1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Awo-Bundespräsident schaut sich Beratungsarbeit in Werdohl an

Erstellt:

Von: Volker Griese

Kommentare

Mit dem Awo-Bundespäsidenten Michael Groß (2. von rechts) und dem Awo-Bezirksvorsitzenden Michael Scheffler (rechts) machte sich die SPD-Landtagskandidatin Anja Ihme (3. von rechts) ein Bild von der Awo-Beratungsarbeit in Werdohl.
Mit dem Awo-Bundespäsidenten Michael Groß (2. von rechts) und dem Awo-Bezirksvorsitzenden Michael Scheffler (rechts) machte sich die SPD-Landtagskandidatin Anja Ihme (3. von rechts) ein Bild von der Awo-Beratungsarbeit in Werdohl. © Griese

Wie berät die Arbeiterwohlfahrt (Awo) die Werdohler Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien? Und welche Pläne hat die Awo mit der derzeit unbesetzten Stelle der Schuldnerberatung in Werdohl? Das waren Fragen, denen sich am Mittwoch unter anderem der Co-Vorsitzende des Präsidiums der Awo Deutschland, Michael Groß, und die SPD-Landtagskandidatin Anja Ihme widmeten.

Werdohl - Mit Michael Groß und Michael Scheffler, dem Vorsitzenden des Awo-Bezirksverbandes Westliches Westfalen, hatte die Awo-Beratungsstelle durchaus hohen Besuch. Zusammen mit der Landtagskandidatin Ihme wollten sie sich ein Bild von der Arbeit vor Ort machen. Die Awo bietet in Werdohl unter anderem Hilfen für Flüchtlinge und junge Migranten, aber auch eine Schuldnerberatung an. Darüber gaben Sinem Babuscu, Ümmühan Bekis und Gülcan Aktas Auskunft.

Die Schuldnerberatung der Awo in Werdohl ist nach dem Weggang der langjährigen Beraterin Marie Preising bereits seit geraumer Zeit unbesetzt. Die Awo bemühe sich um eine Wiederbesetzung der Stelle, sagte Susanne Jakoby, Bereichsleiterin im Awo-Unterbezirk Hagen/Märkischer Kreis. „Solche Leute sind aber nicht einfach zu finden, weil sie eine besondere Qualifikation haben müssen“, bat sie um Geduld. Anja Ihme bedauerte, dass die Awo die Nachfrage auf diesem Gebiet in Werdohl derzeit kaum befriedigen kann. „Das ist ein Randthema in der Gesellschaft, hat für die betroffenen Familien aber oft schwerwiegende Folgen wie Alkoholsucht oder Gewalt. Eine Unterstützung ist deshalb ganz wichtig“, sagte Anja Ihme und berichtete von ihren Erfahrungen als Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses der Stadt Iserlohn: „Auch immer mehr jüngere Menschen haben Probleme und müssen sich Hilfe bei der Schuldnerberatung holen.“

Die Notwendigkeit dieses Beratungsangebots betonte auch Michael Scheffler: „Die Nachfrage ist bei allen Beratungsstellen sehr hoch.“ Wann die Schuldnerberatungsstelle in Werdohl wieder besetzt werden könne, sei offen, sagte Bereichsleiterin Jakoby. „Aber wir sind intensiv auf der Suche“, versicherte sie.

Sinem Babuscu und Ümmühan Bekis berichteten von einem weiteren Arbeitsfeld der Awo in Werdohl, dem Jugendmigrationsdienst (JMD). Die Arbeit habe sich gewandelt, seitdem in Werdohl viele junge Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien lebten, erklärte Babuscu. Früher habe der JMD den Kontakt zu jungen Migranten oft über Sport- oder Freizeitangebote herstellen können, über diesen Weg seien die Neubürger aus Südosteuropa aber überhaupt nicht erreichbar. Allerdings kämen diese Menschen von sich aus zur Awo-Beratungsstelle an der Schulstraße, um sich in Schul-, Berufs- und Ausbildungsfragen beraten zu lassen, oder um sich Hilfe bei der Bearbeitung von Anfragen des Jobcenters zu holen. „Vielen geht es vor allem darum, möglichst schnell Geld zu verdienen“, beschrieb Babuscu die vorrangigen Anliegen der Hilfesuchenden. Interesse an einer Berufsausbildung hätten die wenigsten. „Die meisten kommen ja auch ohne ausreichende Schulausbildung nach Deutschland“, sagte die Sozialarbeiterin. Gute Aussichten auf einen Ausbikldungsplatz hätten zudem nur solche Migranten, die über gute Deutschkenntnisse verfügten.

Wo solche Voraussetzungen für den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt fehlten, bleibe oft nur ein Job bei einer Leiharbeitsfirma. Die Jüngeren unter den Migranten ziehe es letztlich in die größeren Städte, berichtete Ümmühan Bekis von ihren Erfahrungen in der Jugendmigrationshilfe. Anja Ihme erkannte die Wichtigkeit dieser Anlaufstellen, die solchen Menschen helfen. „Sie haben einen hohen Wert“, sagte sie.

Doch die Arbeit der Awo-Beratungsstellen wird schwieriger. Ümmühan Bekis beklagte beispielsweise, dass die Flüchtlingsberatungsstelle in Werdohl weggefallen sei. „Der Bedarf ist immer noch da“, mahnte sie. Sie wünsche sich mehr Stellen, um den Beratungsbedarf besser abdecken zu können, und mehr Geld für verschiedene Aktionen, sagte Sinem Babuscu. Auch eine bessere – auch finanzielle – Honorierung ihrer Arbeit forderte sie ein. Die im Vergleich zu anderen Trägern schlechtere Bezahlung bei der Awo führe auch dazu, dass manche Stelle nicht mehr besetzt werden könne, fand sie.

Auch interessant

Kommentare