß bei der Aktion.

WERDOHL ▪ Rund 80 Schüler sowie einige Eltern und Lehrer der Realschule haben gestern Morgen 200 Bäume auf dem Rodt gepflanzt. Mit Schaufel, Spitzhacke und Muskelkraft buddelten die jungen und älteren Aktiven Löcher, brachten Baumsetzlinge in den Boden und stellten den passenden Wuchsschutz auf.

Die Aktion ist Teil des Projektes „Wurzeln schlagen“, mit dem die Schule den Naturschutzpreis 2010 der Bezirksregierung Arnsberg gewonnen hat. Naturschutz und der Aspekt Integration sollen verbunden werden. Schüler, vorwiegend mit Zuwanderungsgeschichte in der Familie, pflanzen Bäume mit türkischer Herkunft. Der Schirmherr, Bürgermeister Siegfried Griebsch, lobte diese Aktion ausdrücklich: „Integration wird sinnbildlich vorgeführt.“

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Baumpflanzaktion der Realschule

Die zwölfjährige Seyda ist ein Beispiel dafür, wie der Begriff Integration mit Leben gefüllt wird. Der Opa war vor Jahrzehnten aus der Türkei nach Werdohl gekommen und lebt noch heute hier. Irgendwelche Integrationsaspekte der Aktion kennt sie zwar, doch vor allem die willkommene Abwechslung ist ihr Ding. „Es ist mal was anderes. Es macht Spaß.“

Direkt neben ihr steht in diesem Moment Vater Yasar Kurz. Seit seiner Geburt vor 33 Jahren lebt er in Werdohl – und will auch nirgendwo anders mehr wohnen. Angesprochen auf die Aktion redet der Familienvater ebenfalls nicht von Integration, sondern davon, dass es doch schön ist, wenn Eltern mit anpacken beim Pflanzen – und vom Naturschutz. „Einen Baum zu pflanzen, ist wie ein Leben zu schenken.“

Für die Jungs, die am Hang mit Eifer beim Pflanzen sind, spielt der Integrationsgedanke bei der Aktion ebenfalls eines Nebenrolle. Die Herkunft des elfjährigen Sebastian und der gleichaltrigen Alina ist für ihre Mitschüler mit türkischer Herkunft, Ahmetcam und Burak, ebenso zweitrangig wie umgekehrt. Nur, wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen die türkische spielt, gebe es noch einen größeren Unterschied. Die einen fiebern für Poldi, Schweini & Co., die anderen halten es mit den Altintop-Zwillingen, die für das türkische Team kicken.

Der Vorsitzende des türkischen Elternvereins in Werdohl, Ali Akdeniz, hatte seinen Spaten gleich mitgebracht, um anzupacken. Er betonte, dass die Werdohler mit türkischen Wurzeln nicht nur Häuser in der Stadt kaufen und ihre Kinder hier groß ziehen. „Wir wollen mit dieser Aktion auch Wurzeln schlagen.“

Dabei handelte es sich um Bäume mit türkischer Herkunft: Esskastanie, Elsbeere, Walnussbaum, Traubeneiche, Hainbuche und Rotbuche. Am steinigen Südhang, wo 1000 Quadratmeter für die Aktion zur Verfügung stehen, genau die richtigen Bäume, wie Förster Frank Bossong erklärte. „Wenn man das vor dem Klimawandel sieht, ist das perfekt. Fast visionär.“ Denn: Die Bäume mögen Wärme und Sonne.

Die Wanderer können zudem die Aussicht auf dem Rodt genießen. Dafür sorgt der SGV, der zwei Bänke an der vom Sturm Kyrill betroffenen Fläche aufstellt. Eine ist zum Versetal, die andere zum Lennetal ausgerichtet.

Ein durchweg positives Fazit der Aktion zog gestern Realschulleiter Bernd Brunge. „Es freut mich, dass es so toll funktioniert hat.“ In solch einer Größenordnung habe es an der Schule noch keine Pflanzaktion gegeben. Doch wichtig sei, dass es allen Spaß macht. Die Schüler der Klassen 5b, 7b und 10b waren auf jeden Fall mit reichlich Eifer dabei.

Marco Fraune

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