Zum Auftakt gabs Himbeersaft

Diese „Urkunde“ hat die damals elfjährige Cordula Maag zur Erinnerung an den ersten Ferienspaß erhalten.

Werdohl -  „Hier ist meine zweite Heimat.“ Wenn Bettina Sechtenbeck-Weinbörner so über das Jugend- und Bürgerzentrum spricht, klingt es nicht wie eine Floskel: Seit 1980 ist die heute 59-Jährige dort tätig, 18 Jahre hat sie die Einrichtung an der Schulstraße geleitet – und gestern hat für sie der letzte Werdohler Kinderspaß begonnen.

Im September startet die engagierte Frau in den wohl verdienten Ruhestand. Doch momentan hat sie noch keine Zeit daran zu denken: Kaum hat sie sich mit der Berichterstatterin ins Büro gesetzt, um über die vergangenen Jahr zu plaudern, blickt schon einer ihrer Schützlinge um die Ecke und stellt ihr eine Frage. Geduldig und lächelnd antwortet Bettina Sechtenbeck-Weinbörner, trotz der Störung. Keine Frage: Die Altenaerin hat ein Händchen für Kinder und Jugendliche – und das Gespür für deren Bedürfnisse.

Eben dieses führte 1980 zu der Überlegung, welches Angebot die Stadt Kindern unterbreiten könnte, die während der Ferien nicht verreisen. Gemeinsam mit Christa Pistora, der damaligen Stadtjugendpflegerin, fand Sechtenbeck-Weinbörner eine Antwort: „Wir bieten eine Stadtranderholung an.“ Damit begann die Erfolgsgeschichte des heutigen Werdohler Kinderspaßes.

Gemeinsam mit Cordula Maag, die heute den Nachnamen Müller trägt, und als Elfjährige an der ersten Stadtranderholung teilnahm, gräbt Sechtenbeck-Weinbörner im Fundus der Erinnerungen: „Damals gab es schon Frühstück, aber keine Wurst, sondern Brötchen mit Marmelade und Nutella. Und Himbeersaft. Der klebte höllisch, kam aber bei den Kindern richtig gut an.“

Am Konzept habe sich über die Jahre hinweg nicht viel geändert, stellt die 59-Jährige fest. Schon damals standen Freibadbesuche, Wanderungen und spannende Stunden auf dem Biwakplatz auf dem Programm. Auch Ausflüge gehörten dazu, zum Beispiel in Abenteuerparks, wie Fort Fun. Augenzwinkern verrät Sechtenbeck-Weinbörner: „Die Fahrten habe ich genossen. Ich sitze wirklich gerne in der Wildwasserbahn.“ Dennoch sei sie stets froh gewesen, wenn alle Beteiligten nach einer gemeinsamen Aktion wieder wohlbehalten in Werdohl ankamen: „Die Verantwortung ist wirklich groß. Man muss jede Minute auf der Hut sein“, sagt die 59-Jährige. In diesem Zusammenhang erinnert sie sich an den Sturz eines Kindes am Werdohler Bahnhof in einen Lichtschacht. „Es hat in Strömen geregnet und ich bin als Letzte hinter der Gruppe hergelaufen. Sonst hätte ich nicht gesehen, dass der Kleine dort hineingefallen ist.“

Doch im Großen und Ganzen sei ihr Berufsleben von positiven Erfahren geprägt gewesen. „Ich habe meine Arbeit mit den Jugendlichen nie als belastend oder schwierig empfunden“, stellt die 59-Jährige fest. Deshalb verwundert es nicht wenn sie rückblickend feststellt: „Ich würde diesen Beruf – auch und gerade hier im JBZ – jederzeit wieder ausüben.“ Für die Zukunft wünscht sich Bettina Sechtenbeck-Weinbörner: „Dass das Jugendzentrum erhalten bleibt und noch viele Kinder hier ihre Ferienaktionen erleben.“ Und vielleicht ist die Altenaerin dann doch noch hin und wieder dabei: „Man hat mich schon gefragt, ob ich in den Herbstferien für die Kinder koche. Das könnte gut sein.“

Von Carla Witt

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