Geschichten aus Asylbewerberheim

„Wir waren Fremde im eigenen Land“

Die Familie Asanovic musste 2002 nach Serbien zurück kehren, seit drei Monaten sind Aca und Zdravko Asanovic mit ihrer Familie nun wieder in Werdohl. Hier würden sie gern bleiben, doch ihre Zukunft ist ungewiss. Zur Zeit leben sie mit weiteren Asylbewerbern im Übergangsheim an der Osmecke.

WERDOHL. Zdravko Asanovic sitzt auf der Stahltreppe vor dem Asylbewerberheim in der Osmecke. Vor drei Monaten ist der 23-Jährige mit seiner Frau und seinen beiden Kindern aus Serbien gekommen. In Belgrad sind sie in einen Bus gestiegen. Von dort ging es über Ungarn und Österreich nach Deutschland. Einfach so.

Zdravko Asanovic ist wieder in Werdohl, wo er einst zur Schule gegangen ist und wo er seine Kindheit verbracht hat. Doch ob er gemeinsam mit seiner Familie bleiben kann, ist ungewiss. Zdravko Asanovic ist in der Bundesrepublik nur geduldet. Doch er fühlt sich in Deutschland zu Hause und spricht die deutsche Sprache besser als seine Muttersprache, die serbische. „Ich kann kaum serbisch schreiben und lesen“, sagt der Familienvater.

Als kleiner Junge kam er mit seinen Eltern und seinem Bruder nach Werdohl. Das war 1993. „Ich bin in Kleinhammer zur Grundschule gegangen“, erinnert sich der junge Mann. Sein Vater habe damals Arbeit gehabt, sei Lkw gefahren. Nachdem die Familie einige Jahre im Übergangsheim für Asylbewerber an der Osmecke gelebt hatte, zogen die Asanovics Ende der 90er Jahre in eine eigene Wohnung, wie der 23-Jährige berichtet.

Asylantrag abgelehnt

Zdravko Asanovic besuchte später die Hauptschule. Eines Tages, Zdravko Asanovic ging in die fünfte Klasse, sei seine Mutter völlig aufgelöst in der Schule erschienen und habe ihm vor dem Klassenzimmer erklärt, dass die Familie nach Serbien abgeschoben werde. Der Antrag auf Asyl war von den Behörden abgelehnt worden. Das war im Jahre 2002. Damals war Zdravko Asanovic zwölf Jahre alt. Mehr als die Hälfte seines Lebens hatte er bis dahin in Werdohl verbracht. Jetzt ist er wieder da. Die Rückkehr nach Serbien sei damals schrecklich gewesen. „Ein Schock“, erklärt Aca Asanovic, der ebenso wie sein Sohn Zdravko nach Werdohl zurückgekehrt ist.

Hier hoffen Vater und Sohn auf eine bessere Zukunft. „Die Kinder haben sich damals fremd gefühlt in Serbien. Sie verstanden die Sprache nicht. Als sie Durst hatten, haben sie Leitungswasser getrunken, weil sie das aus Deutschland so kannten. Sie wurden sehr krank“, weiß der 40-Jährige zu berichten.

Aca Asanovic darf nicht arbeiten

Aca Asanovic will wie alle anderen, die in den Häusern Osmecke 13a bis 13d wohnen, in Deutschland bleiben. „Wir waren wie Fremde im eigenen Land“, sagt Aca Asanovic. Er würde gerne wieder arbeiten, wie er sagt, doch dies darf er nicht. 39 Personen, darunter auch viele Kinder, sind nach Angaben von Petra Seuster von der Stadt Werdohl an der Osmecke untergebracht.

„Die Asylbewerber kommen aus Syrien, Serbien, Afghanistan, dem Kongo, oder Sri Lanka“, weiß die Verwaltungsmitarbeiterin. Die Landesaufnahmestellen in Hemer oder Schöppingen weisen der Stadt die Menschen zu. Die Ausländerbehörde des Märkischen Kreises prüfe nach der Ankunft in Werdohl, ob den Neuankömmlingen Asyl gewährt werde. Petra Seuster schaut fast täglich an der Osmecke vorbei.

Ärger mit den Anwohnern

Manchmal komme es zu Ärger mit den Anwohnern, so Seuster. Neben der altbekannten Müllproblematik klagen die Nachbarn des Übergangsheimes auch schon mal über die Lautstärke rund um die Häuser. „Ich versuche auf beiden Seiten für Verständnis zu werben“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Wenn das Wetter gut ist, spielen die Kinder aus der Unterkunft draußen und machen mit Rollschuhen, Rutschautos und Dreirädern den Platz vor den Häusern unsicher – und das auch in den frühen Abendstunden.

Der Lärm und das südländische Temperament der Flüchtlinge gäbe schon mal Anlass für Beschwerden. Aber auch im Zusammenleben der unterschiedlichen Nationen komme es manchmal zu Missverständnissen, die geklärt werden müssten. Für die Kinder gelte in Deutschland die Schulpflicht. Ein Teil der Erwachsenen leiste gemeinnützige Arbeit, helfe bei der Pflege der städtischen Grünanlagen. Jede Etage in den vier Häusern des Übergangsheimes verfügt über vier Zimmer, zwei Toiletten und zwei Duschen. „Je nach Auslastung werden die Asylbewerber in den Häusern verteilt“, erklärt Seuster.

Zu gefährlich in Syrien

In den Kellern gibt es eine Waschküche mit Waschmaschinen. Die Asylbewerber dürfen – je nach Auflagen – das Kreisgebiet, den Regierungsbezirk oder das Land NRW nicht verlassen, so sehen es die Auflagen der Behörde im Rahmen der Residenzpflicht vor. Auch die 15-jährige Helin lebt seit einiger Zeit mit ihrer Mutter und Schwester an der Osmecke.

Als ihr Vater starb, ist sie mit der Mutter und den übrigen Geschwistern aus Syrien geflohen. Eine ihrer Schwestern hat es nach Olpe verschlagen. „Es war zu gefährlich in Syrien“, sagt sie. Helin besucht die Hauptschule. „Meine Freundinnen aus der Schule helfen mir, die deutsche Sprache zu lernen“, sagt die Jugendliche. „Für uns Frauen war das Leben in Amouda zum Schluss sehr problematisch, deshalb sind wir geflohen“, sagt Helin. Ihre Familie sei kurdisch, auch dass ein Grund für die Flucht. Helin hofft, dass sie bleiben können.

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