Ein Attentat auf die Seele

WERDOHL - Raubüberfälle sind Attentate auf die Seele der Betroffenen. Das wurde gestern wieder einmal im Landgericht Hagen deutlich. Dort sagte die Spielhallenaufsicht aus, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 2013 ein Messer entgegengestreckt wurde.

Als es um dieses Kerngeschehen ging, brach die zweifache Mutter in Tränen aus. Das wiederholte sich, als sie dem Gericht erzählte, dass sie seit dem Überfall nachts Angst habe – nicht nur während der Dienste in der Spielhalle „Glückspilz“.

Der 30-jährige Angeklagte, der den Überfall durch das Offenlassen einer Tür möglich gemacht hatte, nutzte immerhin die Gelegenheit, um sich für seine Unterstützung des Überfalls zu entschuldigen: „Wenn ich gewusst hätte, dass es soweit kommt, hätte ich nicht mitgemacht“, behauptete er. Allerdings war es schwierig, in jener Nacht nicht zu wissen, was der weiterhin unbekannte Mittäter in der Spielhalle tun würde.

Schon als die junge Frau um ein Uhr nachts über die Videoanlage jemanden hatte kommen sehen, hatte sie einen Schreck bekommen, „weil die Tür normalerweise verschlossen ist“. 1450 Euro waren zum Zeitpunkt des Überfalls in der Kasse, weitere 600 Euro befanden sich als Münzgeld in einem Becher. Den Angeklagten kannte die Zeugin von zahlreichen Besuchen in der Spielothek. Je nach Kassenlage habe er zwischen 20 und 100 Euro verspielt, schätzte die Zeugin. Am Tag des Überfalls hatte der 30-Jährige sie in ein Gespräch über die Frage verwickelt, wer für den Schaden nach einem Diebstahl der Casino-Kasse aufkommen müsse.

Eine überraschende Sicht auf den Überfall und den Angeklagten präsentierte der 42-jährige Betreiber der Spielhalle. „Er ist für mich wie ein Bruder. Ich habe ihm angeboten, die Sache zu vergessen, wenn er mir sagt, ob er daran beteiligt war“, berichtete der Zeuge und ließ sich in seiner Haltung auch nicht von den Ansagen der Richter einer Strafkammer beirren: „Dann hätten Sie sich strafbar gemacht.“ Der Zeuge konterte umgehend: „Das hätten Sie nicht herausbekommen.“

Interessante Neuigkeiten gab es gestern auch über die Sicht eines Spielhallenbetreibers auf seine Kunden. Heiko Kölz, einer der beiden Verteidiger, kritisierte das Geschäftsmodell des Spielhallenbetreibers: „Sie sind jemand, der die Sucht anderer Menschen bewirtet.“ Auch darauf wusste der 42-Jährige eine Antwort: „Wenn ich bei jedem Rücksicht nehmen würde, müsste ich die Spielhalle schließen.“ Dass dies wirklich umfassend gilt, machte sein 30-jähriger Bruder im Zeugenstand deutlich, der die Spielhalle ebenfalls vier bis fünfmal pro Woche besucht: „Ja, ich fülle die Taschen von meinem Bruder“, bedauerte er die Plünderung seiner Geldbörse.

Der Prozess wird am 9. Oktober ab neun Uhr fortgesetzt.

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