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Wieder zweispurig über die Lenne

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Von: Volker Griese

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Die vor gut sieben Jahren als instabil eingestufte Lennebrücke in Ütterlingsen soll abgerissen und bis 2024 neu gebaut werden. In der Zwischenzeit soll der Verkehr über eine Behelfsbrücke fließen.
Die vor gut sieben Jahren als instabil eingestufte Lennebrücke in Ütterlingsen soll abgerissen und bis 2024 neu gebaut werden. In der Zwischenzeit soll der Verkehr über eine Behelfsbrücke fließen. © Volker Griese

Gut sieben Jahre nach der halbseitigen Sperrung der Lennebrücke in Ütterlingsen kommt nun endlich sichtbar Bewegung in das Neubau-Projekt: Mittlerweile hat der Landesbetrieb Straßen.NRW den Auftrag zum Bau der Behelfsbrücke vergeben. Damit rückt das Ende der einspurigen Lennequerung in diesem Bereich in Sichtweite.

Werdohl - Der Auftrag zum Bau der Behelfsbrücke sei an die Arbeitsgemeinschaft Friedrich Rempke/Gebrüder Schmidt vergeben worden, teilte Julia Ollertz, Pressesprecherin von Straßen.NRW, auf Nachfrage mit. Beide Unternehmen sind durchaus Schwergewichte in Sachen Straßenbau in der Region. Das Hagener Unternehmen Rempke, das rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, hat Hoch- und Tiefbau ebenso wie den Ingenieurbau und den Industriebau in seinem Portfolio. Das auf Straßenbau spezialisierte Bauunternehmen Gebrüder Schmidt mit 250 Mitarbeitern und einem modernen Fuhrpark baut zum Beispiel gerade die L 561 mit zwei Brücken bei Herscheid aus.

Für das Projekt in Werdohl teilen sich die beiden Unternehmen die Arbeit: Rempke ist für den konstruktiven Betonbau, konkret für die Herstellung von zwei Widerlagern aus 270 Kubikmetern Stahlbeton und eines mittigen Stützpfeilers aus Stahl, zuständig; Schmidt erledigt die notwendigen Tief- und Straßenbauarbeiten.

Zusammen sollen die Unternehmen bis Ende 2021 eine sogenannte SS80-Brücke errichten, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eigentlich entwickelt worden ist, um während des Kalten Krieges im Ernstfall die schnelle Wiederherstellung eines Brückenbauwerks ermöglichen. Die Stahlbrücke ist 80 Meter lang und 9,72 Meter breit, damit ist Platz genug für zwei Fahrspuren. Außerdem wird an der insgesamt gut 400 Tonnen schweren Brücke noch ein Gehweg angebracht, sodass auch Fußgänger von einer Flussseite auf die andere gelangen können. Straßen.NRW investiert in dieses Bauwerk, das nur maximal drei Jahre genutzt werden soll, etwa 2 Millionen Euro.

Wann es losgehen wird mit dem Bau der Behelfsbrücke ist noch nicht ganz klar. In der nächsten Woche stünden noch Abstimmungsgespräche mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW an, sagte Projektleiter Klaus Giedt vom Bauunternehmen Rempke. Danach werde ein Bauzeitenplan erarbeitet. Bei Straßen.NRW ging man im Frühjahr aber davon aus, dass im Laufe des August die ersten Bautätigkeiten sichtbar werden und dass die Behelfsbrücke bis Ende 2021 fertiggestellt ist.

Um die provisorische Lenneüberquerung überhaupt bauen zu können, muss Straßen.NRW einen Teil des Geländes der Firma Brinkmann Pumpen in Anspruch nehmen. Für Brinkmann-Geschäftsführer Reimund Gidde ist das aber kein Problem: „Wir wollten die Maßnahme nicht behindern und haben uns auch sehr schnell einigen können“, sagte er über die Verhandlungen mit dem Landesbetrieb. Nach seiner Darstellung hat es noch zwei andere Überlegungen gegeben, den Verkehr während des Abrisses der alten und des Baus der neuen Lennebrücke an der Baustelle vorbeizuführen. Eine Alternative hatte die Behelfsbrücke auf der anderen Lenneseite vorgesehen, was sich aber aufgrund des Lennewehres als unvorteilhaft erwiesen hat. Eine andere Variante hatte eine Umleitung des Verkehrs durch dass Bahnhofsviertel vorgesehen. Die kürzeste und einfachste – und wohl auch kostengünstigste – Variante war die Umleitung über das Brinkmann-Firmengelände.

Das Unternehmen habe natürlich mögliche Auswirkungen prüfen lassen, sagte Geschäftsführer Gidde. Dabei sei es vor allem um Erschütterungen gegangen und darum, wie diese auf Gebäude und Maschinen wirken. Letztlich hätten die Prüfergebnisse aber keinen Anlass zu Bedenken gegeben. Auch die Feuerwehr-Zufahrt sei gewährleistet. Für die Dauer der Baumaßnahme muss Brinkmann einen Teil der Parkplätze auf dem Firmengelände opfern. Es seien aber Ersatz-Stellflächen an der Dammstraße angemietet worden, sagte Geschäftsführer Gidde.

Nach der Errichtung der neuen Lennebrücke wird die Behelfsbrücke natürlich wieder zurückgebaut, und dann wird auch das Brinkmann-Gelände wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. Gidde geht sogar davon aus, dass sich dabei Verbesserungen einstellen werden. „Wir wollen dann eventuell ein paar Parkplätze mehr schaffen und das Gelände ein bisschen neu gestalten. Das ist ja alles noch aus den frühen 90er-Jahren“, deutete der Geschäftsführer an, die Gunst der Stunde nutzen und den Firmenparkplatz mit Grünanlagen etwas modernisieren zu wollen.

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