Versuchter Totschlag?

Angst vor Döner-Messer: Mann (25) greift selbst zur Waffe - Messerstecherei

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Döner (Symbolbild)

Werdohl/Altena/Plettenberg – Zu einem Hürdenlauf wurde am Donnerstag der Start des Prozesses gegen einen 25-jährigen Werdohler, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Totschlag vorwirft.

Zunächst bremste die Verkehrslage den Beginn der Sitzung aus, die Richterin stand im Stau. In der Eile wurde dann die Vereidigung eines Schöffen vergessen, und der Prozess musste nach längerer Zeit noch einmal von vorne beginnen. 

Glücklicherweise hatte Verteidiger Andreas Trode die ihm gegenüber gemachten Angaben des Hauptangeklagten zu einer stringenten Erklärung zusammengefügt, in der der 25-Jährige grundsätzlich einräumte, am 17. April 2019 den beiden Männern – einem aus Altena und einem aus Plettenberg – Stiche mit einem Messer versetzt zu haben.

Der Grund: Er habe Angst gehabt, dass der Plettenberger ein Dönermesser, das er angeblich dabei hatte, holen könnte. „Ich wollte ihm in den Po stechen“, behauptete der Angeklagte. 

"Aus Versehen" in den Rücken gestochen

Kurz darauf gab er zu, dass er auch dem zweiten Opfer aus Altena „in den Po stechen“ wollte. Aus Versehen habe er beiden stattdessen je zwei Stiche in den Rücken verpasst. Der Stich ins Bein, der den Altenaer lebensgefährlich verletzte, sei nach einer unerwarteten Bewegung passiert.

„Das ging so schnell“, erinnerte sich eine Zeugin. Es war ein Glücksfall, dass sich weitere Zeugen am Busbahnhof befanden, die sofort die Rettungskräfte verständigten. Denn durch den Stich in den Oberschenkel war eine Arterie verletzt worden, was einen erheblichen Blutverlust zur Folge hatte. Durch eine Notoperation konnte das Leben des Altenaers gerettet werden. 

Wie konnte es zu einem derartig blutigen Konflikt kommen? Es ging offenbar um eine Frau. Der Hauptangeklagte berichtete, dass sein Hauptwidersacher aus Altena seiner Freundin in Kurznachrichten nachgestellt habe. Daraufhin habe er ihm eine Nachricht geschickt: „Du bist hinter meinem Rücken hinter meiner Freundin her. Was bist du für ein Mensch?“ Beim ersten Zusammentreffen der Männer am Werdohler Bahnhof verlangte der 25-Jährige die Herausgabe des Handys seines angeblichen Nebenbuhlers. „Ich wollte nur sehen, ob er meine Freundin angeschrieben hat.“ Einen Raub wies er entschieden zurück: „Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Gedanken, dass ich das Handy behalten wollte.“ 

Die Vorsitzende Richterin fragte nach: „Was war so schlimm daran, dass der Zeuge Ihre Freundin angeschrieben hat?“ Sie könne Annäherungsversuche doch selbst zurückweisen. Merkwürdig war der angebliche Wunsch, im fremden Handy nach Chatverläufen zu suchen auch deshalb, weil der Angeklagte den Schriftwechsel auch im Handy seiner Freundin hätte einsehen können. Traute er ihr nicht? 

Angeklagter sieht Notwehrsituation

Dem Mitangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung vor. Der Werdohler sprach jedoch von einer Notwehrsituation: Die beiden Geschädigten seien zu Beginn des Geschehens plötzlich aus ihrem Auto ausgestiegen und „wie zwei Bullen auf uns zugekommen“. Dann hätten sie ihn geschlagen „Ich habe mich gewehrt.“ 

Die Geschädigten werden beim nächsten Verhandlungstag am 18. Februar gehört.

Wegen versuchten Totschlags muss sich ein 25-jähriger Werdohler zusammen mit einem Mitangeklagten aus Werdohl (25) vor dem Landgericht Hagen verantworten. Der Hauptangeklagte soll am 17. April 2019 bei einer Außeinandersetzung im Bahnhofsumfeld einen Mann aus Altena und einen Plettenberger mit Messerstichen verletzt haben. Der Altenaer wurde dabei so schwer verletzt, dass sein Leben nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Für das Verfahren sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil wird für den 25. Februar erwartet.

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