Das Archiv kehrt zurück

Der Bahnhofs-Anbau könnte eines der Objekte sein, in dem das Archiv ab 2011 unterzubringen wäre.

WERDOHL ▪ Vor 20 Jahren hatte die Werdohler Stadtverwaltung im Rahmen eines sogenannten Depositalvertrages umfangreiches Akten- und Archivmaterial – wenn auch nicht komplett, wie etwa die Brückenakte aus dem 16. Jahrhundert – an das Kreisarchiv in Altena abgegeben. Mittelfristig, sprich im Laufe des nächsten Jahres, sollen diese Unterlagen aber zurück nach Werdohl kommen. Der Kreis hat das bestehende Vertragsverhältnis gekündigt.

„Wir sind deshalb gehalten, uns jetzt vor Ort um eine Unterbringungsmöglichkeit dieses Materials zu kümmern“, so Rainer Gumz, der in dieser Frage zuständige Abteilungsleiter. In einem ersten Schritt wolle man sich nach Ende der Sommerferien beim Westfälischen Archivamt in Münster beraten lassen, welche Kriterien für ein solches eigene Archiv erfüllt werden müssen.

Natürlich liegt ein Hauptaugenmerk auf der Frage, welche Räumlichkeiten für eine Archivnutzung in Betracht gezogen werden können. Hier steht man im Rathaus allerdings noch am Anfang der Überlegungen. Nicht ausgeschlossen wird von Rainer Gumz, dass auch der Bahnhofs-Anbau mit in die Gedankenspiele einbezogen werden könnte.

Zu prüfen sei dort oder auch in anderen Räumlichkeiten, wie es um die Feuchtigkeit bestellt ist und wie viel Platz vorhanden sei. Immerhin müssten im Extremfall 140 laufende Meter Archivmaterial aus dem 19. und 20. Jahrhundert aus Altena übernommen werden. Auch der Kostenfaktor spielt laut Gumz eine Rolle. Es gelte, Regale zu beschaffen oder auch Schutzhüllen für die Akten. Die Frage, ob auch ein Archivar eingestellt werden müsse, beantwortete Gumz unter Hinweis auf die Finanzlage der Stadt mit „eher nicht“.

Den Hintergrund für die Kündigung des Depositalvertrages machte Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski deutlich: „Wir verwahren bei uns neben all den klassischen Archivbeständen auch die Unterlagen aus fünf Städten und sind personell, vor allem aber räumlich an unsere Grenzen gestoßen.“ Deshalb habe sie „die Reißleine gezogen“. Nichts passe mehr hinzu, außer vielleicht Personenstandsregister.

Bei den in Altena aufbewahrten Unterlagen aus Werdohl handele es sich vornehmlich um Verwaltungs- und Personalakten, Bauanträge oder Ratsprotokolle – vornehmlich aus der Zeit seit der kommunalen Neuordnung. Aber auch Zwangsarbeiter-Unterlagen, Akten zum Armenwesen oder der Kirchen seien dabei.

„Wir haben den betroffenen Kommunen bei der Vertragskündigung gesagt, dass sie ihr Material künftig selbst verwalten müssen“, so Dr. Christiane Todrowski. Für Werdohl bestehe das Angebot, die vorhandenen, laufenden 140 Meter in Altena zu belassen. Wie man damit umgehen werde, sei noch offen. Allerdings: Zwei Drittel des Werdohler Materials sei schon verpackt, „und eigentlich macht es auch Sinn, das Archiv dort zu unterhalten, wo es auch gebraucht wird“, so die Kreisarchivarin.

Rainer Kanbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare