Aufsichtsrat macht „Brüninghaus“ platt

Die Geschäftsführung aus Essen wurde mit Buh-Rufen und einem Pfeifkonzert empfangen.

WERDOHL ▪ Zu befürchten war es, aber seit Donnerstagvormittag ist es amtlich: Der Standort Werdohl der ThyssenKrupp Bilstein-Gruppe (früher Brüninghaus) wird geschlossen. Der Aufsichtsrat des Unternehmens ist gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter nach zweistündiger Diskussion mit 9:7 der Empfehlung der Geschäftsleitung gefolgt und macht das einstmals blühende Werk platt.

Nach den augenblicklichen Zeitvorstellungen soll die Produktion in den Hallen Im Ohl im Februar 2011 auslaufen; der Abbau der Anlagen, die an anderen Standorten noch verwendet werden, soll bis Mai abgeschlossen werden. er Industriegeschichte.

Parallel zur Sitzung des Aufsichtsrates hatte auch in Werdohl eine außerordentliche Belegschaftsversammlung stattgefunden, und am frühen Nachmittag waren die Mitarbeiter noch einmal in der Kantine von ThyssenKrupp Bilstein zusammengekommen, um – diesmal unter Beteiligung der Geschäftsführung mit Dr. Josef Spieler an der Spitze – über den aktuellen Stand der Dinge informiert zu werden.

Den Kollegen in die Augen sehen

„Wir hatten verlangt, dass die Geschäftsleitung nach Werdohl kommt und den Kollegen in die Augen sieht, wenn sie den Schließungsbeschluss bekannt gibt“, so Betriebsratsvorsitzender Udo Böhme. Ohne diesen Druck, so ist sich Böhmes Stellvertreter Michael Daub sicher, „wären die mit Sicherheit nicht gekommen“.

Vor den Erläuterungen des Sprechers der Geschäftsführung, Dr. Josef Spieler, sei die Stimmung in der Kantine gedrückt gewesen. Als das Quartett aus Essen jedoch ankam, wurde es mit Buh-Rufen und einem Pfeifkonzert empfangen.

Nach Lage der Dinge ist man innerhalb der Unternehmensgruppe bemüht, so viele Beschäftigte wie möglich beispielsweise in Hohenlimburg unterzubringen. Die Vorstellungen über die Anzahl schwanken allerdings, so dass hier noch Verhandlungsbedarf besteht, machte Udo Böhme klar.

Verhandlungsbedarf dürfte es gewiss auch in der Frage des Sozialplanes geben, der von ThyssenKrupp Bilstein nun zu erarbeiten ist. Der soll bis Ende Mai vorliegen, aber ob er vom Betriebsrat auch akzeptiert wird, bleibt noch offen.

Spielball der Chefetage

Für Böhme und seine Kollegen steht fest: Seit im Dezember 2009 das „Fass“ um rote Zahlen, die zu schwarzen werden müssen, aufgemacht wurde, „sind wir mehr als drei Monate lang ein Spielball der Chefetage gewesen“. Entscheidende Gedanken um eine Verbesserung der Situation seien vom Betriebsrat gekommen; die Geschäftsführung „hat sich absolut nichts einfallen lassen“, so die deutliche Kritik.

Wie es um die Motivation der 108 Mitarbeiter nach der Bekanntgabe bestellt ist, muss sicher nicht gesondert erwähnt werden. Einziger Lichtblick: Die drei Auszubildenden können ihre Lehre an anderen Standorten beenden.

Rainer Kanbach

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