Schwieriger Standort

Auch Wochen nach B236-Sperrung: McDonalds leidet weiter

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Restaurantleiterin Melanie Papadopoulos von McDonalds an der Gildestraße zeigt auf das Werbebanner, das die Kunden nach der mehrmonatigen Sperrung der B 236 begrüßt.

Werdohl – Mit etwas „Augenzwinkern“ sei das Banner zu verstehen, das vor dem McDonalds-Restaurant an der Bundesstraße am Kettling aufgehängt worden ist.

„Freie Fahrt für Genießer“ heißt es da, endlich sei die Straßensperrung weg und die Kunden können wieder zu Burger, Chicken Nuggets und Pommes zurückkehren. 

Völlig ohne Augenzwinkern, sondern mit Tränen in den Augen berichtet Franchise-Nehmer Ulrich Wienkötter von der mehrmonatigen Sperrung der Bundesstraße in Richtung Plettenberg. „Von August bis Ende November sind wir gedarbt“, so Wienkötter, der insgesamt acht Restaurants der amerikanischen Fastfood-Kette betreibt. Ein „finanziell exorbitanter Schaden“ sei entstanden, im Mittel seien 30 Prozent eines ohnehin nicht sehr üppigen Umsatzes weggefallen. 

Im Sommer 450.000 Euro investiert

„Gott sei Dank ist die Straße wieder offen“, so Wienkötter. Von ersten Tag der Öffnung an seien die Kunden nach und nach zurückgekommen. „Wenn das Restaurant allein gestanden hätte, hätten wir womöglich schließen müssen“, so Wienkötter. Die Umsatzeinbußen aus Werdohl habe er nur mit Hilfe seiner anderen Restaurants auffangen können. Wienkötter hatte 2010 250 000 Euro in das Restaurant am Kettling gesteckt, den Sommer mit der Sperrung nutzte er, in zwei Wochen noch einmal 450 000 Euro in das Gebäude und die Einrichtung zu investieren. Das sind 900 000 Euro Investitionen innerhalb von zehn Jahren. Wienkötter: „Ich habe da so wahnsinnig viel investiert, und dann wurde mir durch die Sperrung die Substanz geklaut.“ Er habe tatsächlich überlegt, ob das alles noch betriebswirtschaftlich Sinn mache. 

Ulrich Wienkötter hat insgesamt 900 000 Euro in den Umbau seiner McDonalds-Filiale am Kettling gesteckt. Angesichts des schwierigen Standorts fragt er sich, ob das betriebswirtschaftlich sinnvoll war.

Seine Erfahrungen mit den anderen Standorten zeigen, dass sämtliche Restaurants von der Frequenz der autofahrenden Kundschaft leben. „Wenn die Autofahrer irgendwo eine Einschränkung haben, fahren sie drumherum und kommen deshalb nicht mehr zu uns“, stellt Wienkötter fest. Er habe in diesem Jahr eine Menge „Elend“ gehabt: Das Lüdenscheider Restaurant litt unter der Sperrung des Brockhauser Wegs, Radevormwald hatte Probleme wegen des Baus eines Outlet-Centers in Remscheid, sein Restaurant an der A 1 bei Wuppertal leidet am Dauerstau auf der Autobahn. Jede Einschränkung koste ihn und seinen 300 Mitarbeitern Umsatz. „Wenn nur von Tempo 50 auf Tempo 30 runtergesetzt wird, merken wir das“, sagt Wienkötter. 

Angst vor Bau des VDM-Kreisels

Von daher habe er für den Werdohler Standort Angst vor dem Bau des VDM-Kreisels: „Auch wenn da nicht voll gesperrt wird, ist das wie ein Damoklesschwert für uns.“ 

Diese Sorge hat auch Melanie Papadopoulos. Die 28-jährige Informatik-Studentin hat erst als Schichtführerin bei McDonalds in Lüdenscheid gearbeitet und ist seit Oktober Restaurant-Leiterin am Kettling. Zwei Monate der Sperrung der B 236 hatte sie noch erlebt, es sei wirklich ganz fürchterlich gewesen. Jetzt ginge der Umsatz wieder nach oben. Auch sie hat Angst vor der Kreisel-Baustelle im Frühjahr: „Das wird nicht so schlimm wie die Sperrung, aber es wird uns ganz ordentlich treffen.“ Viele der Stammkunden aus Plettenberg und dem Hinterland seien wieder in Werdohl. „Mein Herz gehört McDonalds“ sagt sie noch mit voller Überzeugung, dann will sie wieder ins Restaurant, die Gäste warten.

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