Australisch authentisch

Gitarrist Josh Celata war zwar neu dabei, gab aber ebenso Vollgas wie seine Bandkollegen. - Foto: Koll

WERDOHL - Konzert bedeutet in der Regel: Ein Künstler kommt auf die Bühne und verlässt diese – nach den Zugaben – zwei Stunden später wieder. Bei einem Kneipenkonzert schiebt sich nach der Hälfte der Spielzeit noch eine Pause ein. Wenn eine Band, wie die australischen The Vagrants am Dienstagabend in der Musikkneipe Alt Werdohl, aber gleich drei Sets spielt, dann spricht das für ihre Liebe zum Publikum und ebenso für die Zuneigung der Fans zu den Musikern.

Zum vierten Mal gastierten die Punkrocker in Pöngses Wohnzimmer. Und wieder hatten sie das Publikum im Handumdrehen im Griff. Sie „arbeiten Musik“. Das heißt, die Power, die sie auf der Bühne an den Tag legen, ist scheinbar grenzenlos. „In der Tat spielen wir viele ruhige Songs auf unseren CDs“, lässt Gitarrist Steve Iorio die Zuhörer wissen, „live lassen wir die dann aber meist weg.“

Den Fuß aufs Gaspedal und Spaß dabei. Die Musiker – neu dabei Bassist Lachlan Bruce und Gitarrist Josh Celata – flachsen untereinander herum. Und nicht nur Sängerin, Frontfrau und Steves Ehefrau Renate Iorio flirtet immer wieder mit verschiedenen Leuten im Publikum. The Vagrants sind bei allem, was sie tun, absolut authentisch. Die fühlen sich in ihrem Rock-’n’-Roll-Leben einfach pudelwohl.

Vor dem Konzert erklärte Renate: „Wenn ich hier in Werdohl bin, geht’s mir immer besser.“ Das wirkt glaubhaft, nicht so, als würde sie es jeden Abend zu den Veranstaltern und Fans sagen. Die 43-Jährige wirkt, als müsste sie beim Lügen rot anlaufen – eine ehrliche Haut mit dem Herz am rechten Fleck. Sympathisch zu sein, hat noch keinem Musiker je geschadet. Für The Vagrants ist es ein unbezahlbares Kapital.

Und das spielen sie aus. So gelingt es Renate zum Schluss des Konzertes sogar, die Werdohler (Rock-)Sängerin Elisabete Vidal auf den gemeinsamen Trip auf dem „Highway to Hell“ (Cover-Version der ebenfalls australischen AC/DC) einzuladen. Dabei war es im vergangenen Jahr außerordentlich ruhig um „Elly“ geworden. Zu The Vagrants und Renate kann wohl keiner „Nein“ sagen.

Ihre Songs wie „Why me“, „Let’s Party“ und „Can’t Take Anymore“ erfinden das Rad nicht neu. Aber sie gießen pure Lebensfreude in dreiminütige Kunstwerke. Wer da ruhig sitzen oder stehen bleibt, ist taub. Da bleibt keine Zeit zum Luftholen. Renate eilt auch schonmal zum Schlagzeuger, um dem Kollegen Bier einzuflößen, während der fleißig weiter trommelt.

Andere, auch längst etablierte, Künstler können und sollten sich von dieser Band eine dicke Scheibe abschneiden. Wenn The Vagrants „Jumping Jack Flash“ von The Rolling Stones aus den Boxen schießen, klingt das wie ein Inferno. Das Original wirkt dann nur noch wie die Untermalung eines sonntäglichen Senioren-Tanztees. Zum Schluss verspricht Renate, dieses Mal nicht wieder zwei Jahre zu warten, bis sie erneut eine Bühne in Werdohl betritt. „Nächstes Jahr sind wir wieder hier – ganz sicher.“

Von Michael Koll

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