Armut stresst Familien zusätzlich

WERDOHL ▪ Wirtschaftliche Not ist mit 59 Prozent der Fälle das häufigste Strukturmerkmal einer Familie, die im Jahre 2009 Hilfen zur Erziehung beim Werdohler Jugendamt beantragt hat. Finanzielle Not erhöht nach den Erfahrungen des Bezirkssozialdienstes des Jugendamtes „zusätzlich das Stresspotential in Familien.“

Die SPD hatte im vergangenen Jahr eine Debatte zum Thema Kinderarmut angeregt, für den Jugendhilfeausschuss kommende Woche Dienstag hat Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak eine Beratungsvorlage erstellt. Dworschak schreibt: „Armut, Hartz-IV-Bezug oder ähnliche Problematik in Verbindung mit Hilfen zur Erziehung sind keine Kriterien der regulären statistischen Erfassnung.“ Dennoch habe das Jugendamt eine Bewertung aufgrund von subjektiver Einschätzung der erfahrenen Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes, Indizien mit hoher Voraussagequalität und der guten Kenntnis von Sachverhalten eine bewertende Aussage getroffen. Die in 2009 geleisteten Hilfen zur Erziehung verteilen sich demnach auf die Strukturmerkmale Wirtschaftliche Not (59 Prozent), Alleinerziehend (52 Prozent), Kinderreichtum (40 Prozent), Krankheit (39 Prozent), Migrationshintergrund (28 Prozent) und Sucht (16 Prozent). In 31 Fällen der sozialpädagogischen Familienhilfe stand 19 Mal das Merkmal Armut im Hintergrund, in den 22 Fällen von Erziehungsbeistandsschaft gab es in 10 Fällen Armutsmerkmale und bei den 24 Fällen von ambulanter Familientherapie war in 11 Familien Armut ein Strukurmerkmal. Noch stärker ist der Faktor Armut bei stationären Hilfen zu erkennen: Von 33 Kindern, die in Pflegefamilien untergebracht sind, kommen 27 Kinder aus armen Familien. 23 Kinder sind in Heimen untergebracht, davon gelten 12 als arm. Dworschak: „In keinem der erfassten Fälle ist Hartz-IV-Bezug und Armut als alleiniges Merkmal aufgetreten.“

Viele Familien mit

geringem Einkommen

Hinweise über Einkommensverhältnisse der Werdohler Familien ergeben sich aus den Elternbeiträgen für den Kindergartenbesuch. Die Eltern müssen ihre Einkommensverhältnisse angeben. Von den 533 Beitrag zahlenden Eltern entfallen 229 auf die niedrigste Gruppe mit einem Einkommen unter 12 000 Euro bis 21 000 Euro. 104 Eltern haben bis 31 000 Euro Einkommen, 93 bis 41 000 Euro. 107 Eltern haben ein höheres Einkommen.

Von Volker Heyn

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