So gut wie allein unter Männern

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Die Jugendfeuerwehrmädchen sind noch keine 18 und dürfen deshalb keinen aktiven Dienst bei den Freiwilligen verrichten. Ihre Vorbilder sind die beiden einzigen Werdohler Feuerwehrfrauen Vivien Pawlik und Sara de Maio.

WERDOHL ▪ Vor genau zehn Jahren kamen die ersten Mädchen zur 1978 gegründeten Jugendfeuerwehr in Werdohl. Bei vielen war der Vater als Vorbild Grund für den späteren Eintritt: „Mein Vater ist Feuerwehrmann, daher kommt mein Interesse“, erklärt Anna-Lena Höft, 14 Jahre alt, ihre Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr, in die man ab zwölf Jahren eintreten kann.

Auch die 13-jährige Julia „Trixi“ Sommer ist mit der Feuerwehr groß geworden: Ihr Vater ist ebenfalls in der Wehr. „Ich war früher auch schon bei den Fahrten dabei“, erinnert sie sich. „Das hat mir immer sehr gut gefallen,“ erzählt das jüngste Mitglied der Jugendfeuerwehr weiter von ihren Beweggründen.

„Ich bin durch eine Freundin zur Jugend gekommen. Ich sollte einfach mal vorbeikommen, und die Zeit dort war super“, sagt eine von zwei Aktivdienstlerinnen. Um an diesem aktiven Dienst teilnehmen zu dürfen, muss man volljährig sein.

Trotzdem sprechen die Zahlen Bände: In der gesamten Werdohler freiwilligen Feuerwehr sind 110 Personen – davon sind 108 männlichen Geschlechts. So müssen die Frauen der Werdohler Feuerwehr nicht nur Brände bekämpfen, sondern auch viele Vorurteile: Das sei Männerarbeit, heißt es da, oder auch, dass Frauen nicht in die Feuerwehr gehörten, weil das nur etwas für „richtige Kerle“ sei.

Doch davon lassen sich beide aktiven Werdohler Feuerwehrfrauen nicht unterkriegen: „Wir können uns besser durchsetzen als die Männer“, sehen sie als ihren Vorteil und ihre Stärke an. Natürlich sei die körperliche Arbeit nicht einfach – eine Übungs-Dummypuppe wiegt zum Beispiel stolze 80 Kilogramm – „Das ist aber auch für Männer schwierig“, geben diese zu.

Die Aufgaben der Jugend- und Freiwilligen Feuerwehr sind vielfältig: ob das nun die Aktivitäten auf dem Stadtfest sind, das jährliche Zeltlager, die wöchentlichen Treffen am Mittwoch oder die sonntäglichen Übungen, die Blauröcke haben immer etwas zu tun. „Das ist Spiel und Spaß und Spannung“, macht Lena Langner, 17 Jahre alt, gerade weiblichen Interessenten Mut, einmal in die Aufgaben der Brandbekämpfer hineinzuschnuppern.

Bereits 1917 gab es eine erste uniformierte freiwillige Feuerwehr mit Frauen im badenwürttembergischen Reutlingen. Offizieller Eintritt des weiblichen Geschlechts war jedoch erst Anfang der siebziger Jahre – und diese Frauen waren echte Wegbereiterinnen: Ungefähr eine Million ehrenamtlich tätige Blauröcke gibt es heutzutage in Deutschland, davon sind mittlerweile circa 75 000 weiblich. Der Anteil ist zwar relativ gering, jedoch zeichnet sich gerade bei den jungen Mädchen ein deutlicher Trend zur Uniform ab: Knapp ein Viertel aller Mitglieder der Jugendwehren sind weiblich – das sind 55 000. Zudem ist die Zahl an freiwilligen Brandbekämpferinnen stetig gestiegen: In den letzten zehn Jahren von knapp sechs auf rund acht Prozent. Seitdem tragen auch die Werdohlerinnen ihren Beitrag zur Feuerwehr bei.

Für die meisten ist und bleibt die Feuerwehr ein tolles und aufwändiges, zeitintensives und geliebtes Hobby, das sich als Beruf aber erst einmal niemand vorstellen kann; die Unterschiede seien einfach zu groß.

Die 17-jährige Naomi Bergdahn bemerkt dazu: „Wenn man das bei der Feuerwehr weitermachen will, ist es eher eine Lebenseinstellung als ein Hobby.“ ▪ anke

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