30 Grad und Familien können nicht ins Freibad

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Das Freibad Ütterlingsen liegt mit grünlichem Wasser in Sprung- und Schwimmbecken in schönster April-Sonne ebenso wie das neue Hallenbad im Hintergrund brach. Die Eröffnungsarbeiten für den eigentlich geplanten Start zum 1. Mai sind gar nicht erst aufgenommen worden.

Werdohl – Etwas Hoffnung hat Bäderbetriebs-Chef Frank Schlutow natürlich noch, aber auch in seinen kühnsten Träumen kann er sich keine Öffnung des Ütterlingser Freibads unter wirksamen Corona-Schutzmaßnahmen vorstellen. Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen hat er sich natürlich schon umgehört. Der Verband fordert eine Aussage der Bundesregierung, ob Freibäder unter das generelle Verbot von Großveranstaltungen fallen. 

Eigentlich sollte zum 1. Mai geöffnet werden, noch vor kurzer Zeit kam Rollrasen für die Fläche zwischen Freibad und dem neu gebauten Hallenbad. Eigentlich hätten die Leute vom Bäderbetrieb schon vor einiger Zeit mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen wollen, doch die sieben Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Es gibt nichts zu tun. Regelmäßig wird von den Stadtwerken nach der Technik im heruntergefahrenen Hallenbad geschaut.

Schlutow macht sich vor allem Sorgen um die Werdohler Familien: „Wenn wir nicht das Freibad öffnen dürfen, möchte ich mir nicht vorstellen, was bei 30 Grad im Sommer so alles passiert.“ Während er als Geschäftsführer der Stadtwerke genug zu tun hat, läuft seine Arbeit als Bäder-Chef ins Leere: „Ich hätte gerne ein Ziel, auf das ich hinarbeiten könnte.“ Noch vor Monaten stand er unter Hochdruck, als das Hallenbad nach sehr kurzer Bauzeit an den Start ging, jetzt scheint die warme Aprilsonne auf die menschenleeren Anlagen.

Die neue Liegewiese zwischen Freibad und Hallenbad ist mit Rollrasen versehen worden. 

Schlutow sieht Stadtwerke und Bäderbetrieb auch in einer sozialen Verantwortung für die Stadt. „Wir wissen, wie sehr der Besuch der Bäder vielen unseren Gästen fehlt. Gerne würden wir lieber heute als morgen unsere Bäder wieder öffnen können, aber auch für uns gilt: Die Gesundheit und der Schutz der Bevölkerung und unserer Badegäste geht vor und steht an oberster Stelle.“

Das Wasser im Edelstahlbecken schimmert grünlich.

Schlutow versucht in folgendem Interview, Antworten auf die drängendsten Fragen zu finden.

Rechnen Sie damit, dass die Sommersaison ausfällt?

Diese Frage kann ich seriös nicht beantworten. Alles hängt von der aktuellen Entwicklung der Ausbreitung der Corona-Pandemie ab. Vielleicht ist es mit Auflagen (Begrenzung der Besucherzahlen, zusätzliche hygienische Auflagen) möglich, einen eingeschränkten Freibadbetrieb in den Sommerferien zu ermöglichen. Für eine Einlassregelung fehlt mir aber die Fantasie. Sollen wir die Gäste nach dem Windhundprinzip ins Bad lassen? Wenn vielleicht 200 Gäste ins Freibad dürfen an Tagen, an denen sonst bis zu 1800 Menschen kommen, weiß ich beim besten Willen nicht, wie das gehen soll. Mir ist überhaupt nicht klar, wie man so etwas steuern könnte.

Muss eigentlich Wasser im Freibad bleiben?

Unsere Edelstahl-Becken sind aktuell noch gefüllt und werden normalerweise erst kurz vor Start der Saison entleert, gereinigt und erneut gefüllt. Ansonsten müsste die Aufbereitung und die Umwälzung laufen, was wiederum zu erhöhten Betriebskosten führen würde.

Wie läuft es aktuell im Hallenbad?

Das Hallenbad steht „standby“. Alle Anlagen laufen im Eco-Modus, so dass wir weitestgehend die Betriebskosten gesenkt haben. Wir bräuchten ein oder zwei Wochen, um den Betrieb wieder hochzufahren – für den unwahrscheinlichen Fall, dass Schulschwimmen zugelassen wird. Das Wasser muss ein wenig beheizt und umgewälzt werden, sonst kippt es um.

Mit welchen Verlusten ist zu rechnen?

Auch hierzu ist eine seriöse Aussage aktuell, mit Blick auf die Dauer der möglichen Schließung, nur sehr schwer zu prognostizieren. Wir können aber sagen, dass es auf jeden Fall das Ergebnis belasten wird.


Oder gibt es gar keine Verluste in der Freibadsaison, weil die Einnahmen ohnehin nie die Ausgaben gedeckt haben?

Selbst mit allen Reduzierungen von Energie-, Personal- und Betriebskosten können wir den Umsatzverlust nicht kompensieren.

Was machen die Mitarbeiter?

Das hat uns zunächst viel Kopfzerbrechen gemacht. Unsere Mitarbeiter befinden sich seit April in Kurzarbeit. Vorher war bei kommunalen Arbeitgebern keine Kurzarbeit möglich. Die Tarifparteien hatten sich darauf geeinigt, das Kurzarbeitergeld auf 95 Prozent aufzustocken.

Gibt es Neuigkeiten vom alten Hallenbad auf dem Riesei?

Zurzeit gibt es noch keine neuen Entwicklungen für eine zukünftige Nachnutzung des alten Hallenbades. Wir arbeiten weiter an einer Lösung beziehungsweise an einem Modell der Nutzung.

Wie geht es weiter?

Salopp gesagt können wir nichts planen. Wir leben von Woche zu Woche und warten, was uns von Land oder Bund verkündet wird.


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