Lutherfest macht auch Nicht-Protestanten Spaß

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Einrichtungsleiterin Anja Rittinghaus (links) und ihre Mitarbeiter hatten sich in historische Gewänder gekleidet. Sonja Kitsch (2. von links) hatte morgens im Gottesdienst eine arme Sünderin gespielt.

Werdohl - Nein, wenn sie Reue und Buße zeige, dann müsse sie auch ihr Leben ändern. Das war der armen Sünderin dann aber doch zu anstrengend. Gespielt wurde sie von einer Mitarbeiterin des evangelischen Altenhilfezentrums Wichernhaus am Rader Weg.

In dieser Spielszene – Teil des Gottesdienstes zum Sommerfest am Sonntagmorgen – sprach diese Sünderin mit Martin Luther. Diesen stellte Rüdiger Schmale, Pfarrer im Ruhestand, dar.

Die Frau kam auf ihn zu, um danach zu fragen, wie viele Silbermünzen sie für den Ablass ihrer Sünden zahlen muss? Der Ablass war vor 500 Jahren eine gängige Praxis, um sich mit diesem Gnadenakt von moralischen Verfehlungen freizukaufen. Reformator Luther hingegen hielt rein gar nichts von dieser ansonsten üblichen Vorgehensweise.

Schmale alias Luther riet der Sünderin immer wieder zur Reue. Aber davon wollte die Frau aus dem Volk einfach nichts wissen. Das Ganze war ein eindrucksvolles Spiel im Festsaal, dass die Wichernhaus-Bewohner fesselte.

Übrigens: In der evangelischen Einrichtung waren noch vor wenigen Jahren Katholiken eine seltene Ausnahme. Heute, verrät Altenzentrums-Leiterin Anja Rittinghaus, gibt es sie in ebenso starker Zahl wie Protestanten unter den aktuell 75 Bewohnern. „Auch ein paar Angehöriger anderer Glaubensrichtungen haben wir unter uns – und auch einige Konfessionslose.“

Und all diesen – sowie den Besuchern – wurde auch Kulinarisch etwas anderes geboten als in den vergangenen Jahren beim Sommerfest: „Heute gibt es mal keine Pommes und kein Schaschlik“, berichtete Rittinghaus. „Wir haben nur Dinge im Angebot, die es auch schon zu Luthers Zeiten gab.“

Karsten Wolfewitz aus Altena nahm die Lutherfest-Besucher mit auf eine Reise ins Mittelalter.

Auf den Teller kamen so im Außenbereich Spießbraten mit Sauerkraut, Ofenkartoffeln und Schmalzbrote. Auch beim Büfett im Festsaal für den süßen Zahn setzte sich das Konzept fort: Es gab lediglich feste Kuchen, die übrigens die Mitarbeiter des Hauses selbst gebacken hatten und die kostenfrei verteilt wurden. Rittinghaus erklärte: „Zu Zeiten Martin Luthers gab es ja noch keine Torten, deshalb gibt es die auch heute hier nicht.“

Zufrieden zeigte sich die Einrichtungsleiterin mit der Resonanz des Festes. Es kamen viele Freunde und Verwandte der Besucher. Und die selbst waren auch sichtlich und hörbar angetan. Sonja Kitsch – die morgens beim Gottesdienst noch die Sünderin war – berichtete: „Viele Bewohner kamen strahlend auf mich und meine Kollegen zu und sagten: ‘Oh, was sehen sie heute aber schön aus’.“ Denn: Die Mitarbeiter hatten sich allesamt in historische Gewänder gekleidet zu diesem Anlass.

Und sie verkauften im Außenbereich auch selbstgemachte Marmeladen – selbstredend nicht in modern-exotischen Geschmacksrichtungen, sondern nur in drei Varianten, die vielleicht auch der berühmte Reformator auf sein Brot schmierte: Apfel, Birne und Pflaume.

Dann wurde die Mittelalter-Musik von der CD gestoppt und Karsten Wolfewitz enterte die Bühne. Der Hausmeister der Burg Holzbrink in Altena war gekommen, um den Festbesuchern und den Bewohnern von Graf Adolf zu Altena zu erzählen. Und auch vom Junker Jörg, der heimlich die Bibel übersetzte, berichtete er. Darüber hinaus schilderte er das Alltagsleben auf einer Burg.

Und schließlich spielte Wolfewitz auf altertümlichen Instrumenten alte Weisen. Und er erklärte: „Ein Ritter weiß nicht nur, ein Schwert zu führen, sondern auch eine Fiedel.“

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