Apotheken-Notdienst besser für die Kunden

Apotheker Oliver Schwarz ist froh über die Neuregelung beim Notdienst – er ist jetzt seltener an der Reihe, was Kosten spart.

WERDOHL ▪ Die Neuregelung des Apotheken-Notdienstes ab Januar bringt für die Werdohler Kunden kaum Veränderungen. Die Apotheker allerdings fühlen sich betroffen.

Bislang hatte eine Apotheke im Südkreis in Werdohl, Neuenrade, Plettenberg oder Herscheid Dienst. Ab Januar zählen auch die Lüdenscheider und Altenaer Apotheken hinzu, die in einem Umkreis von maximal 20 Kilometern von Werdohl aus zu erreichen sind. An einem Tag haben immer zwei Apotheken Notdienst, so dass die Verfügbarkeit für die Kunden sogar besser ist als vorher.

Grund für die Anpassung der Apotheken-Notdienste im Kreis sei die Neuordnung des ärztlichen Notdienstes, erklärte gestern Apotheker Oliver Schwarz von der Bahnhofs-Apotheke. Ab Februar wird der zentrale ärztliche Notdienst mit zwei Ärzten in Lüdenscheid angesiedelt sein. Da habe es Sinn gemacht, auch dort die Apotheken mit in den Notdienst einzubeziehen. Die Kammer habe die 20-Kilometer-Distanz festgelegt und auf Grund dieser Vorgaben wurde ein neuer Plan entwickelt.

Für die fünf Werdohler (Stadt-, Neue, Fortuna-, Bahnhofs- und Engel-Apotheke in Eveking) verlängern sich die Intervalle, an denen Notdienst gefahren werden müsse. Oliver Schwarz: „Ich hatte bislang einen 15-Tage-Rhythmus, ab Januar sind es 26 Tage.“ Damit habe er pro Monat einen Notdienst weniger, was vor allem seine Kosten senke. Wenn der Apotheker nicht selbst den Notdienst ableistet, muss er einen angestellten Apotheker beschäftigen. Der koste pro Einsatz rund 300 Euro. „Die kommen nicht wieder herein“, so Schwarz: „Im Notdienst ist nichts los.“ Echte Notfälle innerhalb der Woche gebe es faktisch nicht. Antibiotika auf Rezept würde im Notdienst nur selten verlangt, meist seien es Zahnschmerztabletten, Nasenspray oder Babynahrung. Die Notärzte würden meist eine Erstversorgung per Injektion geben, in den Krankenhäusern gibt es eigenständige Apotheken.

Die Erfahrungen im Notdienst zeigten zumindest bei Oliver Schwarz, dass ein 24-Stunden-Notdienst ohnehin nicht sinnvoll sei. Belastend komme zudem hinzu, dass auch am nächsten Tag ein normaler Arbeitstag folge.

Oliver Schwarz (43) hat vor fünf Jahren von seinem Vater Christopher Schwarz (71) die Bahnhofs-Apotheke übernommen. Die Apotheke wurde 1967 von Vater Schwarz aufgebaut.

Beide bemängeln, dass sie ab 2011 von den Großhändlern geringere Rabatte als bisher bekommen. Auch die Abgabe der Apotheke auf die verschreibungspflichtigen Medikamente erhöhe sich. „Die Margen für uns Apotheker werden immer kleiner“, beklagen sich beide. Die Konkurrenz durch Versand-Apotheken sei groß. Immer mehr Medikamente würden aus der Verschreibungspflicht herausgenommen, beklagen die beiden Männer. Christopher Schwarz spricht sogar von „Unsinn“: Ibuprofen gegen Schmerzen beispielsweise sei in der 400er-Darreichung rezeptfrei. Die 600er- und 800er-Dosis geht nur über den Arzt. Das könne aber keinen Kunden davon abhalten, in fünf verschiedenen Apotheken 400er-Packungen zu kaufen. Schwarz, der seit sieben Jahren Rentner ist: „Die Gesetzgebung im Bereich der Apotheken ist manchmal paradox.“

Volker Heyn

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