Angst vor Freitag, dem 13.

WERDOHL ▪ Wenn Alexandra Papp an Freitag, den 13. denkt, läuft ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken, Angst steigt in ihr auf. „Seitdem ich neun Jahre alt bin, ist an dem Tag immer etwas Schlechtes passiert“, erklärt die 19-Jährige mit erstickter Stimme und Tränen in den Augen. Von Jana Peuckert

Zwei Tage vor dem vermeintlichen Unglückstag äußerten Passanten gegenüber unserer Zeitung ihre Eindrücke von Freitag, dem 13. Nicht nur Alexandra Papp fürchtet sich vor diesem Tag. Einige Menschen verlassen an einem Freitag, dem 13. nicht einmal das Haus. Der psychologische Fachausdruck dafür lautet Paraskavedekatriaphobie – die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13.

Auch Alexandra Papp würde heute lieber zu Hause bleiben: „Ich versuche gar nicht raus zu gehen. Das geht aber leider nicht. Deshalb versuche ich wenigstens, so schnell wie möglich von der Straße zu kommen.“ Im Alter von neun Jahren habe sie erstmals an einem Freitag, dem 13. Pech gehabt. Damals sei sie mit dem Fahrrad von einem Auto angefahren worden. In den Folgejahren seien immer wieder schlimme Sachen passiert. „Entweder hatte ich Streit mit Anderen oder war krank“, berichtet die 19-Jährige.

Statistisch gesehen passieren laut verschiedener Untersuchungen an einem vermeintlichen Unglückstag nicht mehr Unfälle als an anderen Tagen. Das kann auch Dr. med. Norbert Pittlik bestätigen. Als leitender Arzt der Klinik für Chirurgie in der Stadtklinik Werdohl kann er aus seiner langjährigen Erfahrung sagen, dass sich Unfälle an einem Freitag, dem 13. nicht häufen. „Zwar schieben Patienten an dem Tag ihr Unglück gerne auf den 13., da ist aber nichts dran. Der Unfall hätte ebenso an einem beliebigen anderen Tag geschehen können“, ist sich der Mediziner sicher.

Der Grund für die Furcht vor Freitag, dem 13. ist in verschiedenen Erklärungen zu finden und eine Kombination aus dem Wochentag und der Zahl. Bereits in der Bibel ist der Tag negativ besetzt. So sollen Adam und Eva am Freitag in den verbotenen Apfel gebissen und so die Sünde in die Welt gebracht haben. Jesus wurde am Karfreitag gekreuzigt. Auch die Zahl 13 kommt schlecht weg: Beim letzten Abendmahl saßen 13 Menschen um den Tisch – der 13. war der Verräter Judas.

Einige Menschen fürchten sich deshalb auch schon allein vor der Zahl 13 als solche. Auch hierfür gibt es einen psychologischen Begriff. Triskaidekaphobie ist die krankhafte Angst vor dieser Zahl.

Um Problemen vorzubeugen verzichten einige Fluggesellschaften sogar auf eine 13. Sitzreihe im Flieger. Auch in manchen Hotels folgt auf die Zimmernummer zwölf direkt die 14. Dr. H.-P. Brauer, Internist im Werdohler Krankenhaus, arbeitete vier Jahre lang in einem amerikanischen Hospital. „Dort gab es keine 13. Etage, aus Aberglaube“, erinnert sich Brauer. Er selbst habe damit kein Problem.

Die meisten Menschen fürchten sich jedoch nicht vor Freitag, dem 13. Zu ihnen gehört auch Ursula Schüngel. Der 36-Jährigen ist der Tag völlig egal. „Bis jetzt habe ich an einem solchen Tag noch nie Pech gehabt“, erklärt sie. Ähnlich sieht es auch Stephan Reich. Dem 23-Jährigen sei bisher nie etwas Schlechtes passiert. „Ich habe eigentlich eher gute Erfahrungen mit Freitag, dem 13. gemacht. Da sind schon oft gute Dinge geschehen. Im Grunde ist mir der Tag aber egal. Ich gucke auch nicht auf den Kalender.“

Sich verkriechen kommt für Aloys Kolberg nicht in Frage. Der 76-Jährige hat mit Freitag, dem 13. nichts am Hut. „Ich bin nicht abergläubisch. Ich glaube auch nicht an einen Gott. Ich lebe mein Leben, wie es gerade kommt. Die Hauptsache ist, dass man gesund bleibt“, sagt der Werdohler.

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