Sechs Monate Haft wegen Körperverletzung

WERDOHL - Einen Zwangshalt auf dem Weg in den Untergang verordnete das Amtsgericht Altena am Dienstag einem 39-jährigen Werdohler. Das Schöffengericht verurteilte den stark alkoholabhängigen Mann wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu sechs Monaten Haft.

Wegen zahlreicher Vorstrafen, die ebenfalls auf exzessiven Alkoholkonsum zurückgingen, kam eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht mehr in Betracht. Außerdem droht dem 39-Jährigen eine weitere zweijährige Haftstrafe, weil diese im Jahr 2011 letztmalig zur Bewährung ausgesetzt wurde. Verurteilt wurde der Angeklagte damals wegen eine schweren räuberischen Erpressung, die allerdings als „minderschwer“ eingestuft wurde, und weiterer Delikte.

Richter Dirk Reckschmidt hat eine gute Nase. Zunächst leugnete der Angeklagte noch, dass er am Morgen bereits Alkohol getrunken habe. Beim zweiten Anlauf löste sich seine Zunge: Der Inhalt von zwei Flaschen Bier hatte ihn auf dem Weg ins Amtsgericht begleitet.

Angeklagt war der 39-Jährige, weil er am 27. September 2012 angetrunken randalierte. Nachbarn riefen mehrfach die Polizei, weil er zwei Scheiben zerschlagen und andere Hausbewohner bedroht haben sollte. Die Polizei fand den Randalierer nach längerer Suche im Kleiderschrank seiner Wohnung. Trotz angelegter Handfesseln wehrte sich der 39-Jährige auf dem Weg zum Polizeiwagen derart heftig, dass ein Beamter verletzt wurde. „Da hatte ich noch relativ lange ‘Spaß’ mit“, erinnerte sich der Zeuge im Gerichtssaal.

Auch auf der Fahrt in den Polizeigewahrsam in Lüdenscheid habe der Mann noch keine Ruhe gegeben und gedroht, „alle abzuknallen“, wenn er wieder nach Hause komme. Der Atemalkoholtest ergab einen Wert von etwa 1,7 Promille. Schon am 1. Oktober kam es zu einem weiteren Zwischenfall, bei dem der 39-Jährige erneut einer Zeugin gedroht haben soll, sie umzubringen. Die Anklage wurde aber auf den Widerstand und die Körperverletzung beschränkt.

„Das ganze Haus war in Aufruhr“ fasste der Polizeibeamte im Zeugenstand die Situation zusammen. „Dieser Mann trinkt zuviel“, sagte eine der bedrohten Nachbarinnen. Zwei weitere mussten gar nicht mehr vernommen werden, aber zwei Worte machten ihren Blick auf die Ereignisse deutlich: „Zu spät“, antwortete eine von ihnen auf den hilflosen Versuch des Angeklagten, sich zu entschuldigen. Der psychiatrische Gutachter berichtete von mehreren abgebrochenen Alkoholentwöhnungstherapien: „Eine positive Behandlungsaussicht ist hier nicht zu erkennen.“

Der höchste Stolperstein für eine erfolgreiche Behandlung in einer Entziehungsanstalt sei die „vollständige Uneinsichtigkeit“ des Angeklagten. So blieb nur der kalte Entzug in einer Gefängniszelle. „Es gibt keine Anzeichen, dass Sie ohne Einwirkung eines längeren Strafvollzuges vom Alkohol runterkommen“, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest und verordnete dem Angeklagten eine längere Auszeit im Strafvollzug, um „sich zu fangen und zu fassen“. - Von Thomas Krumm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare