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Auch weil Eltern nachfragen: Werdohl will weiter investieren

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Von: Volker Griese

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Ein Mittagessen gehört zum festen Bestandteil eines Offenen Ganztagsangebot in den Schulen. Auch an den Werdohler Grundschulen ist dieses Angebot mittlerweile Standard und soll ausgebaut werden.
Ein Mittagessen gehört zum festen Bestandteil eines Offenen Ganztagsangebot in den Schulen. Auch an den Werdohler Grundschulen ist dieses Angebot mittlerweile Standard und soll ausgebaut werden. © Roland Weihrauch

Die Stadt Werdohl will unabhängig von einem Vorschlag der CDU-Fraktion das Offene Ganztagsangebot in den Schulen noch in diesem Jahr weiter ausbauen. Das hat der zuständige Fachbereichsleiter Reinhardt Haarmann in der Sitzung des Schulausschusses am Dienstag betont.

Werdohl ‒ Die CDU hatte im Rahmen der Haushaltsverabschiedung im Februar vorgeschlagen, in den Schulen vorhandene Mietwohnungen zukünftig für die Offene Ganztagsschule (OGS) zu nutzen. Bereits in der Sitzung des Bau- und Liegenschaftsausschusses in der vergangenen Woche hatte Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) diese Idee grundsätzlich befürwortet, allerdings auf ihre nur begrenzte Umsetzbarkeit verwiesen. Und die einzige kurzfristig verfügbare Wohnung solle nun erst einmal für ukrainische Kriegsflüchtlinge vorgehalten werden.

Die Mitglieder des Schulausschusses ließen aber nicht locker und verwiesen auf die in einigen Stadtteilen hohe Nachfrage nach OGS-Angeboten. Nadine Kuschmierzs (SPD) beispielsweise regte an, deshalb in Erwägung zu ziehen, Räume der Grundschule Königsburg doppelt zu nutzen, sowohl für den Schulunterricht als auch für den Offenen Ganztag. Schulleiterin Nina Manns bestätigte, dass der Bedarf an OGS-Angeboten auf der Königsburg besonders groß sei. Dort gibt es bislang kein solches Angebot.

Auch die Stadtverwaltung verzeichnet mittlerweile eine höhere Nachfrage nach Betreuungsangeboten außerhalb der regulären Unterrichtszeit. „Bei der Aufstellung des Haushaltsplans sind wir noch von 180 OGS-Plätzen ausgegangen, jetzt reden wir schon über 195 Plätze. Und durch die Flüchtlinge aus der Ukraine kommen vielleicht bald noch zahlreiche hinzu“, zeichnete Fachbereichsleiter Reinhardt Haarmann die Entwicklung der vergangenen Monate nach.

Die steigende Nachfrage, die auch durch den ab 2026 bestehenden gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz entstehe, erfordere, dass die Stadt Werdohl ihr Angebot räumlich und personell aufstocke, heißt es in einem Beratungspapier, das die Stadtverwaltung den Schulausschussmitgliedern vorgelegt hatte. „Der Grundstein hierzu ist zwingend unter Nutzung der Fördergelder und im Rahmen der verfügbaren Raumressourcen bereits im Jahr 2022 zu schaffen“, ist darin weiter nachzulesen.

Das unterstrich auch Fachbereichsleiter Haarmann noch einmal in der Sitzung des Schulausschusses: „Wir wollen bis Ende dieses Jahres noch 229.500 Euro verbauen.“ Das ist der Betrag, der der Stadt von insgesamt 244.000 Euro Landesmitteln aus dem Förderprogramm Infrastrukturausbau für den offenen Ganztag in den Grundschulen noch zur Verfügung steht, nachdem bereits knapp 15.000 Euro ausgegeben worden sind. Wie das noch vorhandene Geld nun investiert werden solle, wolle die Verwaltung in enger Abstimmung mit den Schulen und den Betreuungsvereinen erarbeiten, die das OGS-Angebot vorhalten, hieß es.

Was die Finanzierung des OGS-Angebots angeht, teilt sich die Stadt die Kosten mit den Eltern und dem Land. Für einen einfachen OGS-Platz kalkuliert die Stadt mit jährlichen Kosten in Höhe von 954 Euro. Plätze für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und für Flüchtlingskinder schlagen mit 1720 Euro zu Buche. Werdohl erhält allerdings auch Fördermittel des Landes, sodass sich die jährlichen Kosten für die Stadt auf insgesamt rund 90.000 Euro belaufen. Die Eltern steuern Beiträge in Höhe von insgesamt rund 40.000 Euro bei.

Offene Ganztagsschule: Freiwilliges Angebot ‒ und bald Rechtsanspruch

Die Offene Ganztagsschule (OGS) orientiert sich im Gegensatz zur Ganztagsschule überwiegend an der klassischen Unterrichtsstruktur der Halbtagsschule und bietet nach dem Unterricht ein zusätzliches, freiwilliges Nachmittagsprogramm. Jeweils zu Beginn des Schuljahres entscheiden die Eltern, ob ihre Kinder das Ganztagsangebot wahrnehmen. Gängige Inhalte der OGS sind ein Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Förderangebote, Freizeitgestaltung und Arbeitsgruppen zu Themen wie Kreativität, Sport, Musik. In der Regel besuchen Kinder die Schule beziehungsweise die OGS montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, mindestens aber bis 15 Uhr; das gibt vor allem berufstätigen Eltern Planungssicherheit. Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 hat jedes Grundschulkind einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.

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