ARD-Fitnessexperte Froböse gibt Werdohlern Tipps für gesundes Leben

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Prof. Dr. Ingo Froböse riet auch zu Pausen: Der Körper benötigte neben Phasen der Anstrengung auch solche der Regeneration, um funktionieren zu können.

Werdohl - Ein 100-minütiger Vortrag kann schlauchen – nicht jedoch, wenn Prof. Dr. Ingo Froböse ihn hält. Als der Referent sich am Ende seinen verdienten und intensiven Applaus abholte, schaute er im Restaurant Vier Jahreszeiten in mehr als 100 strahlende Gesichter.

Die Menschen hatten dem Experten zuvor sprichwörtlich an den Lippen gehangen. 

Froböse war auf Einladung von Dagmar Freitag aus Köln nach Werdohl gekommen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses kündigte ihren prominenten Gast an, indem sie an seine Vergangenheit als Leistungssportler in der Leichtathletik und an seine Gegenwart als ständiger Experte im ARD-Morgenmagazin erinnerte. 

Der Referent sprach als erstes die hohe Bedeutung der Regeneration an: „Machen Sie Pausen. Geben Sie Ihrem Körper die Ruhe, die er braucht.“ Er betonte, dass der FC Bayern München seit zwei Jahren einen Freizeit-Coach beschäftige. Dieser übe mit seinen Schützlingen beispielsweise das Gitarrenspiel. „Sie machen es doch jedem Abend mit Ihrem Handy: Sie laden den Akku auf“, rief er seinen Zuhörern im vollen Saal entgegen. 

Gesellschaft sollte umdenken

Und er hob hervor: „Spitzensportler werden erst durch die Pausen gut. Wir aber gehen Tag für Tag an unsere Leistungsgrenze und immer wieder darüber hinweg.“ Folglich sollte die Gesellschaft umdenken: „Wir daddeln doch alle nach Feierabend und sogar noch im Urlaub auf dem Smartphone herum.“ Es brauche vielmehr eine Strategie, dafür zu sorgen, die ständige berufliche Anspannung morgens wieder kompensiert zu haben. Erholung vom Alltagsstress müsse aber erst aktiviert werden. Sie komme nicht, wenn man nur darauf wartet: „Wir regenerieren nicht bei Dieter Bohlen.“ 

Zu viel zu tun, sei aber ebenso wenig gut: „Das Fitnessstudio nimmt Ihnen nur noch mehr Zeit weg, die Sie für die Regeneration brauchen“, betonte Froböse. „Bewegen Sie sich, aber geben Sie nicht Gummi, machen Sie es moderat.“ Das Abschalten nach dem Feierabend beim Spaziergang helfe viel mehr. Ein solcher Gang um den Block steigere die Durchblutung im Gehirn um bis zu 20 Prozent. 

Das Kopfkissen in den Kühlschrank legen

Das erfrische, mache auch schlauer, sorge aber vor allem für eines: „Sie müssen die Birne wortwörtlich abkühlen“, sprach der Referent Klartext. Auch sei es durchaus sinnvoll, das Kopfkissen in den Kühlschrank zu legen. Der Gesundheitsexperte mahnte zudem an: „Holen Sie sich unmittelbar vor dem Schlafengehen keine schlechten Bilder heran. Hören Sie mit den Nachrichten bei der Tagesschau auf.“ 

Gut gefüllt war der Saal des Restaurants Vier Jahreszeiten am Donnerstagabend, als Prof. Dr. Ingo Froböse über Wege zu einem gesunden Lebensstil sprach.

Grob gesagt, führte der Referent aus, erhole sich in den ersten vier Stunden des Schlafes der Körper und in den zweiten vier Stunden der Kopf. Sinnvoll sei es aber sowieso, nicht einmal am Tag lange zu schlafen, sondern mehrmals kürzere Zeiten. Froböse erklärte, es sei gut, Nordic Walking zu betreiben – aber nicht jeden Tag, sondern lediglich jeden dritten oder vierten Tag. 

Der Körper brauche nämlich etwa 72 Stunden, um eine Technik zu verinnerlichen: „Wenn Sie am anderen Morgen auf den Golfplatz zurückkehren und den Ball treffen, dann ist das bloß Zufall.“ Für den Urlaub riet der Gesundheitsexperte dringend ab von weiten Reisen, womöglich noch in eine andere Zeitzone: „Sich mit Jetlag bei 40 Grad auf der Sonnenliege zu fläzen – da fragt sich der Körper doch: Was ist denn jetzt los?“, warnte der Stargast aus Köln. 

Dann ging der Ex-Spitzensportler auf das Thema Muskeln ein. Diese seien nicht nur dazu da, schön auszusehen, oder um Kraft zu spenden, sondern vor allen Dingen, um den Stoffwechsel anzuregen: „Aber sie müssen kontinuierlich genutzt werden.“ Knorpel und Knochen bräuchten stetige Belastung – und keine Schonung. Das gelte auch für Muskeln. 

„Machen Sie zehn Minuten am Tag Gymnastik.“

„Muskeln müssen qualmen, damit sie wachsen.“ So verliere ein Profi-Fußballer mit Gipsarm innerhalb von nur sieben Tagen 35 Prozent seiner Muskelkraft im Arm. Der Sportwissenschaftler riet seinen Zuhörern: „Machen Sie zehn Minuten am Tag Gymnastik.“ Und mit Nachdruck schob er hinterher: „Aber nicht mehr!“ 

Er fragte in den Saal: „Warum hüpfen nur Kinder durch die Gegend?“ Dann ermunterte er die Anwesenden: „Sie können das auch, Sie haben es sich nur abgewöhnt.“ Im Anschluss folgte noch eine halbstündige Diskussion zwischen Publikum und Stargast. Dabei erklärte Froböse beispielsweise, dass die „Rüttelplatten“, die derzeit in sind, nicht im Internet bestellt werden sollten. 

Zum einen seien die Sportgeräte, die man dort finde, „oft Schrott“. Zum anderen sei es sowieso nicht sinnvoll, diese Geräte zu nutzen, ohne die Begleitung eines Trainers. Grundsätzlich meinte der Ex-Sportler jedoch: „Ich brauche sowas alles nicht. Ich habe mein Trainingsgerät immer bei mir: meinen Körper.“

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