Rosmart-Anwohner sorgen sich um ihr Lebensumfeld

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Viele Anwohner aus Rosmart und den umliegenden Ortschaften kamen zur Versammlung im Feuerwehrgerätehaus Rosmart.

Werdohl – Was hat Priorität? Die Interessen von Anwohnern und der Landschaftsschutz oder die Sicherung von Industriearbeitsplätzen? Diese Frage stand im Zentrum einer Anwohnerversammlung im Feuerwehrgerätehaus Rosmart, in der es um die geplante Süd-Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes in Richtung Höhenstraße (L 694) ging.

„Es geht um unser Lebensumfeld“, fasste Moderator Jörg Kenter die Bedenken der Anwohner aus Rosmart und von den Brunscheider Höhen zusammen – und beklagte einen mangelnden Informationsfluss seitens der drei beteiligten Städte gegenüber den Anwohnern: „Man wird als Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt und muss dann damit fertig werden.“

Bauliche Entwicklungen im bestehenden Gewerbegebiet boten ein Modell für das, was möglicherweise auch in Zukunft zu befürchten ist: Entgegen der ursprünglichen Vorgabe, dass sich die Firmengebäude harmonisch ins Landschaftsbild einfügen sollten, sei das Gerhardi-Gebäude zu einer „Betonwüste“ geworden. „Ein halber Berg wurde dafür aufgeschüttet. Das hätte man auch am Freisenberg machen können“, ergänzte ein Anwohner. 

„Ich kann nicht verstehen, warum man das nächste Stück Natur zerstört“, klagte ein weiterer. Entschieden für den Erhalt des bestehenden Landschaftsbildes auf den Werdohler Höhen sprach sich auch eine Anwohnerin aus. Dafür müsse man notfalls das Abwandern von Industrieunternehmen in ganz andere Regionen in Kauf nehmen. Es konnte nicht überraschen, dass diese Position eher eine Einzelmeinung blieb: Natürlich müsse man die Arbeitsplätze von morgen in der Region halten, hieß es auch von mehreren Anwohnern. 

Braucht man dafür aber die Flächen von „Südlich Rosmart“? „Ich bezweifle, dass es diesen Bedarf an Industrieflächen gibt“, gab sich ein Anwohner skeptisch. Nach allen Prognosen werde die Bevölkerungszahl doch zurückgehen. „Müssen wir uns nicht gegen diese Entwicklung stemmen?“, mahnte der Lüdenscheider SPD-Ratsherr Jens Voß. „Wozu, wenn gleichzeitig die Landschaft zerstört wird?“, lautete die Gegenfrage. 

Unbeantwortet blieb Jörg Kenters Frage, wie viele Arbeitsplätze im bestehenden Gewerbegebiet Rosmart denn geschaffen wurden. „Wird dort nur Platz geschaffen für den neuen Roboter?“, fragte er kritisch nach. „Ich kenne keine Bilanz, ob sich das alles rechnet.“ 

Lange Zeit ließen sich die Grundstücke in Rosmart nur mühsam vermarkten – nun gehen die Flächen aber zu Ende. Der Lüdenscheider Stadtplaner Christian Vöcks bezifferte den Flächenbedarf der Stadt für die nächsten 20 Jahre auf 110 Hektar. Derzeit gebe es aber nur noch eine Reserve von zehn Hektar. 

Er widersprach der Darstellung, dass es zahlreiche Brachflächen im Stadtgebiet gebe, die nur entsprechend genutzt werden müssten. Diese gebe es nicht. „Sie sehen manchmal nur leer aus, werden aber genutzt.“ Ratsvertreter aus Altena und Werdohl stimmten dieser Einschätzung zu: In Werdohl wurden Grundstücke im Rahmedetal und die Industriebrache Schwarzenstein ins Spiel gebracht, in Werdohl das Industriegebiet Dresel. „Es gibt in Werdohl keine großen Brachflächen mehr“, erklärte CDU-Ratsmitglied Manfred Buchta. 

Auf dem Weg zu neuen Industriearbeitsplätzen scheint es demnach kaum eine Alternative zur Erschließung von „Südlich Rosmart“ zu geben. Viel spricht deshalb dafür, dass der allgemeine Flächenfraß sich auch im märkischen Sauerland fortsetzen wird.

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