Baby „FEH“ bekommt im Ratssaal das Fläschchen

+
Veronika Breitkopf, Netzwerkkoordinatorin der Frühen Hilfen, hält das Mikro für Baby „FEH“. Irina Ntritsou gibt dem Babysimulator die Flasche.

Werdohl - Normalerweise sorgt die Audio-Anlage im Ratssaal dafür, dass die Wortbeiträge der einzelnen Kommunalpolitiker für alle Anwesenden gut zu hören sind. Am Dienstagabend verschaffte sich Baby „FEH“ (FrüheErziehungsHilfen) mit diesem System sehr deutlich Gehör

Das „RealCare Baby“ brüllte was das Zeug hält, bevor ihm Irini Ntritsou während der Ausschusssitzung endlich die Flasche gab. 

Veronika Breitkopf, Netzwerkkoordinatorin der Frühen Hilfen, und Irini Ntritsou, Erzieherin in der städtischen Kita Gernegroß und Kursus-Leiterin im Bereich Frühe Hilfen, hatten den Babysimulator mitgebracht, um die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses über dessen Einsatzmöglichkeiten zu informieren. „FEH“ schreit, wenn man ihren Kopf nicht ausreichend mit der Hand abstützt, sie gar grob behandelt oder schüttelt. Sie schreit, wenn die Windel gewechselt werden muss, wenn sie Hunger hat oder aufstoßen muss: Diese besondere Puppe zeigt alle Bedürfnisse eines Säuglings auf. „Bisher nutzen wir den Simulator bei den Kursen Babymassage und Pekip (Prager Eltern-Kind-Programm), damit die Eltern ausprobieren können, wie sie ihren Säugling richtig anfassen“, erklärte Breitkopf. 

Einsatz bald auch an Schulen?

Zukünftig sei es aber auch denkbar, Baby „FEH“ im Rahmen der Schwangerschaftskonfliktbehandlung einzusetzen oder aber an Schulen. „Die Bezugsperson des Simulators hat einen Chip am Handgelenk, der sich auch nicht ohne Weiteres ablegen lässt. Sie kann die Pflege also nicht einfach jemand anderem überlassen“, erklärte Breitkopf. Ob alle Bedürfnisse der Puppe befriedigt worden seien, könne man später bei Bedarf am Computer feststellen. 

Breitkopf berichtete, dass für die Frühen Hilfen in Werdohl jährlich 12 500 Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung stünden. Unter anderem würden Willkommmensbesuche bei den Eltern Neugeborener durchgeführt, somit knüpfen die Mitarbeiter den ersten offiziellen Kontakt zu den Familien. „Gibt es Auffälligkeiten, die auf eine Gefährdung hindeuten könnten, geben wir an den Bezirkssozialdienst ab. Umgekehrt übernehmen wir Familien vom Bezirkssozialdienst, wenn noch Beratungsbedarf besteht,“ erklärte Veronika Breitkopf. Im Rahmen der Frühen Hilfen könnten beispielsweise Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern eingesetzt werden. Auch die Pekip- und Babymassage-Kurse gehören zum Angebot der Frühen Hilfen. 

"Probleme in den Familien häufen sich"

Auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Frank Jardzejewski erläuterte Breitkopf: „Die Problematik ist insgesamt größer geworden. In den Familien häufen sich die Probleme.“ Ohne die Präventionsmaßnahmen der Frühen Hilfe würden die Kosten in diesem Bereich um das 60- bis 159-Fache steigen, stellte die Netzwerkkoordinatorin fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare