Andere Städte haben es bereits getan: Darum möchte Werdohl den Klimanotstand nicht ausrufen

Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände: Die Auswirkungen des Klimawandels sind inzwischen auch in Werdohl spürbar. Sturmschäden sind bisher zum Glück nur vereinzelt zu verzeichnen. So wurde das Schützenheim Altenmühle durch einen Baum beschädigt, den Kyrill auf dem Gewissen hatte.

Werdohl - Der Klimaschutzflyer für Werdohl und die Nachbarstadt Altena ist quasi noch druckfrisch. Fotos und Schlagzeilen vom Lenne-Hochwasser, den Auswirkungen von Orkan- und Sturmfronten, Waldbränden und anderen Ereignissen sollen die Menschen an der Lenne zum Nachdenken anregen und für das Thema sensibilisieren.

Die Ausrufung des Klimanotstandes stehe Werdohl aber dennoch nicht bevor, erklärt Klimaschutzmanagerin Farima Tehranchi. 

„Bisher hat noch keine Stadt, die von der Größenordnung her mit Werdohl vergleichbar wäre, diesen Schritt unternommen“, stellt Tehranchi fest. In unmittelbarer Nachbarschaft beschäftigen sich die Kommunalpolitiker in Lüdenscheid mit diesem Thema. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, mit dem sich der Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt und der Rat Anfang Juli beschäftigen werden. 

Probleme als Stärkungspakt-Kommune

Wird der Klimanotstand ausgerufen, handelt es sich dabei zunächst um einen rein symbolischen Akt. „Aber dabei dürfte es nicht bleiben, ansonsten wäre diese Maßnahme ja völlig sinnlos“, stellt Tehranchi fest. Ruft eine Stadt den Klimanotstand aus, stellt sie damit fest, dass die Klimaveränderungen weltweit negativ wirken und auch im Stadtgebiet spürbar werden. Tehranchi gibt zu bedenken, dass eine Kommune ohne finanzielle Mittel aber kaum in der Lage wäre, daraus resultierende Projekte umzusetzen. „Als Stärkungspakt-Kommune wären Werdohl quasi die Hände gebunden,“ sagt die Klimaschutzmanagerin. 

Würde der Klimanotstand ausgerufen, hätte der Klimaschutz zudem ein deutlich höheres Gewicht in der Kommunalpolitik. Ausschuss- und Ratsmitglider müssten fortan genau prüfen, ob ihre Entscheidungen eine Reduzierung oder eine Erhöhung klimaschädlicher Gase zur Folge hätten. Denn die Verminderung von Abgasen, die Autos, Industrie und Privathaushalte produzieren, hat in einer Klimanotstands-Kommune Priorität. Auch ein Vorhaben wie die Erweiterung des interkommunalen Gewerbegebietes Rosmart müsste folglich vor der Verwirklichung auf seine Klimaverträglichkeit abgeklopft werden. 

Auch Bürger könnten den Antrag stellen

Übrigens: Der Antrag auf die Ausrufung des Klimanotstandes muss keineswegs von einer politischen Partei gestellt werden. Auch wenn sich engagierte Bürger oder Mitglieder von Klimaschutz- Bewegungen wie „Fridays for Future“ dafür stark machen, müssen sich die politischen Gremien in der betroffenen Kommune mit dem Thema beschäftigen.

Städte werden aktiv

In Deutschland haben seit Mai dieses Jahres bereits zehn Kommunen den Klimanotstand ausgerufen: Konstanz, Heidelberg, Kiel, Tönisvorst am Niederrhein, Herford, Münster, Telgte, Drensteinfurt, Erlangen und Bochum. In weiteren Städten – wie beispielsweise in Lüdenscheid – wurden bereits entsprechende Anträge gestellt oder diese sind in Arbeit.

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