Antrag ist gestellt

Ausstieg aus Projekt Rosmart 2.0? So entscheidet Werdohl

Hier wird wohl alles bleiben wie es ist: In der Nähe des Weihers Vorderbrenge zwischen Rosmart und Brunscheid steht eine Informationstafel der Bürgerinititative, die die Landschaft der Höhen erhalten möchte. Auf Werdohler Stadtgebiet wird dort wahrscheinlich kein Gewerbe angesiedelt.
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Hier wird wohl alles bleiben wie es ist: In der Nähe des Weihers Vorderbrenge zwischen Rosmart und Brunscheid steht eine Informationstafel der Bürgerinititative, die die Landschaft der Höhen erhalten möchte. Auf Werdohler Stadtgebiet wird dort wahrscheinlich kein Gewerbe angesiedelt.

Die Stadt Werdohl wird aller Voraussicht nach aus den Planungen für das geplante Industriegebiet südlich von Rosmart aussteigen. Die Werdohler Bürgergemeinschaft hat einen entsprechenden Antrag an den Rat gestellt, der in seiner Sitzung am 22. Februar darüber entscheiden wird.

Die Mehrheit im Rat hat der Antrag jetzt schon mit den Stimmen von WBG, SPD und FDP. Dass die CDU sich der Absage an Rosmart 2.0 annähert, hat etwas mit dem geplanten Abriss des Kohlekraftwerks Elverlingsen zu tun.

Den Anstoß zur wohl entscheidenden Abstimmung gab die WBG. Die Fraktion forderte die Verwaltung auf, sämtliche Verpflichtungen und Beziehungen in Bezug auf das geplante interkommunale Gewerbegebiet abzubrechen. Stand der Dinge ist, dass der erste Teil der geplanten Fläche ausschließlich von Lüdenscheid und Altena vorangetrieben wird. Die Anhöhe mit dem Wald darauf auf Werdohler Stadtgebiet soll erst in unbestimmter Zukunft einem dritten Entwicklungsabschnitt geplant werden.

Eigentlich noch kein Entscheidungszwang

Obwohl Werdohl im Augenblick nicht in Entscheidungszwang ist, möchte die WBG zu diesem Zeitpunkt aussteigen. Fraktionsvorsitzender Thorsten Hänel: „Für uns reicht es jetzt. Wir brauchen es nicht, wir wollen es nicht. Werdohl soll alle Beteiligungen an Rosmart 2.0 aufgeben.“ Hänel war es wichtig zu betonen, dass dies keine „grüne“ Entscheidung sei. Das von Werdohl mitbezahlte Umweltgutachten besagt, dass eine Überplanung sehr wahrscheinlich möglich ist.

Nicht nur die Siedlungshäuser, auch das komplette Steinkohlekraftwerk Elverlingsen wird abgerissen. Damit könnten auf Werdohler Stadtgebiet nach Abzug von Hängen und Böschungen etwa 20 Hektar Gewerbeflächen entstehen.

Hänel und der WBG gehe es um andere Aspekte. Zum einen könne zurzeit niemand sagen, ob das nötige Abtragen der Bergkuppe für Industriekunden überhaupt wirtschaftlich darstellbar sei. Zum anderen brauche Werdohl keine neuen Gewerbeflächen, weil sich mit dem weitgehend stillgelegten Kraftwerksstandort Elverlingsen eine perfekte Alternative biete. Werdohl brauche Rosmart 2.0 nicht, so Hänel, weil es genügend reaktivierbare Brachflächen gebe.

Ausschusssitzung verschoben

Eigentlich hätte am Tag nach der Ratssitzung eine Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung im „Blauen Salon“ in Elverlingsen stattfinden sollen. Ausschussvorsitzender Jürgen Henke (SPD) musste den Termin verschieben, weil die Enervie in Pandemie-Zeiten keine Versammlungen in ihren Gebäuden erlaube. Henke hatte wie zuvor die CDU-Fraktion Kontakt mit dem für das Projekt verantwortliche Enervie-Geschäftsführer Markus Schmidt aufgenommen. Schmidt habe auch ihm gegenüber bestätigt, dass das Steinkohlekraftwerk abgerissen werden soll. Bei Enervie überlege man noch, auf welche Art und Weise das geschehen soll. Eine Terminverschiebung des Ausschusses auf April oder Mai passe dem Konzern deshalb in die Planung. So habe man noch Zeit für Abriss-Optionen. Nach Abbruch der nicht mehr benötigten Anlagen und nach dem bereits begonnenen Abriss der Siedlung spreche Enervie von etwa 25 Hektar Fläche. Nach Abzug von Steilflächen und Böschungen blieben für Werdohl etwa 20 Hektar für Industrie und Gewerbe – auf dann eigenem Grund und Boden.

Die SPD will sich schon seit gut einem Jahr von Rosmart 2.0 verabschieden, hatte aber im früheren Rat keine Mehrheit gefunden. Die WBG hatte bei einer damaligen Abstimmung aus nicht ganz deutlich gewordenen Gründen einen Rückzieher gemacht, obwohl die Bürgergemeinschaft schon immer gegen Rosmart 2.0 war. Für Jürgen Henke als SPD-Politiker ist deshalb der Ausstieg aus den Planungen auf der Höhe mit Lüdenscheid und Werdohl so gut wie klar.

Rechne man die 20 Hektar in Elverlingsen in den Gebietsentwicklungsplan ein, reichten die Gewerbeflächen-Reserven weit in die Zukunft: „Der Bedarf würde übererfüllt.“

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