Sicherheitsdienst hat nur wenig zu tun

Auch im Weihnachtsstress: Werdohler sind disziplinierte Einkäufer

Jede Kundenbewegung wird auf dem Tablet festgehalten: Dominik Kringe kontrolliert, wie viele Kunden sich gleichzeitig im Edeka-Markt an der Inselstraße aufhalten. 144 dürfen es coronabedingt maximal sein.
+
Jede Kundenbewegung wird auf dem Tablet festgehalten: Dominik Kringe kontrolliert, wie viele Kunden sich gleichzeitig im Edeka-Markt an der Inselstraße aufhalten. 144 dürfen es coronabedingt maximal sein.

„Es gibt schon manche Sturköpfe“, räumt Frank Herber ein. Der Chef der Sicherheitsfirma Deka Secur steht mit seinen Mitarbeitern derzeit täglich vor dem Edeka-Markt von Heiko Tank an der Inselstraße und sorgt für einen coronakonformen Ablauf vor und zwischen den Feiertagen.

Dann schiebt Herber aber sogleich nach: „Das kriegen wir aber im lockeren Gespräch schon hin.“ In Werdohl habe er noch kein Hausverbot erteilen müssen. „Das sieht im Siegerland oder im Hochsauerlandkreis schon anders aus“, weiß er aus anderen Gegenden zu berichten.

Maskenpflicht ist an anderen Orten immer wieder Streitthema

„An anderen Orten gibt es immer wieder Streitthemen rund um die Maskenpflicht“, erläutert er. Dann ereifert er sich: „Manche Leute verstehen einfach nicht, dass sie im Prinzip ja machen können, was sie wollen, aber andere trotzdem schützen sollten.“

Herber holt unter seiner Atemschutzmaske deutlich hörbar Luft. „Wir machen die Verordnungen doch nicht selbst“, schiebt er hinterher. „Aber hier in Werdohl ist es ja auch ganz anders. Da kriegen wir sogar mal kleine Geschenke – einen Kaffee von der Fabrica auf der anderen Straßenseite oder eine Schachtel Pralinen.“

Als Vorsitzender der Versetaler Schützen bei vielen Kunden bekannt

Herber, Vorsitzender des Versetaler Schützenvereins, ist bei vielen Supermarkt-Kunden gut bekannt. Immer wieder rufen ihm Passanten „Schöne Feiertage“ zu. „Wir wollen ja auch nicht abschrecken, sondern nur für die Umsetzung der Vorgaben sorgen.“

2017 gründete Herber, der im Hauptberuf Dachdecker ist, sein zweites berufliches Standbein. „Deka steht für Detektive im Kaufhaus, denn hauptsächlich sorgen wir für Diebstahlschutz im Einzelhandlung – auch mit Videoüberwachung“, klärt er auf. „Aber wir übernehmen auch Aufträge in den Bereichen Eventsicherung, Werttransporte und jetzt eben auch Corona-Schutz.“

Fünf Mitarbeiter sind im näheren und weiteren Umkreis tätig

Fünf Mitarbeiter hat Herber „und im Moment können wir über die Auftragslage nicht klagen“. Im näheren und weiteren Umkreis sei er derzeit tätig und wisse: „Hier in Werdohl sind die Kunden eigentlich alle sehr gut drauf.“ Dann betont er: „Viele sind einfach nur froh, dass sie hier nicht verpflichtet sind, jeder einen eigenen Einkaufswagen zu benutzen.“

Dann schickt er einen seiner Mitarbeiter auf die Rolltreppe. Dort tummeln sich vier Jugendliche ohne Abstand dicht beieinander. Denis Wiebe soll nachfragen, ob sie vielleicht Geschwister sind oder zumindest aus einem Haushalt.

Kontrollgänge durch den Laden

Dann spricht Herber weiter: „Manche Kunden wissen nicht, dass hier die Maskenpflicht auch auf dem Parkdeck bei den Autos gilt. Und von Zeit zu Zeit kontrollieren wir auch im Laden selbst, ob zum Beispiel die Maske noch die Nase bedeckt.“ Probleme – Herber betont es noch einmal – habe es dabei bisher nicht gegeben.

Kümmern sich um die Einhaltung der Corona-Regeln im Edeka-Markt: (von links) Frank Herber, Carmen Jürisoo, Denis Wiebe und Dominik Kringe.

Zu diesen kam es auch nicht, als am Freitag, 18. Dezember, erstmals die Zahl von 144 Kunden im Edeka-Markt erreicht wurde. In Zeiten von Corona sind 144 Kunden, die gleichzeitig in den Markt dürfen, das Maximum. Denn nach der Coronaschutzverordnung des Landes müssen Läden mit einer Größe von mehr als 800 Quadratmetern mit einer Fläche von 20 Quadratmeter pro Kunde rechnen. Also durfte an diesem Freitag niemand mehr in den Markt. „Das war gegen 16 Uhr. Etwa eine Stunde lang mussten wir den Zugang regeln. Nur wenn ein Kunde das Geschäft verlassen hatte, durfte auch wieder einer herein.“

Bereits während des ersten Lockdowns im Edeka-Markt tätig

Bereits im März während des ersten Lockdowns war Herber mit seinem Team von Heiko Tank beauftragt worden. „Von daher hatten wir jetzt Erfahrungswerte“, sagt der Versetaler Schützenoberst. Tank pflichtet ihm bei: „Wir haben zwar rund 1000 Kunden am Tag. Aber 144 Einkäufer zugleich haben wir unter der Woche eigentlich nicht.“

So war Herber nun seit November nur an den Wochenenden vor Ort. Seit 18. Dezember und bis zum 2. Januar ist er mit seinem Team aber durchgängig für die Sicherheit im Einkaufszentrum zuständig. Die Jahresendzeit ist Einkaufszeit.

Kundenzahl wird genau erfasst

Tank erklärt: „Wir wissen ja zu jeder Zeit, wie viele Kunden im Laden sind.“ Herbers Angestellter Dominik Kringe steht mit einem Tablet im Eingangsbereich und addiert jeden Kunden, der neu hinzu kommt, zieht jeden ab, der seine Einkäufe erledigt hat.

Von 8 bis 21 Uhr sind die Sicherheitsleute der Neuenrader Firma in dem Gebäude präsent, um zwischen Weihnachtsbaum und dem Tisch, auf dem die Flasche mit dem Desinfektionsmittel steht, nach dem Rechten zu sehen. Herber erklärt: „Ab 19 Uhr wird es etwas leerer, dann reicht es manchmal, wenn nur noch einer von uns bleibt.“

Zusätzliche Ausgaben für den Marktbetreiber

Dieses zusätzliche Personal bedeutet für Marktbetreiber Tank natürlich auch einen zusätzlichen Kostenfaktor: „Aber ich beklage mich nicht“, sagt er. „Andere Läden sind ja ganz geschlossen. Wir haben in der Tendenz sogar steigende Kundenzahlen, also gar keine Corona-Einbußen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare