Anwohner haben Angst

Nur noch zahlreiche Bremsspuren legen am nächsten Morgen noch Zeugnis ab, was sich am Vorabend auf dem Schulweg abgespielt hat.

WERDOHL ▪ Der Hinweis des WBG-Ratsherrn Gottfried Brinkmann in der jüngsten Sitzung des Rates auf die durch eine „Jugendgang“ ausgelösten, unhaltbaren Zustände in Kleinhammer hat den Nerv der Bevölkerung dieses Ortsteils getroffen – und auch darüber hinaus. Von Rainer Kanbach

Dies um so mehr, als es gerade einmal zwei Jahre her ist, dass ähnliche Zustände in Kleinhammer über einen längeren Zeitraum beklagt worden waren. Seinerzeit lag der Schwerpunkt aber im Bereich des Spielplatzes hinter der Grundschule.

Auch dort wurden Anwohner in den Abend- und Nachtstunden durch laute Musik, Gegröle und Alkoholeskapaden gestört; sogar von Rauschgiftkonsum war die Rede, obwohl dazu der stichhaltige Beweis gefehlt hatte.

Nun also konzentriert sich das Geschehen auf den Schulweg, das Umfeld der Turnhalle und die Überdachung vor dieser Halle. Mit anderen Worten: Das Gelände der Stadt – sprich der Schulhof – wird in diesem Zusammenhang widerrechtlich betreten.

Die Anwohner, so berichtete Gottfried Brinkmann auf Nachfrage, hätten Angst, die Jugendlichen direkt anzusprechen. Sie befürchteten, dass unter Umständen ihre Häuser mit Farbbeuteln beworfen und verschandelt werden könnten.

Auch einen Fall vom vergangenen Samstag hatte Ratsherr Brinkmann als Beispiel für das Verhalten dieser „Jugendgang“ parat: Da sei ein Anwohner vom Schulweg, der mit seinem Auto auf dem Weg zum Schlachtfest des Versetaler Schützenvereins gewesen sei, „massiv an der Durchfahrt gehindert worden“.

Und Gisela Hinse stellte klar: „Die Schilderungen von Herrn Brinkmann sind nicht übertrieben.“ Dass sich Jugendliche irgendwo treffen wollen, sei verständlich, doch sie verband diese Feststellung mit der Frage, ob man dabei einen solchen Eindruck hinterlassen müsse: „Wo wohnen diese jungen Leute? Auf der Müllkippe?“

So sehe es jedenfalls aus, wenn sie den Treffpunkt verließen. Neben der SGV-Bank verblieben Getränketüten „als Erinnerung“ – und inzwischen habe man auch das Schild demontiert, das an die Spenderin der Bank erinnert hat.

Diese Jugendlichen müssten sich nicht wundern, wenn man ihnen kritisch gegenüber stehe. Die Eltern dieser Jugendlichen müssten sich fragen, wie sie ihre Kinder erzogen haben.

Angesichts der Tatsache, dass abends – sogar bis 23 Uhr – am Schulweg Mofa-Rennen (zum Teil mit mehreren auf einem Fahrzeug und ohne Helm) veranstaltet werden und am nächsten Morgen nur noch zahlreiche Bremsspuren Zeugnis davon ablegen, scheint der Ruf nach der Polizei, den Gottfried Brinkmann auch im Rat weitergegeben hatte, verständlich. Aber wie vor zwei Jahren, so der Vorwurf einiger Anlieger, werde die Sache auch hier von den Behörden offenbar zunächst verharmlost. „Pungelscheider Verhältnisse lassen grüßen“, hieß es da unter anderem.

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel hatte im Rat erklärt, dass bei durchgeführten Kontrollen nichts festgestellt worden sei. Diese Aussage steht, doch wenn ebenfalls in der Ratssitzung vom Montag Organisationsveränderungen bei der Stadtwacht und beim Stadtservice beschlossen wurden, dann stellt sich die Frage, warum diese Leute ihre Kompetenzen nicht nutzen, denn unter anderem haben sie das Recht, Platzverweise auszusprechen und mündliche Verwarnungen zu erteilen.

Von der Polizei ist zu vernehmen, dass niemand beunruhigt sein müsse. Meldungen über Ruhestörungen seien zwar bekannt, doch schwerwiegende Feststellungen hätten die Beamten vor Ort nicht treffen können. Gleichwohl sollten die Menschen in Kleinhammer sich nicht scheuen, bei der Polizei anzurufen.

Bürgermeister Siegfried Griebsch hatte in der Ratssitzung vom Montag vorgeschlagen, dass ein Streetworker der städtischen Jugendpflege in Kleinhammer zur Problemlösung eingesetzt werden könne.

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