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Auch ohne Pflicht: Darum tragen viele Schüler weiterhin Maske

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Von: Volker Heyn

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Diese drei jungen Leute besuchen die Oberstufe der AEG und haben unterschiedliche Meinungen zum Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht (von links): Emma (17), Ensar (17), und Fatmanur (18).
Diese drei jungen Leute besuchen die Oberstufe der AEG und haben unterschiedliche Meinungen zum Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht (von links): Emma (17), Ensar (17), und Fatmanur (18). © Heyn, Volker

Vielen Jungen und Mädchen an der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) ist noch nicht so ganz wohl dabei, die seit Monaten gewohnte Maske im Unterricht abnehmen zu dürfen.

Ein Blick in einige Klassenzimmer zeigt: Es gibt noch überraschend viele Kinder und Jugendliche, die die Maske freiwillig aufbehalten. Am Dienstag fiel die gesetzliches Pflicht zum Tragen einer Maske am Sitzplatz im Unterricht – für Schülerinnen und Schüler genauso wie für Lehrkräfte. Der Besuch auf dem Riesei an diesem Premierentag zeigt ein interessantes Meinungsbild an Werdohls größter Schule.

In der sechsten Klasse von Lehrer Till Krusche, der Biologie und Sport unterrichtet, haben sehr viele die Maske aufbehalten. Krusche ist Vater von zwei Kindern im Alter von sechs und zehn und weiß als Biologe, wie „Viren ticken.“ Den Wegfall der Maskenpflicht direkt am festen Sitzplatz hält er dennoch für verantwortungsvoll und als ein wichtiges Signal in Richtung Pandemiebewältigung. Schule lebe von Vertrauen, auf Dauer funktioniere Schule nicht auf Distanz.

Nach Infektion bleibt die Maske auf

Ganz pragmatisch sieht es der zwölfjährige Marvin. Er ist bereits geimpft: „Ich ziehe die Maske am Platz ab.“ Seine Eltern seien auch geimpft, so habe man Freiheiten im Urlaub genießen können. Mitschülerin Laura, ebenfalls 12 Jahre alt, ist nicht geimpft, weil ihre Eltern es nicht möchten und selbst nicht geimpft sind. „Ich trage die Maske drinnen weiterhin, ich bin schon so lange daran gewöhnt. Wenn ich nicht mehr gut atmen kann, nehme ich sie einen Moment runter, dann setze ich sie wieder auf. Ich fühle mich mit Maske viel geschützter als ohne.“ Klassenkamerad Kerem hat wieder andere Erfahrungen gemacht. Der 14-Jährige war an Covid erkrankt und hat als Genesener sogar eine Bescheinigung. „Ich trage weiterhin Maske zum Schutz der anderen. Corona verbreitet sich sehr schnell.“

In diesem Leistungskurs Erdkunde des 12. Jahrgangs tragen die meisten weiter ihre Maske im Unterricht.
In diesem Leistungskurs Erdkunde des 12. Jahrgangs tragen die meisten weiter ihre Maske im Unterricht. © Heyn, Volker

Bei den älteren Schülerinnen und Schülern der Oberstufe ist der Wegfall der Maskenpflicht an diesem Tag nicht das beherrschende Thema. Die 18-jährige Fatmanur gibt offen zu: „Ich hatte es heute morgen verpeilt, dass wir die Maske im Unterricht nicht mehr aufsetzen müssen.“ Die junge Frau empfindet den Wegfall der Pflicht allerdings als Erleichterung für den Unterricht. Jeden zweiten Tag werde getestet, viele seien bereits geimpft. Sofort die Maske abgenommen hat der 17-jährige Ensar, der doppelt geimpft ist, einmal davon in der Schule. „Das war zwar erst ungewohnt ohne Maske, aber ich kann mich ohne viel besser konzentrieren.“ Mit Maske müsse man immer laut reden und werde schlechter verstanden. Ensar: „Für den Unterricht ist der Wegfall gut, medizinisch gesehen vielleicht nicht so.“

Der Geschmackssinn ist noch nicht zurück

Weiterhin vorsichtig sein will deshalb die 17-jährige Emma. Sie war an Covid mit einigen Symptomen erkrankt, ihren Geschmackssinn hat sie Monate danach noch nicht zurückgewonnen. „Ich habe Bedenken, auch ob ich mich als junge Frau impfen lassen soll.“ Zum Schutz der anderen trage sie weiterhin die OP-Maske.

Die Lehrkräfte Tatjana Burris und Volker Thomas begrüßen den Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht.
Die Lehrkräfte Tatjana Burris und Volker Thomas begrüßen den Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht. © Heyn, Volker

Keine Angst um sich selbst haben die Lehrkräfte Tatjana Burris und Volker Thomas. Burris: „Ich bin geimpft, ich fühle mich sicher genug.“ Burris und ihr Kollege Thomas hatten am Morgen in ihren Klassen bemerkt, dass an diesem ersten Tag noch viele die Maske aufbehalten hatten. Für die Unterrichtssituation sei der unverhüllte Blick auf die Mimik des Gegenübers besser, der Wegfall der Maskenpflicht erleichtere den Unterricht. Jüngere Kinder würden oft leise sprechen und seien durch die Maske schlechter verständlich.

Eine ganz persönliche Entscheidung

Der Wegfall der Maskenpflicht sei im Kollegium nicht groß diskutiert worden. Die Entscheidung zum weiteren Tragen der Maske im Unterricht sei schließlich eine ganz persönliche.

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