Werdohl nach der Flut

Stadt organisiert Hilfe für Unwetter-Opfer

Die Firmen Ossenberg und Ulbrich arbeiten daran, im Bereich der Höllmecke-Einmündung das Geröll von der B 236 zu schaffen. .
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Bis zum späten Donnerstagabend arbeiteten die Firmen Ossenberg und Ulbrich daran, im Bereich der Höllmecke-Einmündung das Geröll von der B 236 zu schaffen. Jetzt ist Dresel zumindest im Notfall wieder von Werdohl aus über die Bundesstraße zu erreichen. Freigegeben ist die Straße immer noch nicht.

Werdohl – Am zweiten Tag nach dem Jahrhundertregen, der am Mittwoch über Werdohl niedergegangen ist, wird der Blick frei auf die Verwüstungen, die das Unwetter angerichtet hat. Die Stadt beginnt derweil damit, Hilfen für die Opfer der Katastrophe zu organisieren. Außerdem werden nach und nach die Verkehrswege wieder passierbar gemacht.


„Wir haben viele Opfer, die jetzt wohnungslos sind“, sagte Bürgermeister Andreas Späinghaus. Einige Familien hätten aus ihren einsturzgefährdeten Häusern herausgeholt werden müssen, erläuterte er die Hintergründe.

Familien in Übergangswohnheim untergebracht

Wie viele Menschen durch die Unwetterkatastrophe wohnungslos geworden seien, sei aber im Moment noch nicht zu überschauen. Späinghaus sprach aber von „drei oder vier Familien“. Einige seien nun für die ersten Nächte in Übergangswohnheimen untergebracht worden, damit sie überhaupt ein Dach über dem Kopf hätten. Die Stadt stehe aber auch in Gesprächen mit der Wohnungsgesellschaft und der Gesellschaft Grand City Property, um den Unwetteropfern dort eventuell leerstehende Wohnungen anbieten zu können. Auch Pensionsbesitzer, die übergangsweise wohnungslos gewordene Werdohler unterbringen könnten, sind aufgerufen, sich im Rathaus zu melden.

Unbürokratische Unterstützung

Was die beschädigten Häuser angeht, wolle die Stadt auch unbürokratische Unterstützung anbieten, sagte Späinghaus. „Unsere Leute von der Bauaufsicht stehen Gewehr bei Fuß“, versicherte er, dass von diesen Experten aus dem Rathaus Hilfe in Sachen Begutachtung und Statik angeboten werde. Auch einige Möbelstücke könne die Stadt bei Bedarf zur Verfügung stellen. Parallel dazu wolle er eine Spendenaktion anstoßen, mit der Opfern der Regenkatastrophe finanzielle Hilfe angeboten werden könne. Über die Malteser werde in den nächsten Tagen ein Spendenkonto eingerichtet, kündigte Späinghaus an.

Spendenkonto für verstorbenen Feuerwehrmann

Ein anderes Spendenkonto gibt es bereits. Darauf kann Geld zur Unterstützung der Familie des 52-jährigen Feuerwehrmannes aus dem Löschzug Stadtmitte eingezahlt werden, der am Mittwochabend während des Einsatzes kollabiert und anschließend verstorben ist. „Es gab viele Anfragen, wie man der Familie helfen könne“, berichtete der Bürgermeister. Die Feuerwehr, die am Mittwoch und Donnerstag mit rund 100 Einsatzkräften etwa 120 Einsätze abgearbeitet hat, habe deshalb bei der Volksbank ein Spendenkonto eingerichtet. Auch für die Kameraden des verstorbenen Feuerwehrmanns gibt es Hilfe: „Am Mittwoch können sie im Gerätehaus Stadtmitte psychosoziale Unterstützung in Anspruch nehmen“, kündigte Feuerwehrchef Kai Tebrün an.

Anfrage für Hilfseinsatz in Eifel und Rheinland

Tebrün stand auch am Freitag noch unter dem Eindruck der Ereignisse der vorangegangen beiden Tage. „Diese Wassermassen waren einfach nicht mehr zu bewältigen“, sagte er mit Verweis auf das Einsatzgeschehen insbesondere in Dresel. Tebrün gab zu, zwischendurch auch der Verzweiflung nahe gewesen zu sein und sprach damit gewiss auch für viele seiner Kameraden. Die Einsätze seien nun abgearbeitet, er hoffe, dass die Einsatzkräfte das Wochenende jetzt zur Erholung nutzen könnten, sagte er. Allerdings: Bereits am Freitag gab es die Anfrage, ob die Werdohler Feuerwehr im Rahmen der überörtlichen Hilfe nicht Unterstützung ins ebenfalls vom Unwetter stark getroffene Rheinland und in die Eifel schicken könne. „Ich frage die Bereitschaft bei den Kameraden gerade ab“, sagte Tebrün am Freitagnachmittag. Sicherlich eine schwierige Entscheidung für die ehrenamtlichen Helfer, die gerade selbst erst Unterstützung aus anderen Teilen des Landes erhalten haben.

B236 mit Ausnahmegenehmigung befahrbar

Und wie geht es nun auf den Straßen weiter, die teilweise schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind? Die B236 zwischen Ütterlingsen und Elverlingsen ist seit Freitag wieder geräumt, aber noch nicht für den Verkehr freigegeben. Zu viel Schlamm, Wasser und Treibgut liegt noch auf der Fahrbahn. Auch ist noch nicht klar, wo die Straße vielleicht unterspült ist und absacken könnte. Deshalb dürfen die Absperrungen derzeit nur mit Ausnahmegenehmigung passiert werden, beispielsweise von Technikern, die in die vom Unwetter gebeutelten Betriebe in Dresel gelangen müssen. „Wer dort arbeitet, sollte möglichst Fahrgemeinschaften bilden“, regte Bürgermeister Späinghaus an, den Fahrzeugverkehr zu reduzieren. Die vielen geparkten Autos auf dem Freibad-Parkplatz und an der B 236 in Ütterlingsen waren am Freitag ein Indiz dafür, dass das einige Arbeitnehmer wohl bereits praktizieren.

Nadelöhr VDM-Kreisel

Für Entlastung auf den innerstädtischen Straßen dürfte die Freigabe der Derwentsider Straße im Bereich des „Troges“ sorgen. Mitarbeiter des Baubetriebshofes haben die Senke unter der Stadtbrücke am Freitagnachmittag von Schlamm und Wasser befreit. Mit dem Nadelöhr VDM-Kreisel müssen Verkehrsteilnehmer dagegen noch einige Zeit leben. Noch drei Wochen müsse dort gebaut werden, bis auf die Drei-Phasen-Ampel verzichtet werden können, sagte Späinghaus. Dann werde der Verkehr dort schneller fließen können, obwohl der Abzweig Neuenrader Straße noch nicht fertig gestellt werde. „Die Höllmecke sollte Priorität haben“, geht der Bürgermeister davon aus, dass der Landesbetrieb Straßen.NRW die schwer beschädigte L 656 vorrangig wiederherstellen lassen wird. Für die Stadt Werdohl ist es nach Worten des Bürgermeisters von großer Wichtigkeit, die Hartmecke wieder befahrbar zu machen. „Das ist ein Rettungsweg“, begründete Späinghaus, warum damit schon nächste Woche begonnen werden soll.

Spendenkonto

Spenden für die Familie des verstorbenen Werdohler Feuerwehrmannes können mit dem Verwendungszweck „Feuerwehrmann“ auf das Konto mit der IBAN DE71 4476 1534 1805 1666 00 eingezahlt werden.

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