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Anstieg der Energiepreise: Bleiben die Laternen in Werdohl bald nachts wieder dunkel?

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Von: Volker Griese

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Die Straßenbeleuchtung in Werdohl ist in den vergangenen Jahren schon zu großen Teilen auf LED-Technik umgerüstet worden. Hier hat Luciano Amico vom Baubetriebshof eine Laterne mit dem energiesparenden Leuchtmittel ausgestattet.
Die Straßenbeleuchtung in Werdohl ist in den vergangenen Jahren schon zu großen Teilen auf LED-Technik umgerüstet worden. Hier hat Luciano Amico vom Baubetriebshof eine Laterne mit dem energiesparenden Leuchtmittel ausgestattet. © Carla Witt

Angesichts drastisch gestiegener Energiekosten planen erste Städte weitere Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung. Andere Kommunen prüfen einen solchen Schritt gerade. Auch in Werdohl werden Überlegungen angestellt.

Eine reduzierte Straßenbeleuchtung sei „eine Idee im Bündel der möglichen Maßnahmen“, die in Kommunen diskutiert werde, sagte Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Laut hessischem Wirtschaftsministerium macht die Straßenbeleuchtung bis zu 50 Prozent der Stromkosten von Städten und Gemeinden aus.

Für Werdohl ist diese Diskussion nicht neu. Bereits 2013 erarbeiteten Verwaltung und Politik einen 69-Punkte-Plan, um den städtischen Haushalt langfristig zu sanieren. Zu diesem Plan gehörte auch die Abschaltung von Beleuchtungen an nachts weniger stark befahrenen Straßen. Zunächst blieb es von Mitternacht bis vier Uhr dunkel, später gingen die Lichter dann von 1.30 bis 3.30 Uhr aus.

Ein Aufschrei in der Bevölkerung

In der Bevölkerung gab es einen Aufschrei. Einige Bedenkenträger prognostizierten zunehmende Kriminalität, andere befürchteten, dass sich Fußgänger im Dunkeln verletzen könnten. Insbesondere Menschen, die nachts arbeiteten, seien in Gefahr.

Zum Jahresbeginn 2018 wurde die Nachtabschaltung dann aufgehoben, weil mittlerweile viele stromfressende alte Straßenlaternen auf die energiesparende LED-Technik umgerüstet worden waren. Und die Stadt hat in der Folgezeit weitere Straßenlaternen um- oder nachgerüstet. „Von etwa 3500 Laternen sind ungefähr 2000 mit LEDs ausgestattet“, sagte Martin Hempel, Leiter der zuständigen Tiefbauabteilung. Und in den meisten der restlichen ungefähr 1500 Straßenlampen sorgten inzwischen Leuchstofflampen anstelle von stromfressenden Quecksilberdampflampen, deren Produktion ohnehin 2015 eingestellt worden ist, für Licht, erläuterte er weiter.

Die Umrüstung hat sich gerechnet

Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung hat sich für die Stadt durchaus gerechnet. Im Jahr 2008, also noch vor der Nachtabschaltung, haben die Laternen an Werdohls Straßen rund 835 000 Kilowattstunden Strom verbraucht, im Jahr 2021 waren es nur noch 404 000 Kilowattstunden.

Und trotzdem kommt die vorübergehende Abschaltung der Straßenbeleuchtung jetzt erneut auf das politische Tapet. „Die Energiesituation ist durch den Ukraine-Krieg komplett neu, deshalb müssen wir das überdenken“, sagte Bürgermeister Andreas Späinghaus auf Nachfrage. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Im Jahr 2021 hat die Stadt Werdohl für die Straßenbeleuchtung 95 000 Euro aufwenden müssen, durch die gestiegenen Energiepreise rechnet Martin Hempel mittlerweile für 2022 mit Kosten in Höhe von 160 000 Euro.

Verwaltung wird einen Vorschlag machen

Die Verwaltung werde deswegen die Möglichkeiten ausloten und der Politik einen Vorschlag machen, allerdings wohl erst in der zweiten Jahreshälfte, kündigte Bürgermeister Späinghaus an. Er weiß aber auch um die Brisanz des Themas. Deshalb sagte er: „Aufgrund der Erfahrungen damals müssen wir das auf eine breite Basis stellen, dafür brauche ich politischen Rückhalt.“ Konkrete Pläne gebe es derzeit noch nicht.

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