Paul-Seuthe-Ausstellung

Anekdoten aus den Kinderjahren eines vielfältig veranlagten Künstlers

Thomas Benecke erzählt in der Ausstellung mithilfe von großen Bildtafeln aus dem Leben von Paul Seuthe. Dazu gehört auch die Anekdote, wie der spätere Künstler und Architekt mit sechs Freunden ein Elektromobil zum Stehen gebracht hat.
+
Thomas Benecke erzählt in der Ausstellung mithilfe von großen Bildtafeln aus dem Leben von Paul Seuthe. Dazu gehört auch die Anekdote, wie der spätere Künstler und Architekt mit sechs Freunden ein Elektromobil zum Stehen gebracht hat.

Paul Seuthe (1909-1997) galt gemeinhin nicht als Kraftprotz. Zwar hat der gebürtige Hagener eine Maurerlehre absolviert und dürfte deshalb durchaus auch einiges an Körperkraft gehabt haben. Dass er jemals mit seiner Muskelkraft geprahlt hätte, ist aber nicht überliefert. Umso erstaunlicher erscheint deshalb seine Schilderung, wie er zusammen mit sechs Freunden einmal ein Auto zum Stehen gebracht haben will.

Werdohl ‒ Die Anekdote ist Teil der Ausstellung „Mein liebes Schätzken“, die am Sonntag, 29. August, im privaten Werdohler Paul-Seuthe-Museum an der Neustadtstraße eröffnet werden soll. Thomas Benecke, der das Museum seit 2016 betreibt, hatte die Ausstellung eigentlich schon im Mai 2020 durchführen wollen, sie dann aber wegen der Einschränkungen während der Corona-Pandemie abgesagt. Jetzt möchte er die Zeit niedrigerer Inzidenzwerte nutzen, um die Ergebnisse seiner Forschungen über den Künstler Paul Seuthe zu präsentieren.

Seuthe lebte lange in Werdohl

Benecke hat sich nämlich etwas intensiver mit den bisher wenig beachteten frühen Lebensjahren des vielfältig veranlagten Künstlers Paul Seuthe beschäftigt, der viele Jahre seines Lebens in Werdohl verbracht hat und dort auch 1997 gestorben ist. Schon bald nach seiner Maurerlehre widmete sich Seuthe, der als 21-Jähriger nach Werdohl umzog, der Kunstmalerei dem Studium der Architektur.

In der Ausstellung kann Benecke nun Geschichten und Begebenheiten aus den ersten Lebensjahren mit Werken des Malers und mit Fotos dokumentieren. Beispielsweise hat er ein altes Foto des Geburtshauses von Paul Seuthe auftreiben können, in dem dessen Onkel Karl Seuthe eine Bäckerei betrieben hat. Und er hat auch ein Foto exakt jenes Elektroautomobils zutage gefördert, das Seuthe eigenen Schilderungen zufolge als Kind mithilfe von sechs Freunden mit reiner Muskelkraft zum Stehen gebracht haben will. „Es handelte sich dabei einen Baker Runabout, so hieß das erste Elektromobil aus Amerika“, hat Thomas Benecke recherchiert.

Amerikanisches E-Auto für den deutschen Markt

Nach Hagen, Paul Seuthes während des Deutschen Kaiserreiches aufblühende Geburtsstadt, kam der Wagen durch den Unternehmer Adolf Müller. Der leitete damals in Hagen die Akkumulatoren-Fabrik AFA, die die Batterien für das Fahrzeug geliefert hatte. Der Chef der AFA, des Vorgängers des späteren Batteriekonzerns Varta, brachte das amerikanische E-Auto zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch auf den deutschen Markt und nach Hagen, wo dann Paul Seuthe und seine Freunde Bekanntschaft mit dem modernen Fortbewegungsmittel machten – und umgekehrt. Denn die sieben Freunde, so schildert Seuthe selbst in einem Text, hinderten es nur mit der Kraft ihrer 14 Arme an der Weiterfahrt.

Seuthes Leben in fünf Minuten

Diese und einige weitere Anekdoten aus dem frühen Leben Paul Seuthes hat Thomas Benecke gesammelt, um sie nun in einer Ausstellung zu präsentieren. Auch ein etwa fünfminütiger Film, in dem der Westdeutsche Rundfunk Paul Seuthe im Jahr 1993 einmal porträtiert hat, wird gezeigt. Die Ausstellung trägt den Titel „Mein liebes Schätzken“, was als eine Reminiszenz an das Verhältnis Seuthes zu seiner Tochter Anne Suse zu verstehen ist, die er gerne als „mein Schätzken“ titulierte.

Nach der coronabedingten Absage der Ausstellung vor fast anderthalb Jahren hofft Thomas Benecke, seine Exponate nun präsentieren zu können. „Leider kann niemand die Inzidenzstufe zum Zeitpunkt der Eröffnung vorhersehen“, verfolgt er mit bangen Blicken die Entwicklung. Spätestens für den Herbst gehe er von steigenden Fallzahlen aus, sagt er. Deshalb hat Benecke die Vernissage der Ausstellung auf Sonntag, 29. August, in der Zeit von 12 bis 14 Uhr terminiert. Weitere Öffnungstermine sind Samstag und Sonntag, 4. und 5. September, jeweils von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt zum Ausstellungsraum im Haus Neustadtstraße 26 ist frei, der Zugang ist barrierefrei.

Ab sofort bietet Thomas Benecke wegen der unsicheren Corona-Lage auch private Besuchstermine für Einzelpersonen, Familien oder kleine Gruppen an. Termine können unter Tel. 0 23 92/40 15 vereinbart werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare