Arbeiten an der B 229: „Der Fels ist hart wie Sau“

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In in einem unregelmäßigen Raster bohren die Männer Loch um Loch in die harte Grauwacke. In einer Arbeitshöhe von bis zu 50 Metern ist eine Staubabsaugung technisch nicht möglich, also stehen die Männer wochenlang voll im Dreck und Lärm. 

Werdohl - „Der Fels ist hart wie Sau“, sagt Polier Robert Weise in unverkennbar sächsischem Dialekt. Der Mann aus Leuna in Sachsen-Anhalt arbeitet seit 17 Jahren im Spezialtiefbau und muss es wissen.

Für die in Meschede ansässige Firma Salmen bohren er und seine Männer im Auftrag von Straßen.NRW insgesamt 400 Löcher in die steile Felswand an der B 229 im engen Versetal. Die ersten Löcher sind schon in der Wand, bis zum Jahresende soll es geschafft sein. 

Diplom-Ingenieur Holger Böse von Straßen.NRW arbeitet mit Firma Salmen zusammen, auf der Baustelle müssen eine Menge Details abgesprochen werden. Bei einer geologischen Untersuchung der Felswände an Lenne und Verse war 2016 aufgefallen, dass der Steilhang an der B 229 erodiert und auf Dauer eine Gefahr für den Fahrzeugverkehr darstellt. Straßen.NRW lässt die Straßen regelmäßig befahren, dabei war aufgefallen, dass diese steile Wand besondere Aufmerksamkeit verdiente. Die Sanierungsmaßnahme wurde von Straßen.NRW ausgeschrieben, das Mescheder Unternehmen gewann den Auftrag. 

Vorarbeiten unter Vollsperrung

Im ersten Schritt wurde bei einer Vollsperrung der Verbindung zwischen Lüdenscheid und Werdohl der Hang geräumt. Dabei kam die Struktur der bis zu 50 Meter hohen und im oberen Teil sogar überhängenden Wand zum Vorschein. Böse: „Sobald von oben etwas fällt, liegt es direkt auf der Straße und das auch noch unmittelbar nach einer Kurve. Da kann niemand mehr bremsen.“ 

Diplom-Ingenieur Holger Böse von Straßen.NRW aus Hagen und Polier Robert Weise von der Firma Salmen aus Meschede arbeiten im Versetal Hand in Hand. Im Bild vorn sind die Nägel zu sehen, die in die Felsbohrung gesteckt werden. Mit den Felsnägeln werden dünne Plastikrohre eingeschoben, durch die später die Zement-Emulsion gespritzt wird.

400 Nägel werden in die Wand gesetzt

Auf etwa 150 Länge werden durch die Mitarbeiter der Firma Salmen rund 400 Felsnägel in die Wand gesetzt, darüber kommt später ein 1500 Quadratmeter großes Fangnetz. Zur Straße hin wird noch ein vier Meter hoher Stahlzaun gesetzt. Die Männer müssen mit einer Art Vollschutz in den Korb des Hubsteigers. Eine Staubabsaugung ist in der Höhe nicht möglich. Polier Weise: „Für die Mitarbeiter ist das sehr unschön, aber es gibt technisch leider keine andere Lösung.“ Auf der Fahrbahn steht das Aggregat, das Hydrauliköl durch Leitungen zum Bohrer im Hubsteiger führt. Der Bohrer verursacht im Fels ebenfalls ein lautes Geräusch. Die „quarzistische Wacke mit zwischengelagerten Tonschichten“ ist „hart wie Sau“. Sind die Löcher gebohrt, wird die Zement-Emulsion durch ein Plastikrohr entlang des Nagels in das Loch gespritzt. Nach dem Aushärten sitzt der Nagel fest im Fels. 

Ferienwohnung in Kleinhammer

Die Mitarbeiter kommen aus allen Teilen der Republik. Unter der Woche wohnen sie in einer Ferienwohnung in Kleinhammer, freitags geht es ab nach Hause. Eben ein Job für harte Männer.

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