Anstiftung zumMenschenraub

WERDOHL ▪ Ungeheuer brutal war der Raubüberfall, den zwei junge Männer am 3. Juli 2010 auf ein älteres Ehepaar in Werdohl verübten: Während im Fernsehn das legendäre WM-Fußballspiel Deutschland gegen Argentinien lief, drohten sie den Opfern mit körperlicher Gewalt und Tod.

Diese sollten mit vorgehaltenem Messer dazu gezwungen werden, den Standort eines angeblich vorhandenen Tresors preiszugeben. „Ich habe die ganze Wohnung auseinandergenommen“, erinnerte sich gestern einer der zu hohen Haftstrafen verurteilten Täter, der als Zeuge im Hagener Landgericht aussagte. Dort muss sich eine 49-jährige Werdohlerin verantworten, der die Staatsanwaltschaft Anstiftung zu erpresserischem Menschenraub vorwirft.

„Sie sagte mir, dass es um viel Geld geht und fragte mich, ob ich Leute dafür hätte, die so etwas machen können“, belastete der 27-jährige Verurteilte die Angeklagte und wunderte sich über die eigene Dummheit. „Ich weiß nicht, wie sie darauf gekommen ist, dass dort 500 000 Euro in der Wohnung seien.“ Von dieser angeblich zu erwartenden Beute habe die Anstifterin 300 000 Euro für sich beansprucht. Tatsächlich rafften die Täter höchstens 250 Euro, ein Laptop, Goldschmuck und einige Münzen zusammen. Dann ließen sie das geschockte Ehepaar zurück. Noch vom Tatort aus habe er die Anstifterin angerufen, um möglicherweise doch noch den Standort des – tatsächlich nicht vorhandenen – Tresors herauszubekommen, berichtete der Zeuge.

Das geschädigte Ehepaar hatte ausgesagt, dass der 27-Jährige sich vorübergehend aus der Wohnung entfernt habe. Auch der 23-jährige Mittäter wusste noch, dass er mit dem Ehepaar ungefähr zehn Minuten allein gewesen war. Die Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Sie wisse nicht, warum der 27-Jährige sie so schwer belaste – mit dem Überfall auf das Ehepaar habe sie nichts zu tun gehabt. Einer oder eine log also gestern im Gerichtssaal.

Nach den entgegensetzten Aussagen der Angeklagten und des Hauptbelastungszeugen war deutlich, dass den weiteren Zeugenaussagen eine besondere Bedeutung zukommen würde.

Drei Mitglieder der Familie des 27-Jährigen berichteten von einem Besuch der Angeklagten. Nach seiner Verhaftung bot sie erhebliche finanzielle Hilfe und die Vermittlung eines guten Anwalts an. Der 23-jährige Mittäter des Hauptzeugen bestätigte dessen Angaben, wollte die Angeklagte aber noch nie gesehen haben. „Ich weiß nicht, ob es eine Tippgeberin wirklich gab. Es ist alles sehr merkwürdig.“

Das Verfahren wird am 30. Januar fortgesetzt.

Von Thomas Krumm

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