Niedrigeinkommen führt oft in die Schuldenkrise

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In Werdohl haben von 1000 Einwohnern sieben Hilfe bei der Awo-Schuldnerberatung gesucht.

Werdohl - Längerfristiges Niedrigeinkommen oder Arbeitslosigkeit, aber auch eine unwirtschaftliche Haushaltsführung sind in Werdohl die häufigsten Gründe für eine Überschuldung. Das geht aus dem Jahresbericht der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hervor.

Schulden zu haben, ist gesellschaftlich kein Problem, doch wer sie nicht mehr bezahlen kann, gerät schnell ins Abseits. Daher versuchen Betroffene auf unterschiedlichste Weise das aufrecht zu erhalten, was finanziell eigentlich schon nicht mehr möglich ist.

126 Personen hat die Schuldnerberatung in Werdohl im vergangenen Jahr dabei unterstützt, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Das sind rund sieben Schuldner pro 1000 Einwohner. In Werdohl leben damit anteilig die zweitmeisten Schuldner im Bereich der Awo-Beratungsstelle, die auch die Nachbarkommunen Altena, Neuenrade, Plettenberg und Nachrodt-Wiblingwerde umfasst. Nur Altena hat mit 8,2 Schuldnern pro 1000 Einwohner noch mehr Einwohner mit solchen finanziellen Problemen.

Die meisten Werdohler, die bei der Awo Rat in Finanzangelegenheiten gesucht haben, waren im vergangenen Jahr zwischen 31 und 40 Jahren alt (39), aber auch die Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen (31) war noch stark vertreten. Die Gründe für eine Überschuldung waren vielfältig: In 27,8 Prozent der Fälle war die Ursache, dass das Einkommen über einen längeren Zeitraum so niedrig war, dass es einfach nicht mehr reichte, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Unangemessenes Konsumverhalten

Auch Arbeitslosigkeit ist mit 16,7 Prozent ein häufiger Auslöser. Öfter lag es allerdings an einer unwirtschaftlichen Haushaltsführung: In 18,3 Prozent der Fälle war es also schlicht unangemessenes Konsumverhalten, das eine Überschuldung ausgelöst hat. Relativ häufig haben die Schuldnerberater auch Krankheit oder Sucht (14,3 Prozent), Trennung oder Scheidung (7,9 Prozent) und eine gescheiterte Selbstständigkeit (7,1 Prozent) als Ursachen ausgemacht.

Die Höhe der Schulden übersteigt bei fast einem Viertel der Beratenen nicht die Marke von 5000 Euro. Etwa 8,7 Prozent haben mehr als 100 000 Euro Schulden. Auf die Spanne dazwischen ist die Anzahl der Schuldner relativ gleichmäßig verteilt. Am häufigsten (61,1 Prozent) waren Bankschulden der Grund, warum Werdohler die Awo-Schuldnerberatung aufgesucht haben. Knapp dahinter folgten mit 56,4 Prozent Forderungen aus Telekommunikationsdienstleistungen, also beispielsweise teure Handyverträge.

In jedem zweiten Fall (50,8 Prozent) waren die Schulden durch Warenlieferungen entstanden, die die Schuldner nicht bezahlen konnten. Auch Versicherungsbeiträge waren mit 43,7 Prozent noch relativ häufig als Schuldenart vertreten. In vielen Fällen war es auch eine Kombination aus mehreren Schuldenarten.

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