Altes Gasthaus schließt: Ende einer Ära

Irmgard Schröder und ihr Sohn Peter schließen heute ihre traditionsreiche Gaststätte Brinker. ▪

WERDOHL ▪ Alle drei haben Mühe, die Tränen zurück zu halten. Der eine Gast sagt „Ich wünsche Ihnen alles Gute“ und schüttelt Wirtin Irmgard Schröder die Hand. „Ich finde das alles sehr traurig“, beteuert auch der zweite und Irmgard Schröder antwortet: „Vielleicht sieht man sich ja mal in der Stadt.“

Am Freitag öffnet Irmgard Schröder die Gaststätte Brinker zum letzten Mal. Gegründet hat den Familienbetrieb 1860 ihr Großvater Wilhelm. „Zu tun hatten wir immer ganz gut“, erinnert sich die Werdohlerin. Auch ihr Sohn Peter, der in der Restaurantküche als Koch wirkte, betont: „Wirtschaftlich haben wir keinen Grund, zu schließen.“

Doch gesundheitlich gehe es ihr nicht mehr gut, erklärt Irmgard Schröder. Im Oktober ist ihr Mann Friedrich-Wilhelm verstorben. Seither hatte die 72-Jährige mit ihrem Sohn die Gastwirtschaft alleine geführt. „Aber ich kann nicht mehr so gut sehen. Und bei jedem Schritt habe ich Schmerzen.“

Peter Schröder erinnert sich an Personal, welches vor vielen Jahren die Einnahmen mitgehen ließ. „Als gebranntes Kind möchte ich dann auch nicht ohne meine Mutter weiter machen und wieder Leute einstellen“, erläutert er.

„Und verkaufen wollten wir das Lokal auch nicht, da wir ja in der oberen Etage unsere Privaträume haben“, sagt Irmgard Schröder, die auch weiterhin an der Plettenberger Straße wohnen wird. In „fremden Händen“ wolle sie den Familienbetrieb nicht sehen.

„Leicht fällt mir das alles nicht“, gesteht die Wirtin. „Ich habe kein lachendes Auge bei der Sache – nur ein weinendes.“ Im Gasthaus sei sie praktisch aufgewachsen. „Mit zehn, elf Jahren habe ich angefangen, mit an zu packen, habe gezapft oder in der Küche geholfen.“

1961 verstarb ihr Vater. 1963 heiratete sie ihren Mann. Kurz darauf übernahm sie das Restaurant von ihrer Mutter. „Und ich hätte das jetzt auch gerne noch ein paar Jahre weiter gemacht. Ich bin ja hier im Haus geboren. Da hänge ich sehr dran, auch wenn es hier laut ist.“ Irmgard Schröder zeigt aus dem Fenster, vor dem im Zehn-Sekunden-Takt Autos und Lastwagen vorbei rauschen. Peter Schröder hat den Abschied vom Familienbetrieb noch gar nicht realisiert: „Ich stehe noch so unter Stress. Nach Freitag fahre ich erst einmal in den Urlaub.“ Er vermutet: „Danach wird das erst alles hoch kommen.“ ▪ Michael Koll

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare