Apfelfest präsentiert schmackhafte Geschichte

Mmmh, lecker: Zahlreiche alte Apfelsorten waren auf dem Hof Crone zu bestaunen und zu riechen – beim Sauerländer Apfelfest auf dem Hof Crone in Dösseln gab es viel zu entdecken.

WERDOHL ▪ Friedrich Wilhelm liegt im Körbchen und ist zum Anbeißen. „Der schmeckt nicht“, lässt sich Emmy von der Crone, Besucherin des 17. Sauerländer Apfelfestes, das gestern auf dem Hof Crone in Werdohl stattfand, zu einer Majestätsbeleidigung hinreißen. Die Geschichte des Apfels mit dem kaiserlichen Namen ist ein Beispiel für die Obstsorte als lebendiges Kulturerbe.

„Wir bemühen uns um den Erhalt uralter Sorten, die in der Züchtung an den Rand gedrückt wurden. Es ist wichtig, das Erbgut zu bewahren“, sagt Christian Crone, auf dessen Hof die Tradition im Obstanbau eine entscheidende Rolle spielt. Um den Kaiser Wilhelm-Apfel rankt sich in der Pomologie, die Lehre von den Obstarten und Obstsorten, eine Legende: Der Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Apfel soll eine der ersten Marketingideen in der Obstbranche gewesen sein.

„Den Apfel hat der Rheinländer Peter Broich entdeckt. Zu seinem Ruhm und Namen hat ihm aber Carl Hesselmann aus dem Bergischen Land verholfen, der den Apfel dem Kaiser vorlegte. Im Prinzip liegt also nach unserem heutigen Verständnis eine Produktpiraterie vor. Deswegen sagen wir auch ab und an Peter Broich-Apfel anstatt Wilhelmsapfel“, äußerte die Neuenraderin Susanne Becker, die zusammen mit dem Herscheider Siegfried Geck den 1991 gegründeten Deutschen Pomologenverein repräsentierte.

Mit viel Sachverstand schätzten die beiden nicht nur die auf dem Hof existierenden Sorten ein, sondern bestimmten auch Äpfel, die Besucher aus ihrem eigenen Garten mitgebracht hatten.

„Natur und Menschenwerk gehört zusammen“, hatte Rüdiger Schmale, pensionierter Pfarrer, im Hofgottesdienst zur Apfelfest-Eröffnung auf die besondere Verbindung hingewiesen und mit Festveranstalter Christian Crone die Bedeutung von Licht und Wasser für die Entstehung von Leben betont. Mit einer noch kleinen Topinambur, die ausgewachsen bis zu drei Meter groß wird, verdeutlichte Hofbesitzer Crone die Wirkung.

Tausende Besucher konnten sich von der Nachhaltigkeit, mit der am Hof Crone in Dösseln zu Werke gegangen wird, überzeugen. Der Duft von Äpfeln und anderen Leckereien zog über den ganzen Hof, der in einen Natur-Jahrmarkt für die ganze Familie verwandelt worden war.

Zum Anbeißen – oder auch nicht – war da nicht nur der falsche Kaiser Friedrich Wilhelm.

Von Nico Schwarze

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare